Helit: Breit aufgestellt im hart umkämpften Markt

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Helit-Geschäftsführer Rolf Bonsack und Marketingleiterin Olesja Grünmayer sehen ihr Unternehmen auf einem guten Kurs in einem unruhigen Markt.

Kierspe - Für Schüler, Liebesbriefschreiber und stilsichere Geschäftsleute ist der Füllfederhalter immer noch unverzichtbar. Doch ansonsten hat das in diesem Jahr 130 Jahre alt gewordene Schreibgerät mit dem Tintenherz an Bedeutung verloren – und nicht nur der Füller wird immer weniger eingesetzt, überhaupt lässt die Nachfrage nach traditionellen Büro-Accessoires deutlich nach – und zwingt damit auch das Kiersper Unternehmen Helit zum Umdenken.

Von Johannes Becker

Goethe und Schiller verfassten ihre Werke noch mit dem Federkiel. So schön dieses Schreibgerät auch anzusehen war, die beiden Dichter hätten sicher gerne zum Füllfederhalter gegriffen, um ihre umfangreichen Werke zu Papier zu bringen. Doch erst 1884 meldete Lewis Watermann diesen zum Patent an.

Da der Füllfederhalter als einziges Schreibgerät eine „Rückmeldung“ gibt, ob er richtig gehalten wird, ist er für Schüler unverzichtbar.

Dank der Erfindung der Firma Diplomat, die auch den Druckkugelschreiber erfunden hat, entfällt seit den 1950er Jahren auch das lästige Nachtanken aus dem Tintenfass, stattdessen wird die Tintenpatrone einfach eingesetzt.

Noch heute werden in der Manufaktur von Diplomat, die sich erst in Hennef befand, später nach Stuttgart und Berlin umsiedelte und heute im sächsischen Cunewalde beheimatet ist, Ganzmetallschreibgeräte, Füllhalter, Kugelschreiber und Tintenroller von einer 20-köpfigen Belegschaft hergestellt. 2004 wurde das Werk von dem Kiersper Unternehmen Helit, an dem sich 2006 die französische Maped-Gruppe beteiligte, gekauft.

„Unser ganzer Markt ist im Umbruch. Die ganze Branche steht vor der Aufgabe, sich neu zu erfinden. Das gilt nicht nur für die Schreibgeräte, sondern auch für die Büro-Accessoires, die Helit im Programm hat“, erklärt Geschäftsführer Rolf Bonsack.

Mit deutlicher Sortimentstraffung und Auslagerung der Produktion hat Helit bereits vor einigen Jahren auf die geänderte Marktlage reagiert. Der Standort an der Osemundstraße wird heute genutzt, um rund 1000 Artikel von Helit und weitere 600 der Konzernmutter Maped zu konfektionieren und zu versenden.

Produziert werden die Büro-Accessoires, die seit Jahrzehnten von namhaften Designern entworfen werden, von Unternehmen aus der Region. Und so können nach wie vor die kleinsten Design-Stücke, die jemals von Norman Robert Foster entworfen wurden, bei Helit geordert werden. Bekannt wurde der Brite nämlich nicht mit Stiftablagen sondern mit der Gestaltung der Reichstagskuppel in Berlin und dem Wembley-Stadion.

Kenner greifen deshalb nach wie vor gerne zu den Produkten aus Kierspe, wenn sie ihren Schreibtisch bestücken wollen. „Doch die Produkte auf dem Schreibtisch werden weniger. Früher wurde ausgedruckt, gelocht, geheftet und archiviert, heute überwiegend gelesen und nur kurzzeitig aufbewahrt“, so Bonsack. Folgerichtig konzentriert sich Helit heute auch aufs Waste-Management. Darunter sind Systeme zu verstehen, in denen Büro-Abfall gesammelt und getrennt werden kann. Erfahrungen hat man in diesem Bereich schon vor Jahrzehnten gesammelt, mit der Produktion von Papierkörben.

So sehr Bonsack auch den Rückgang im eigenen Segment bedauert und über neue Produktfelder nachdenkt, so sehr freut er sich über den Erfolg, den die Maped-Produkte haben. Das französische Unternehmen hat sich auf Schulbedarf spezialisiert. „In diesem Bereich wachsen wir stark – trotz rückläufiger Schülerzahlen.“ Mit guter Öffentlichkeitsarbeit, vielen Aktionen und einer gut geschulten Vertriebsmannschaft ist es Helit gelungen, die Produkte aus Frankreich im deutschen Markt zu etablieren. „Wir sind froh, dass wir so breit aufgestellt sind. Und wir denken, dass wir auf jeden Fall zu den Firmen gehören, die den Verdrängungswettbewerb, der derzeit in der Branche herrscht, meistern werden“, so Bonsack abschließend.

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