Herausbildung einer Stadtmitte als Ziel

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Von der UWG beleuchten Dieter Grafe und Rüdiger Däumer den Entwurf des Einzelhandelskonzeptes, nennen Fakten und äußern Lob und Kritik. Unter anderem wird von ihnen bemängelt, dass Sichtbeziehungen wie zur St. Josef-Kirche kein Thema sind. ▪

KIERSPE ▪ Als einige der Vorschläge zur Entwicklung des Bereichs Kierspe-Mitte bekannt wurden, wie ein Rathausneubau direkt gegenüber der Sparkasse und eine Verlegung des Aldi-Marktes zusammen mit dem Rewe-Markt auf die grüne Wiese auf der anderen Seite der Friedrich-Ebert-Straße, entbrannte vor einigen Monaten eine heftige Diskussion.

Dabei handelte es sich nur um langfristig zu verstehende Handlungsempfehlungen. Im Vordergrund steht aus Sicht der Politik die Schaffung eines zentralen Versorgungsbereichs zwischen der Thingslindestraße und dem Einkaufspark Wildenkuhlen sowie das Bestreben, dieses Gebiet als Stadtzentrum durch geeignete Maßnahmen zu verzahnen und zusammenwachsen zu lassen, so schwierig das vielleicht auch sein mag.

Gestern Abend waren alle Bürger eingeladen, sich im Rahmen einer Einwohnerversammlung im Rathaus  über den Entwurf des Einzelhandelskonzeptes, der vom Gutachterbüro CIMA aus Köln erarbeitet worden ist, zu informieren. Angesprochen wurden genauso die anderen geplanten zentralen Versorgungsbereiche am Bahnhof entlang der Kölner Straße als Nebenzentrum und im Dorf als Nahversorgungszentrum sowie der weitere Ausbau des Einkaufsparks Wildenkuhlen.

Bereits ganz intensiv mit dem Gutachten befasst hat sich unter anderem die UWG-Fraktion vor allem mit ihrem Vertreter Rüdiger Däumer, der selbst Planer, damit vom Fach und somit dafür prädestiniert ist, sowie außerdem natürlich Fraktionschef Dieter Grafe. Letzterer beobachtet immer mit großer Zufriedenheit, wie gut das auch als Fachmarktzentrum geläufige Angebot am Wildenkuhlen von den Menschen, einheimischen wie auswärtigen, angenommen wird. Für ihn steht fest, dass hier richtig gehandelt wurde und konsequenterweise auch weitergemacht werden muss. Was, wie er aufmerksam macht, das Einzelhandelskonzept durchaus hergebe.

Däumer, der das gesamte Gutachten mit seinen 75 Seiten von vorne bis hinten durchgegangen ist, unterstreicht: „Einzelhandelskonzepte sind ein wichtiges Instrument zur Darstellung und Behebung von innerstädtischen Missständen.“ Hierbei würde aber nicht nur der Einzelhandel erfasst, sondern darüber hinaus auch die Stadtgestaltung und auch verkehrliche Belange.

Zentrale Versorgungsbereiche förderten die nachhaltige Steuerung einer wohnortnahen Einzelhandelsversorgung und seien als Entwicklungsangebot aufzufassen. Kreativ und richtungweisend werde es dann bei den Handlungsempfehlungen, die der Absicherung und Weiterentwicklung des Einzelhandels in der Stadt dienten. Wobei die Zielvorgabe die Entwicklung einer Mitte sei, ohne dabei andere Versorgungsstandorte zu gefährden.

Attraktive

Innenstadt angestrebt

Grundsätzlich konstatiert er: Attraktive Innenstädte stellen einen herausragenden Standort für die Nahversorgung dar. Sie sind immer zentral gelegen und für alle Verkehrsarten gut erreichbar.“ Das mache sie interessant für Senioren, für einen Bummel oder auch den Restaurant- und Cafébesuch. Zudem böten sie natürlich Arbeitsplätze. So liefert Däumer Argumente, die dafür sprechen, auch in Kierspe den Versuch zu wagen, ein attraktives Stadtzentrum herauszubilden.

Er erläutert: „Die Handlungsempfehlungen des Einzelhandelkonzeptes beschreiben die Umsetzung dieser Idee durch Neubau, aber auch durch Verlagerung von Einzelhandel und Verwaltung, um so eine Stärkung von Kierspe-Mitte zu erreichen.“ Ideen wie Rathausneubau und Verbrauchermarktverlegungen seien allerdings langfristig zu verstehen und, jetzt kommt Kritik von ihm „nicht wirklich sinnvoll“. Sie führten lediglich zu unnötigen Diskussionen über komplexe Zusammenhänge, die kein Planer voraussehen könne. Für viele Kritiker böten sie Ansatzpunkte für eine pauschale Ablehnung des Gesamtkonzeptes und schnell würden darüber die guten Ansätze überlesen oder vergessen. Auch aus diesem Grund sollten sich die Beteiligten nur auf solche Ergebnisse und Ziele im Konzept verständigen, die sich zeitnah umsetzen ließen oder zumindest stufenweise realisierbar seien.

Rüdiger Däumer bemängelt an dem CIMA-Gutachten weiterhin: „Hinweise zur Gestaltung von Fassaden und Schaufenstern an bestehenden Gebäuden sowie städtebauliche und architektonische Hinweise zu neuen Bauvorhaben fehlen.“ Ebenso nicht zu finden seien konkrete Projektvorschläge, die beispielsweise den Stadtteil Bahnhof als geplanten zentralen Versorgungsbereich wie auch das Dorf attraktiver machten.

Genauso sieht der Unabhängige, der beruflich als Projektleiter beim Landesbetrieb Straßenbau NRW arbeitet, keine Hinweise zu erhaltenswerten und attraktiven Objekten sowie notwendigen Sichtbeziehungen zwischen Gebäuden in der neuen Mitte. „Man denke hier nur an die katholische St. Josef-Kirche als ein modernes und kostbares Gotteshaus, das weit über die Grenzen von Kierspe Beachtung findet.“ Diese planerische Lücke müsse geschlossen werden.

Fazit nicht

nur negativ

Ansonsten fällt sein Fazit positiv aus: Ein einladendes Zugangsgebäude zum Einkaufspark Wildenkuhlen sowie die Ansiedlung eines Elektrofachgeschäftes könnten kaum kritisiert werden. Führten sie doch zur Umfeldverbesserung und Sortimentserweiterung. Angebotsvielfalt steigere die Innenstadtqualität. Die Ansiedlung eines Discounters im Ortsteil Dorf sei ebenfalls zu begrüßen. Hierdurch könne die Nahversorgung dort verbessert werden.

Weitere Empfehlungen wie die Profilierung durch Möblierung, Begrünung und Barrierefreiheit seien zwar grundsätzlich zu begrüßen, aber viel zu unkonkret, um in Umsetzungen zu münden. Hier sollte nachgearbeitet werden.

Sein Appell geht an die Adresse der an der Zukunft Kierspes interessierten Bürger: „Produktive Ideen sind gefragt und alle sind aufgefordert am Gestaltungsprozess mitzuarbeiten.“ Dafür bietet sich die vom Rat beschlossene Bürgerbeteiligung natürlich ideal an. ▪ rh

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