Heimischer Schießsport vereint Tradition mit Moderne

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Das Bolzenschießen beim SC Diana Höferhof entstammt einer alten Tradition. Dabei darf erst nach erfolgtem Kommando geschossen werden. ▪

KIERSPE ▪ „Es darf geschossen werden“, gibt Manfred Holzemer Kommando und los geht’s beim Bolzenschießen im Schießclub Diana Höferhof. „Jedes Frühjahr wieder, von Ende März bis Juni, nehmen wir diese alte Tradition wieder auf“, so Vorsitzender Holzemer.

Um sich mit dieser altehrwürdigen Disziplin beschäftigen zu können, ist ein kompletter Standumbau erforderlich, denn sonst wird mit Luftpistole und -gewehr geschossen, ebenso wie beim SC Wilde Jäger Neuenhaus, dem Kiersper Schützenverein und dem Allgemeinen Schützenverein. Dabei erweitert der ASV die Bandbreite des hiesigen Schießsportangebotes noch durch die Disziplin Kleinkalibergewehr.

„Früher war das Schießen mit Bolzen üblich“, erklärt Holzemer. So war dies um 1920 in der Gaststätte Kattwinkel am Höferhof der Fall, wo sich ein paar Leute zusammenfanden und über sechs Meter Distanz mit den Bolzen das Schwarze zu treffen suchten. Daraus sei der SC Diana Höferhof entstanden, so Holzemer weiter, wobei er ein paar Bolzen aus der Verpackung entnimmt, die auf den ersten Blick eher wie trendig gestylte Schminkpinsel anmuten: Jeder der insgesamt drei Zentimeter langen Metallbolzen ist mit Borsten verschiedener Farben versehen, die der Flugstabilisierung dienen sollen. Mit dieser exotischen Munition zielt der Schütze auf die Schießkarte, eine in zwölf Ringe geteilte Scheibe, im Fachjargon Spiegel genannt. Nachdem drei Bolzen abgefeuert sind, zieht – nach Freigabe der Schießbahn – eine Begleitperson des Schützen die Bolzen vorsichtig aus dem auf einer Bleiplatte befestigten Spiegel. So sind die Bolzen immer wieder verwendbar.

Bevor auch die „Wilden Jäger“ ihren Schießstand im Feuerwehrgerätehaus Neuenhaus für das Bolzenschießen umrüsten, um für die Verbandsliga-Wettbewerbe im Mai zu trainieren, schießen sie an Freitagsabenden mit Luftgewehr und Pistole. „Zur Zeit haben wir 26 aktive Mitglieder“, so Friedrich Crummenerl, erster Vorsitzender des Vereins und selbst seit Anfang der 1970er Jahre aktiv dabei. Vereinskollege Jochen Söhl hat im Trainingsraum mit sechs Schießplätzen gerade 20 Schuss mit dem Luftgewehr absolviert und reicht Crummenerl seinen Streifen, auf dem zehn Spiegel mit je zehn Ringen aufgebracht sind. Ein Auswertegerät liest den Streifen aus. „Seit uns diese Maschine zur Verfügung steht, gibt es keinen Streit mehr über die Ergebnisse“, schmunzelt Crummenerl. „Früher entstanden viele Diskussionen darüber, ob jetzt der nächst höherwertige Ring getroffen und damit gezählt werden muss, oder nur der im Wert geringere.“ Das Gerät weist bei Söhls Streifen eine Ringzahl von 198 aus, die bei 20 abgegebenen Schuss getroffen wurden. Bei maximal zu erreichenden 200 Ringen erscheint dem Laien dieses Ergebnis äußerst respektabel. Immerhin beträgt die Entfernung zu dem im Durchmesser nur 4,5 Zentimeter großen Spiegel zehn Meter, wobei der wünschenswerte Treffpunkt in der Mitte mit der höchsten Ringzahl zehn nur einen halben Zentimeter Durchmesser hat. Doch der Fachmann nimmt’s gelassen: „Wenn man auf Wettbewerben erfolgreich sein will, sind solche Ergebnisse unbedingte Voraussetzung – und die haben wir oft“, lächelt der Vereinschef. Die über ihm im Thekenregal zahlreich aufgereihten Pokale unterstützen die Nachhaltigkeit seiner Aussage. Der sportliche Anspruch beim Schießen fände sich wesentlich in der hohen Konzentrationsaufgabe, erklärt Susanne Rösges. Sie ist Luftpistolenschützin und muss ihre Waffe freihändig mit nur einer Hand führen. „Dazu gehört ein sicheres Auge und viel Ruhe, damit der Schuss nicht verwackelt“, kommentiert sie die Anforderungen weiter. Hektik und alltäglicher Stress blieben ausgeklammert. Von diesen stark persönlichkeitsbildenden Merkmalen würden sicherlich auch Jugendliche profitieren, die ab zwölf Jahren am Schießsport teilnehmen dürften. Verstärkung der Wilden Jäger gerade in diesem Altersbereich sei äußerst erwünscht.

Ralf Ackermann hat vor Jahren die Chance wahrgenommen, als er im Alter von zwölf dem ASV beitrat. Heute ist er Schießleiter und unterstützt das Schießtraining, ebenso wie Norbert Wieler, der sich um die Jugendarbeit kümmert. Neben den mit Druckluft betriebenen Waffen bietet der ASV zudem das Schießen mit Kleinkaliber-Gewehren für Schützen ab 14 Jahren an. In Liegeposition demonstriert Tatjana Wieler, amtierende Bezirksmeisterin, die Schwierigkeiten der Disziplin: Mit funktioneller Schießjacke, einem Handschuh und Schießriemen ausgestattet, über den das Gewehr gehalten wird, gilt das Ziel, in einer Folge von 60 Schuss über 50 Meter in 90 Minuten möglichst viele Ringe zu treffen. Dabei sei mentale Selbstbeherrschung angesagt, so Ackermann. Dem Schützen würden viele motorische und koordinative Fertigkeiten abverlangt und zugleich müsse er noch das anhaltende Knallen ausblenden, hilfsweise mit Ohrenschutz.

Wer sich diesen sportlichen Herausforderungen stellen und sein Talent beweisen wolle, könne zum Beispiel beim Schützenfest oder den Stadtmeisterschaften antreten. Vorheriges Üben ist aber vielleicht doch sinnvoll: Interessierte an diesem Sport sind jederzeit willkommen, wobei notwendiges Outfit wie auch Material vereinsintern gestellt wird.

Angebote

SC Wilde Jäger: Schießstand Kierspe-Neuenhaus, freitags 19.30-22 Uhr, Friedrich Crummenerl (Tel. 02353/12005), Homepage: http://www.sc-neuenhaus.de

SC Diana Höferhof: Schießstand Thingslinde Straße, donnerstags 19.30-22 Uhr, Manfred Holzemer (Tel. 02359/7629), E-Mail: haas-holzemer@t-online.de

Allgemeiner Schützenverein Kierspe (ASV): Vereinsheim Amselweg 5, montags 18-20 Uhr, Ralf Ackermann (Tel. 02354/779393), E-Mail: info@asv-kierspe.de

Kiersper Schützenverein (KSV): Schießstand Büscherweg, montags 18.30-20 Uhr, Dirk Potthoff (Tel. 02359/6025), Homepage: http://www.ksv1899.de. ▪ est

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