Die letzte Füllung zum alten Preis

Heizöl-Boom: Kiersper Händler hat viel zu tun

„Das Geschäft läuft bei uns ausgesprochen gut“, sagt Michael Potthoff vom Kiersper Heizöl-Anbieter Potthoff und Prüschenk. Er ist einer von vielen in der Branche, die von der Corona-Pandemie profitiert.
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„Das Geschäft läuft bei uns ausgesprochen gut“, sagt Michael Potthoff vom Kiersper Heizöl-Anbieter Potthoff und Prüschenk. Er ist einer von vielen in der Branche, die von der Corona-Pandemie profitiert.

Kierspe – Über einen der wenigen Vorteile der Corona-Pandemie können sich in diesem Jahr die Besitzer einer Ölheizung freuen. Dank reduzierter Mehrwertsteuer und einem Rohölpreis, der seit 16 Jahren nicht so niedrig war, lassen sich beim Auffüllen der Tanks derzeit Hunderte Euros einsparen. Darüber freuen sich nicht nur die Verbraucher, sondern auch die hiesigen Anbieter des Brennstoffs.

„Das Geschäft läuft bei uns ausgesprochen gut. Aber viele Menschen können die günstigen Preise jetzt gar nicht mehr nutzen, da sie schon im Laufe des Jahres preiswert getankt haben. Denn das Heizöl ist ja schon seit März sehr preiswert“, erzählt Michael Potthoff von dem Kiersper Verkaufsbüro für Heizöl Potthoff und Prüschenk.

Viele würden aber in Anbetracht der steigenden Kosten im nächsten Jahr noch einmal nachtanken. Potthoff: „Wir haben derzeit viele Kunden, die noch einmal 500 oder 1000 Liter bestellen, um die eigenen Tanks randvoll zu machen. Allein durch die dann wieder steigende Mehrwertsteuer und die CO2-Besteuerung steigt der Preis dann um fast 10 Cent pro Liter.“

Gleichzeitig geht der Kiersper Heizöllieferant aber nicht davon aus, dass sich im Frühjahr die Preise dramatisch entwickeln werden: „Da nahezu alle Besitzer von Heizungsanlagen, die mit Öl betrieben werden, die Tanks gefüllt haben, wird die Nachfrage im kommenden Jahr sicher gering sein. Und man darf auch nicht vergessen, dass es noch nicht lange her ist, da musste für den Liter Heizöl weit mehr als 70 Cent gezahlt werden.“

Die Kiersper Firma agiert als Verkaufsbüro für den bundesweit tätigen Heizölverkäufer Bischoff und Vielhauer. Greift aber bei der Logistik auf das eigene große Tanklager zurück, das regelmäßig von Speditionen gefüllt wird, die das Heizöl von den Raffinerien nach Kierspe befördern. Die Betankung der Kundenanlagen übernimmt dann ein Fahrer des Kiersper Unternehmens.

Arnt Richter vom gleichnamigen Heizölhandel in Lüdenscheid ergänzt, dass der Preis schon lange nicht mehr wetter- oder saisonabhängig sei: „Der Preis wird an den Börsen in London und New York gemacht“, erklärt er. Manchmal sei der Preis im Januar niedriger als in den Sommermonaten. „Öl ist einer der meist gehandelten Rohstoffe an der Börse. Der Preis reagiert sehr sensibel. Ereignisse, wie die Corona-Pandemie oder die Präsidentschaftswahl in den USA, beeinflussen das“.

Panisches Verschrotten der Heizungsanlage wegen der bevorstehenden CO2-Steuer ist laut Richter nicht sinnvoll: „Viele unserer Kunden haben bereits ihre Anlagen modernisiert auf Ölbrennwerttechnik“, weiß er. Das sei eine ganz hervorragende und zukunftssichere Technik: „Die Anlage hat einen Katalysator. Aus dem Kamin kommt fast nur noch Wasserdampf“. Dabei würde der Verbrauch um etwa 30 Prozent gesenkt im Vergleich zu älteren Anlagen.

„Mit den Einsparungen kann die Steuer locker ausgeglichen werden“. Sein Tipp: „Ein bis zwei Sonnenkollektoren anschaffen, die das Brauchwasser aufbereiten. Zusammen mit einer modernen Heizölanlage lässt sich einiges einsparen“. Damit sei auch der Betrieb über das Jahr 2025 hinaus gesichert. Ältere Anlagen ohne Niedertemperatur- und Brennwerttechnik müssten dann ohnehin modernisiert werden.

„Wir haben derzeit viele Kunden, die noch einmal 500 oder 1000 Liter bestellen, um die eigenen Tanks randvoll zu machen. Allein durch die dann wieder stei-gende Mehrwert- steuer und die CO2-Besteuerung steigt der Preis dann um fast 10 Cent pro Liter.

Michael Potthoff, Potthoff und Prüschenk

Gerd Holthaus vom Heizölhandel Ernst Witkop, ebenfalls aus Lüdenscheid, zieht einen Vergleich zur „Ölkonkurrenz“, dem Erdgas: „Der erste große Wärmeträger auf dem deutschen Energiemarkt ist Erdgas. Das ist auch billiger geworden. Davon kommt aber nichts beim Verbraucher an“, gibt er zu bedenken. Die zukunftssicherste Wärmequelle ist für den Experten immer noch das Öl. „Nach neuesten Berechnungen reichen die Ölvorkommen noch für mindestens 150 Jahre. Wahrscheinlich aber wesentlich länger. Hier besteht also eine solide Versorgungssicherheit“.

Einen Blick in die Zukunft wagt Gerd Holthaus auch: „Ab 2030 sollen Heizungsanlagen mit einer erneuerbaren Komponente ausgestattet werden. Zum Beispiel einer kleinen Solareinheit oder einer zusätzlichen Wärmepumpe. Es wird momentan außerdem daran gearbeitet, Heizöl synthetisch herzustellen“. Das Vorhaben, ausschließlich mit regenerativen Energien ganz Deutschland zu beheizen, hält er für nicht umsetzbar. „Die moderne Brennwerttechnik ist bereits so ausgereift, dass die Emissionen extrem niedrig und in höchstem Maß umweltverträglich sind“.

Die Zukunft der Heizöl-Anlagen scheint gesichert. Um sie aktuell möglichst günstig nutzen zu können, empfehlen die Fachleute, die günstigen Preise noch in diesem Jahr auszunutzen und die Tanks randvoll zu machen. Dank der seit Frühjahr beständigen günstigen Konditionen wird es auch zum Jahresende keinen Lieferengpass geben. Zu viel Zeit sollten sich Verbraucher jedoch nicht mehr lassen, denn Bestellungen, die kurz vor Jahresende eingehen, können vielleicht erst im kommenden Jahr ausgeliefert werden. In dem Fall muss wieder die normale Mehrwertsteuer zuzüglich der CO2-Steuer gezahlt werden. Dazu rät auch der Kiersper Potthoff: „Wer sich die günstigen Preise sichern möchte, muss jetzt schnell bestellen, sonst können wir in diesem Jahr keine Lieferung mehr garantieren.“

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