Ohne Turbine kein eigener Strom

+
Frank Handke und Gerhard Proske vom Lions-Club Meinerzhagen-Kierspe überreichten einen symbolischen Scheck an die Heimatvereinsmitglieder Hoger Adolf, Silvia Baukloh und Peter Heins (von links). Das Geld soll für die Reparatur der Turbine eingesetzt werden.

Kierspe – Da auch im Schleiper Hammer der Strom aus der Steckdose kommt, merkt kein Besucher, dass die Transmission im Hammerwerk ihren Strom nicht mehr aus der eigenen Turbine bezieht. Doch die Mitglieder des Hammerwerks vermissen ihren eigenen Generator – und wollen diesen reparieren.

Im Einklang mit der Natur zu arbeiten, heißt auch, dann zu arbeiten, wenn die Natur das zulässt. Längst vorbei die Zeiten, in denen die einsetzende Dämmerung die Produktion in den Werkstätten beendete – und auch die Zeiten, in denen der Wasserstand entschied, ob in den Hammerwerken geschmiedet werden kann, sind seit langem vorbei.

Doch trotz des „gelieferten“ elektrischen Stroms setzten die Hammerwerke auf die Leistung ihrer eigenen Turbinen, die die Wasserräder ersetzt hatten. Dazu konnten die Obergräben und Hammerteiche weiter verwendet werden. So war das auch am Schleiper Hammer. Doch als der Heimatverein das historische Fabrikgebäude übernahm, musste er erst einmal für eine eigene Turbine sorgen. Gefunden wurde damals eine Francis-Schachtturbine der Firma Dres aus Werl in Hunswinkel, wo sie schon Jahrzehnte ihren Dienst verrichtet hatte. „Unsere Turbine wurde bereits 1905 konstruiert, gebaut wurde sie aber erste 1935“, erzählt Holger Adolf, ein Mitglied der sogenannten Hammerväter, einer Gruppe von Männern, die sich um den Erhalt der Anlage im Schleipetal kümmern.

Jetzt, 85 Jahre nach ihrem Bau, verweigert die Turbine aber ihren Dient. Das Leitwerk lässt sich nicht mehr verstellen. Die Verstellung der Schaufeln, die sich in dem herabstürzenden Wasser drehen, ist aber unverzichtbar, um den Strom gleichmäßig ins Netz einspeisen zu können. Nun wollen Freiwillige rund um Adolf die Reparatur selbst übernehmen. Eigentlich hätte diese schon längst abgeschlossen sein sollen. Doch als es im April losgehen sollte, verhinderte die Corona-Pandemie ein enges Zusammenarbeiten der Helfer. Doch dieses ist in dem engen und rund drei Meter tiefen Schacht unerlässlich. Adolf: „Da müssen schwere Teile abgebaut und zur Seite gelegt werden, dass geht gar nicht alleine.“

Allein der Krümmer vor der Turbine wiegt rund 200 Kilogramm. Da wird klar, warum es notwendig ist, dass mehrere Menschen in dem Schacht arbeiten müssen.


„Wir haben auch die Zusage einer Firma, die auf die Reparatur solcher Anlagen spezialisiert ist, uns zu helfen. Doch diese Monteurstunden kosten sehr viel Geld. Deshalb wollen wir uns nur fachlich beraten lassen und alles andere mit eigenen Kräften erledigen“, gibt Peter Heins, Zweiter Vorsitzender des Heimatvereins, das ehrgeizige Ziel aus. Doch auch dann wird eine Reparatur noch zwischen 2000 und 4000 Euro kosten. Da kommt die Spende des Hilfswerks des Lions-Clubs Meinerzhagen-Kierspe gerade recht.

Mit 2500 Euro unterstützt der Serviceklub den Heimatverein. Die Hammerväter samt Heimatvereinsvorstand Peter Heins und Silvia Baukloh bedankten sich bei den Überbringern des Schecks, Gerhard Proske (Vorsitzender des Hilfswerks) und Frank Handke (Pastpräsident), mit einer Führung durch das Gebäude samt Vorführung einiger Maschinen.

Weiteres Geld für die Reparatur wurde im vergangenen Jahr zurückgelegt, als der Kiersper Verein den Heimatpreis gewann. „Wirtschaftlich hat die Turbine kaum Bedeutung für uns, da wir mit der geringen Einspeisevergütung gerade so die Stromkosten des Hammers decken können. Aber in einem Betrieb, in dem alles funktioniert, darf natürlich die Nutzung der Wasserkraft, die überhaupt erst dieses Hammerwerk ermöglichte, nicht fehlen“, macht Heins deutlich.

Ganz ohne Wasserkraft funktioniert die neuste Errungenschaft des Vereins. Unter den Decke liegt auf Stahlträgern nun ein riesiger Blasebalg, dessen zwei Kammern viele Jahre dafür sorgten, dass in einem Betrieb in Altena das Feuer in der Esse loderte. Jetzt soll der Balg das Feuer im Hammer anheizen. Heins: „Bislang haben wir die Luft mit einem elektrischen Gebläse zugeführt. Dieses soll auch nicht abgebaut werden, aber der Blasebalg soll auch zum Einsatz kommen.“ Dafür müssen die Hammerväter den Balg aber noch an das Lüftungssystem anschließen. Repariert haben sie den Luftspender bereits, dessen flexible Wangen aus Leder vor 111 Jahren – also Baujahr 1909 – gefertigt wurden. Auch muss noch ein Seilzug samt Umlenkrollen angebracht werden, damit er vom Boden aus bedient werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare