Buchprojekt des Heimatvereins

Rätselraten: Was hat es mit der "Richtschule" im Dorf auf sich?

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Marlen Vedder und Hans Ludwig Knau (rechts) arbeiten derzeit an einem neuen Buch über die Häuser im Dorf und an der Friedrich-Ebert-Straße. Um ein möglichst vollständiges Bild bieten zu können, hoffen sie auf die Mithilfe der Kiersper.

Kierspe - Ein besonderes Buchprojekt in Kierspe soll die alten Häuser im Dorf unter die Lupe nehmen - dazu hofft der Heimatverein auch auf die Mithilfe der Bürger.

65 Häuser standen 1830 im Dorf, einige um die Margarethenkirche herum, die anderen an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Heute stehen auf der gleichen Fläche zwischen Hedberg und Klingelhöfer rund 105 Gebäude – und natürlich sind auch etliche entlang der Seitenstraßen dazugekommen. Eines der Gebäude ist die Richtschule – und an diesem Haus wird deutlich, wie geheimnisvoll sich unscheinbare Häuser präsentieren können. 

Richtschule? Woher kommt der Name? Wer wurde unterrichtet? Wann wurde das Haus gebaut? „Die Antwort ist einfach: Wir wissen es nicht“, sagt Hans Ludwig Knau, der gerade mit Marlen Vedder für den Heimatverein an einem Buch über die Häuser im Dorf arbeitet, wobei der Verein das Gebiet vergrößert hat und sich der Straße vom Wildenkuhlen bis Hedberg annimmt. Dass das keine einfache Aufgabe wird, kann am Beispiel des Gebäudes Richtschule nachvollzogen werden.

Knau: „Der Grundriss ist uralt, erste Erwähnung findet das Haus, das etliche Male umgebaut wurde, erst 1750.“ Allein in den vergangenen Jahrzehnten hatte dort ein Schuhgeschäft seinen Platz, später zog ein Textilgeschäft ein und noch später eine Schneiderei. Heute dient das Gebäude an der Landesstraße als Wohnhaus. 

Ab 1830 sind die Besitzverhältnisse gut dokumentiert, denn seit diesem Jahr wurden Grundbücher geführt, aus denen der zum Haus gehörende Besitz, der Eigentümer und auch die Verbindlichkeiten hervorgehen. „Wir veröffentlichen aber nichts zur Grundschuld“, verspricht Marlen Vedder. 

Akteneinsicht musste vor Gericht erstritten werden

Als großes Glück empfinden die beiden den Zugang zu den Grundbuchakten, die vom Amtsgericht Meinerzhagen verwaltet werden. „Diesen Zugang musste ich mir aber erst vor Gericht erstreiten, weil der frühere Amtsgerichtsdirektor ihn mir nicht gewähren wollte“, erzählt Knau. 

Das hat sich grundlegend geändert – und ein großer Teil der alten Akten befindet sich nun in Form von Fotografien im Besitz des Heimatvereins. Mittlerweile hat der Verein diesen Schatz schon ordentlich geplündert, um die bisher erschienen 26 Bücher mit Inhalt zu füllen. Knau: „Jetzt fehlen noch mindestens fünf, um die Geschichte der Häuser der Stadt abzubilden.“ 

Kiersper sollen mithelfen

Wenn das Buch zum Dorf und zur Friedrich-Ebert-Straße im kommenden Jahr erscheint, dann sind es nur noch vier, die fehlen. Doch bis dahin haben die beiden noch viel Arbeit vor sich. Denn zu allen neueren Gebäuden haben sie keine Unterlagen und längst nicht von jedem alten Haus auch historische Fotografien. Da hoffen Vedder und Knau auf die Kiersper, die sie bitten, ihnen Akten und Fotos zur Verfügung zu stellen.

„Da, wo wir nichts bekommen, werden wir nur ein Foto veröffentlichen“, sagt Vedder, die aber gerne möglichst viel über die Gebäude erfahren möchte – auch im Hinblick auf die Regionale 2025. Denn bei dieser soll der Bereich zwischen Gesamtschule und Hedberg eine besondere Förderung erhalten. 

So soll es eine Visualisierung der Kirche und der umliegenden Gebäude geben. Angefangen hat der Kiersper Designer Thomas Clever bereits mit der Margarethenkirche. Spätestens zur Regionale will der Heimatverein seine Erkenntnisse zum Dorf und seinen Häusern als Präsentation vorlegen und damit den Kierspern einen Einblick in die eigene Geschichte geben. 

Als besonders reizvoll empfindet Vedder, dass die Häuser im Dorf durchgängig bewohnt waren und sich in einem überwiegend sehr guten Zustand befinden. „Das war und ist an der Kölner Straße längst nicht so“, sagt Vedder, die sich vor einigen Jahren mit der Bundesstraße befasst hat, um eines der Heimatvereins-Bücher herausgeben zu können. Damals hat man weitestgehend auf einen Blick in die historischen Bauakten verzichtet und sich stattdessen auf alte und neue Fotos konzentriert. Das soll bei dem neuen Buch des Kiersper Heimatvereins über Dorf und Friedrich-Ebert-Straße anders und vor allem umfangreicher werden. Mit einem Erscheinen des Werkes rechnet der Heimatverein im kommenden Jahr.

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