Mensch und Tier leiden unter nasskalter Witterung

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Wenn die Temperaturen zu tief sinken, stellt Reiner Grafe im Melkstand das Gasheizgerät auf. Denn ein Schaden an der Anlage kann teuer werden. ▪

KIERSPE ▪ Das nasskalte Wetter momentan macht Mensch und Tier zu schaffen. Das ist auch auf dem Bauernhof von Reiner Grafe in Vornholt zu spüren. Durch die eisigen Temperaturen sind die Landwirte besonders gefordert:

Die Arbeit im Freien fällt viel schwerer und die Kühe geben in dieser Zeit ebenfalls weniger Milch. Außerdem fallen höhere Kosten an. „Die Kühe brauchen deutlich mehr Energie, um ihre Körpertemperatur aufrechtzuhalten. Dadurch liegt der Milchertrag durchschnittlich einen Liter niedriger. Das bedeutet bei einem Bestand von 100 Kühen immerhin eine um 100 Liter geringere Milchmenge“, rechnet der Bauer aus Vornholt vor.

Grundsätzlich vertragen Kühe die Kälte gut, obwohl besonders ältere Tiere sich gerade bei der derzeitigen Nasskälte schon etwas schwer tun. Trockene Kälte stellt dagegen gar kein Problem für sie dar. Natürlich ist auch für Grafe selbst jetzt die Arbeit anstrengender und er manchmal froh, wenn er ab und zu ins Warme gehen kann. Jedoch bestimmte Tätigkeiten wie Holz und Zaunpfähle machen, diverse Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten und eben auch jeden Morgen und Abend das Melken der Kühe fallen unabhängig von der Witterung an. Das regelmäßige Melken ist dabei für die Tiere lebenswichtig, die sonst Schmerzen bekommen und krank werden.

„Außerdem“, so Grafe, „fallen durch die notwendige Beheizung des Melkstandes und der Tränken in den Ställen Zusatzkosten an.“ In die unbeheizten und nicht isolierten Gebäude zieht die Kälte immer mehr ein. Wenn die Temperaturen so tief sinken wie momentan, dann muss der Melkstand vor allem nachts beheizt werden. sonst kann die empfindliche und komplizierte Technik Schaden nehmen. Wenn beispielsweise die Milchpumpe kaputt geht, fallen mit Reparatur und Montage schnell 400 Euro an. Da ist es natürlich besser, solche Kosten von vornherein möglichst zu vermeiden und zu heizen.

Regelmäßig müssen zudem alle Schieber auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden. Beheizt wird mit einem transportablen Gasheizgerät. Bei unter minus sechs Grad, so berichtet Reiner Grafe, geht pro Nacht eine Flasche mit elf Litern Gas drauf. Er kauft bei der Genossenschaft meist gleich fünf bis sechs Flaschen, so dass sie für rund eine Woche reichen. Allein in dem strengen Winter 2012 verbrauchte der Bauer während der extremen Kälteperiode von Januar bis Februar 23 Gasflaschen, erinnert er sich.

Darüber hinaus müssen die vier bis fünf Tränken im Stall eisfrei gehalten werden. Das geschieht mit einer Kreislaufpumpe, die das Wasser permanent in Bewegung hält und bei Bedarf dann auch aufheizt. Ab etwa minus 2 Grad setzt die Pumpe ein und ab minus 4 Grad wird zusätzlich das Wasser erwärmt. Ein solches System ist im Kuhstall und ebenfalls im separat gelegenen Rinderstall vorhanden. Auch für die Kälber gibt es einen Tränkautomaten. „So wird dafür gesorgt, dass die Tiere immer frisches Wasser haben und die Wasserleitungen nicht kaputtfrieren. Solche Probleme, bemerkt Grafe, seien angesichts des herben Klimas im Sauerland völlig normal. Landwirte im tiefer gelegenen und wärmeren Rheinland oder im Münsterland brauchen solche Anlagen nicht so dringend.

Die tiefste Temperatur in den letzten Wochen hat der Bauer aus Vornholt in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit minus 12 Grad gemessen. Bei schlimmem Dauerfrost gestaltet sich auch die Säuberung des Melkstandes schwierig, da sich bei Wassereinsatz sofort gefährliche Eisflächen bilden auf denen die Tiere ausrutschen und sich schlimm verletzen können. „Und Salz streuen geht natürlich nicht. Wir haben uns da schon mal mit Sand geholfen, so dass die Kühe zumindest einen sicheren Stand hatten“, denkt Grafe an den Winter 2012 und seine eisige Kälte zurück.

Weniger Milch und dann noch die höheren Kosten für die Beheizung verursachen letztlich einen wirtschaftlichen Verlust, den er für seinen Betrieb auf 50 Euro pro Tag beziffert. Daher blickt auch er dem Frühling bereits sehnlich entgegen, denn dann macht die Arbeit auf dem Hof doch deutlich mehr Spaß.

Rolf Haase

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