Die Sense kommt erst im Winter zum Einsatz

Mit der Sense beseitigt Hermann Reyher als Pflanzbeauftragter des Heimatvereins die Wildstauden. Die Arbeit geschieht aber immer erst im Winter, da ansonsten Tieren der Lebensraum genommen werde. - Fotos: Becker

Kierspe - Mitten im Winter zieht Hermann Reyher mit der Sense los. Er will zwar nicht den Schnee mähen, jedoch das, was aus diesem herausschaut. Extensive Bearbeitung nennt er das und diese gilt dem Heiratswäldchen, für das Reyher als Pflanzbeauftragter des Heimatvereins tätig ist. Der Kiersper sieht den Zustand der Anlage längst nicht so kritisch wie einige Kiersper, die sich mit Beschwerden an die UWG gewandt hatten.

„Der Spätherbst ist keine gute Zeit, um den Pflegezustand des Heiratswäldchens zu begutachten“, räumt Hermann Reyher ein. Der Pflanzbeauftragte erklärt, dass es sich bei dem Wäldchen neben der Osemundstraße um ein Baum- und Bachbiotop im Quellgebiet der Kerspe und damit im Wasserschutzgebiet handele. Damit unterliege auch die Pflege und Bearbeitung der Fläche besonderen Auflagen – dazu komme noch der Umweltschutzgedanke, der über diese Bestimmungen hinausgehe. „Im Herbst wachsen dort Wildstauden, die für viele Tierarten unverzichtbar sind.“ Als Beispiele nennt er die Bedeutung der Brennnesseln für Schmetterlinge und den Distelfink, der die Pflanze ja bereits im Namen trage. Reyher: „Die Stauden lasse ist deshalb bewusst bis in den Winter stehen. Das im Wäldchen wachsende Gras wird von der Schneelast zu Boden gedrückt und stellt daher auch kein Problem dar.“

Genau 20 Jahre ist es her, dass Brautpaare die ersten Bäume auf der 1,7 Hektar großen Fläche pflanzten. In den beiden Jahrzehnten wurden bislang 180 Laubbäume dort gepflanzt – wobei mittlerweile auch Silber- und Goldpaare von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Hauptsächlich sind dort Ahorn, Buchen, Eichen, Erlen, Eschen und Wildobstgehölze zu finden. „Die Paare suchen sich die Bäume selbst aus. Je nach Art kosten diese dann zwischen 8 und 25 Euro. Ich hole diese dann bei einer Baumschule ab und gepflanzt wird gemeinsam“, sagt Reyher. Der Pflanztermin in diesem Jahr wird wieder nach Ostern liegen. Drei Paare haben sich dazu bereits angemeldet. Gerade in den ersten Jahren benötigten die jungen Bäume aber auch in der trockenen Jahreszeit die eine oder andere Extraportion Wasser. Dieses Gießen werde oft von den Paaren selbst übernommen – oder von dem Pflanzbeauftragten.

„Natürlich kommt es auch immer mal wieder vor, dass der eine oder andere Baum eingeht – wobei das nach meinem Wissen keine Auswirkungen auf die Ehe hat“, scherzt Reyher. Doch auch wenn einige wenige Pflanzen nicht zu kräftigen Bäumen werden – in wenigen Jahren wird es auf dem Gelände keinen Platz mehr geben. Reyher: „Darüber muss sich der entsprechende Fachausschuss rechtzeitig Gedanken machen. Vielleicht ergibt sich ja eine Möglichkeit, das Wäldchen jenseits des Fußweges auszuweiten.“

Doch bis es soweit ist, findet der Kiersper auch in der bestehenden Fläche genügend Arbeit. Denn neben dem Pflanzen und Gießen sowie dem erwähnten Mähen mit der Sense räumt Reyher auch den Müll weg, den achtlose Zeitgenossen an den Wegesrändern weggeworfen haben.

Reyher selbst sieht in dem Heiratswäldchen eine schöne Tradition, die auch weiter gepflegt werden sollte: „Neben dem ökologischen Nutzen symbolisiert das Wachsen und Werden eines Baumes auch die Verbundenheit der Menschen, die den Baum ausgesucht haben, mit ihrem Heimatort.“

Doch nicht nur die Bäume stehen im Wäldchen, an seinem Rand sind auch auf einem Schild die Paare festgehalten, die in all den Jahren dort zur Schaufel gegriffen haben.

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