Kiersper Weltladen-Team klagt über zu geringe Gewinne

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Hermann Reyher leitete die Versammlung, Ulla Reyher berichtete über das vergangene Vereinsjahr.

Kierspe – Vor zwei Jahren machte Lidl Schlagzeilen mit der Ankündigung, in Zukunft nur noch Fairtrade-Bananen zu verkaufen. Im Mai 2019 ruderte der Discounter dann zurück – die Kunden waren mehrheitlich nicht bereit gewesen, pro Kilogramm 10 bis 20 Cent mehr zu bezahlen.

Mit diesem Beispiel warf der Vorsitzende Hermann Reyher bei der Jahreshauptversammlung der Eine-Welt-Initiative ein Schlaglicht auf die Situation des fairen Handels in Deutschland und belegte damit einmal mehr die schlichte Erkenntnis: Faire Produktionsbedingungen und Handelsbeziehungen zu Dumpingpreisen – das geht nicht. Es gibt aber auch Lichtblicke: Bei fair gehandeltem Kakao sei der Umsatz bundesweit auf 70 000 Tonnen gestiegen, informierte Reyher und auch wenn Lidl einen Rückzieher gemacht hat, nutzen Prominente wie die „Tatort“-Schauspieler Klaus Behrendt und Dietmar Bär ihre Bekanntheit, um den fairen Handel voranzutreiben. Der aus einer Krimi-Produktion hervorgegangene eingetragene Verein „Tatort – Straßen der Welt“ legt einen Schwerpunkt auf fairen Anbau und Vermarktung von Mangos.

Damit ging die Diskussion nahtlos über auf ein Thema, das die Mitglieder seit längerem umtreibt – die (zu) geringen Gewinne des Kiersper Weltladens. Der ist normalerweise am Mittwochnachmittag geöffnet, parallel zu den Öffnungszeiten von „Hand in Hand“. Neben dem Ladengeschäft engagiert sich der Verein in Form von Catering bei KuK-Veranstaltungen und durch den Verkauf beim Weihnachtsmarkt an der Margarethenkirche, dem Adventsbasar im Gemeindehaus St. Josef und dem Weltgebetstag der Frauen. Neben guten Gesprächen, die sich bei diesen Gelegenheiten immer ergeben, sorgen sie auch dafür, den Gesamtumsatz zu erhöhen.

All das fällt zur Zeit weg. Seit drei Monaten ist der Laden im Sozialen Bürgerzentrum geschlossen; die Stammkundschaft wird vom Team beliefert. Im Kassenbericht wird sich diese besondere Situation erst im nächsten Jahr niederschlagen. Den erstattete Bärbel Rittinghaus. Sie informierte über Warenbestand, Umsatz, Betriebskosten und Liquidität, denn trotz der Vereinsstruktur gelten auch für den Weltladen die Gesetze des Einzelhandels. Einige Unterschiede zu „normalen“ Geschäften gibt es trotzdem. Die Mitarbeiterinnen arbeiten unentgeltlich, ein Teil des Gewinns fließt regelmäßig nach Uganda in die Unterstützung einer Schule für nachhaltige Landwirtschaft und Berufsausbildung. Mehrere Vereinsmitglieder haben außerdem eine Patenschaft übernommen, durch die eine Lehrerstelle an der Schule finanziert wird. Auch in diesem Jahr will der Verein „mindestens“ 1200 Euro an Schulgründer Paul Kyalimpa überweisen, so der Beschluss der Versammlung. Die fand im Café von „Hand in Hand“ statt.

Wann der Weltladen wieder öffnen wird, ist nicht klar. Die Initiative will sich an den Vorgaben von „Hand in Hand“ orientieren.

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