Neuer Glanz für alte Plate-Bilder

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Silvia Baukloh (links), Svenja Kelm und Hans Ludwig Knau hoffen, dass sich genügend Spender finden, um drei Plate-Bilder restaurieren zu lassen. ▪

KIERSPE ▪ Ein Stillleben mit Blumen auf einem Tisch, Wildschweine auf einer Lichtung oder Fischer im Mondschein – das war der Stil der Zeit und wohl auch der des Malers Friedrich Richard Plate. Da der Kiersper Künstler, der sich hauptsächlich mit Auftragsarbeiten beschäftigte, einen reichen Fundus an Werken hinterlassen hat, konnte der Heimatverein im Sommer zahlreiche Bilder ausstellen.

Etliche Werke wurden nach dieser Schau dem Heimatverein hinterlassen. Leider nicht immer in gutem Zustand. Doch das soll sich nun ändern. Für die Restaurierung der Bilder hofft der Heimatverein auf Spender.

Nahezu jeder Kiersper, der schon einmal im Fritz-Linde-Zimmer des Alten Amtshauses war, kennt das mächtige Bild an der Stirnwand, das drei Veteranen des Krieges von 1870/1871 zeigt. Vor mehr als 20 Jahren wurde dieses Werk von der Restauratorin Anke Oelerich wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzt und ziert seit dem die gute Stube des Traditionsgebäudes, das der Heimatverein Mitte der 80er Jahre als Domizil von der Stadt übernahm.

Die Diplom-Restauratorin, die in Kierspe zur Schule ging, hat sich auch die drei Werke, die der Heimatverein nun restaurieren lassen will, angeschaut und ihre Bereitschaft erklärt, die Arbeiten auszuführen.

„Doch dazu müssen wir auch die finanziellen Mittel haben. Mit Amtshaus samt Bakelitmuseum, Schleiper Hammer, Backhaus und Fritz-Linde-Museum haben wir genügend Aufgaben, die Kosten verursachen. Da lässt sich solch eine Restaurierung nicht ohne weitere leisten“, erklärt Hans Ludwig Knau, Beiratsmitglied des Heimatvereins.

Etwas mehr als 4000 Euro veranschlagt die in Köln wirkende Restauratorin für die Ausführung der Arbeiten. Dass die Bilder in ihrer Werkstatt in guten Händen sind, zeigt ein Blick in die Referenzliste von Anke Oelerich. Sie hat schon Bilder fürs Städel in Frankfurt am Main, die Sammlung Neven DuMont in Köln, die Sammlung Stern in New York oder auch für das Vonderau-Museum in Fulda restauriert. Aber auch neben der Restaurierung des Veteranen-Bildes hat Oelerich in Kierspe ihre Spuren hinterlassen. Hat sie doch auch das Altarbild in der Servatiuskirche aufgearbeitet.

„Dass Plate so viele Auftragsarbeiten bekam, lag sicher nicht nur an seinem nachgewiesenen Können, sondern auch an seiner Bekanntheit in Kierspe durch seine Tätigkeit als Wirt und Hotelier im elterlichen Betrieb“, so Knau.

Schaut man in den Lebenslauf des Kiersper Künstlers wird deutlich, dass dieser eigentlich ganz andere Pläne hatte. 1880 im elterlichen Haus – dem Hotel Plate im Dorf geboren – entdeckte er schon als Schüler seine Leidenschaft fürs Malen. Nach dem Absolvieren der Oberrealschule in Hagen begann er ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, später wechselte er an die Königliche Kunstschule in München. Plate finanzierte diese Ausbildung mit einem Job als Kirchenmaler in Münster. Durch den plötzlichen Tod des Vaters endeten seine Träume vom Beruf des Künstlers. Er stand seiner Mutter bei und übernahm später den elterlichen Betrieb. Doch trotz dieser Arbeit blieb die Malerei Mittelpunkt seines Lebens. Zwischenzeitlich, so beschreiben es Augenzeugen, habe sein Hotel einer Gemäldegalerie geglichen. Mit den Jahren wurde sein Haus und das Dorf zu seiner Welt, die er nur ungern verließ. Nur wenn es unbedingt sein musste, „verreiste“ er zum Ortsteil Bahnhof. „Wenn du Kierspe kennen- und liebengelernt hast, dann brauchst du nicht mehr in die weite Welt“, brachte er sein Verhalten auf den Punkt.

Trotz dieses eigenbrötlerischen Verhaltens war der damals bekannte Stuttgarter Kunstverlag auf den Maler aus Kierspe aufmerksam geworden und verschaffte ihm lukrative Aufträge.

Bei seinen Arbeiten blieb er aber seinem Stil treu. Als Genremaler hielt er das gesellschaftliche Leben seiner Heimat fest, fertigte Stillleben an und erwarb erstaunliche Fähigkeiten im Bereich des Portraits.

Nach der Restauration sollen die Werke erneut ausgestellt und später im Alten Amtshaus eingelagert werden. Knau: „Wir haben natürlich prüfen lassen, ob dafür in dem Gebäude ausreichende klimatische Bedingungen herrschen. Eine Verwendung der Werke außerhalb Kierspes ist derzeit nicht geplant, dafür war Plate dann doch zu unbekannt.“

Zur Motivation die Bilder aufwendig restaurieren zu lassen, ist die Antwort Knaus eindeutig: „Wir wollen kein Schubladenverein sein, sondern die Aufgaben, die uns übertragen wurden, ordentlich erledigen. Dazu gehört es dann auch, das zu bewahrende Erbe in einen guten Zustand zu versetzen.“

Spenden können unter dem Stichwort „Plate“ an den Heimatverein, Konto-Nr. 6006860 bei der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen (BLZ 45851665) überwiesen werden. Wird die Adresse angegeben, kann auch eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden.

▪ Johannes Becker

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