Schleiper Hammer: Ein Projekt mit Strahlkraft

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Idyllisch gelegen präsentiert sich der Schleiper Hammer mit seinem Hammerteich. In den vergangenen Jahren hat der Heimatverein viel Geld investiert, um das Gebäude zu erhalten und es zu einem außerschulischen Lernort zu machen.

Kierspe - Ob’s am Namen lag? Gleich zwei Heimatpreise gingen an den Kiersper Heimatverein. In dieser Woche der Preis der Stadt Kierspe – und zwei Wochen zuvor der des Märkischen Kreises. Den Preis des Kreises hat der Verein mit dem Schleiper Hammer gewonnen – und dort wird das Geld dringend gebraucht.

Jetzt hat’s der Heimatverein schriftlich: Der Schleiper Hammer ist ein Projekt mit Strahlkraft. Denn das war Voraussetzung, um eine Chance auf den Heimatpreis zu haben. Weiter ist mit der Vergabe des zweiten Platzes beim Heimatpreis aber auch klar, dass der Hammer identitätsstiftend wirkt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert.

Bei der Bewerbung hat der zweite Vorsitzende des Heimatvereins Peter Heins vor allem die Bedeutung des Hammers als außerschulischen Lernort betont, aber auch Veranstaltungen wie den Adventsbasar erwähnt – und natürlich, dass all die Arbeiten rund um den Hammer im Ehreamt erbracht werden. Und an Arbeit ist kein Mangel. So muss in naher Zukunft die Turbine des Hammers repariert werden. Durch einen Defekt des Leitwerks lässt sich die Geschwindigkeit, mit der sich die Turbine dreht, nicht mehr regeln. Dadurch kann das Gerät nicht mehr zum Erzeugen von Strom verwendet werden. „So richtig gelohnt hat sich das Betreiben der Turbine aufgrund der geringen Einspeisevergütung nie, aber wir konnten wenigstens unsere Stromkosten decken“, erklärt Heins. Er verschweigt aber auch nicht, dass das nur funktionierte, weil ein Vereinsmitglied nahezu täglich zum Hammer fuhr, um die Turbine zu regeln.

Stillstehen lassen möchte das Team, das sich um den Hammer kümmert, die Turbine aber auch nicht. Doch eine Reparatur kostet etwa 2000 Euro – und viel Arbeit der Mitglieder.

Da kommen die 3000 Euro aus dem Heimatpreis gerade recht. Denn auch in der Vergangenheit ist schon viel Geld in das historische Gebäude am Schleipebach investiert worden. So musste der Hammerteich instandgesetzt, beziehungsweise abgedichtet werden, um zu verhindern, dass das Wasser durchs Mauerwerk weiter in die Esse läuft. Eindringendes Wasser machte aber auch an anderen Stellen Probleme. Um zwei Außenwände dauerhaft trockenzulegen, wurden diese abgedichtet. Und damit kein Wasser nachlaufen kann, sorgte man mit einem kleinen Absatz entlang des Gebäudes für eine entsprechende Wasserführung. In diesem Zusammenhang wurde auch ein behindertengerechter Eingang gebaut, der nun auch Menschen mit Behinderung einen Besuch des Obergeschosses mit seinen Bakelitpressen ermöglicht. Hinzu kam eine Befestigung der Parkflächen, da der bisherige Belag bei Regen arg verschlammte.

Das Team des Schleiper Hammers freut sich über das Geld aus dem Heimatpreis des Kreises: Roland Hedderich, Holger Adolf, Manfred Wüstermann, Karl-Heinz Kraus und Peter Heins (von links).


Letztlich in Eigenleistung, aber mit Hilfe der Nachbarn, wurden auch 35 erkrankte Eschen auf dem eigenen Grundstück gefällt. „Aber die Sperrung der Straße mussten wir bezahlen“, erinnert sich Karl-Heinz Kraus.

Aber auch jenseits der Instandhaltung und Reparatur haben die Mitglieder des Hammerteams durchaus noch Wünsche. So würden sie gerne die Toilettenanlage sanieren oder die Küche modernisieren.

Kraus: „Wir würden auch gerne einen Film erstellen lassen, der die Arbeiten im Hammer zeigt, wenn wir nicht gerade schmieden können.“ Die Vorstellung des Vereins ist, dass die Besucher diesen Film vor Ort dann aufs eigene Smartphone oder Tablet laden können. Allerdings steht dem nicht nur im Wege, dass ein solcher Film Geld kostet, sondern auch, dass die Versorgung mit Internet-Bandbreite so gering ist, dass ein solches Vorhaben auch an den technischen Voraussetzungen scheitern würde.

Schleiper Hammer

Der Schleiper Hammer ist ein ehemaliges Hammerwerk in Kierspe. Seit 1989 wird er vom Heimatverein als Technikmuseum genutzt, um die Tradition der Breitewarenschmiederei im oberen Volmetal in den 1930er-Jahren zu präsentieren. In einer zweiten Abteilung wird die Anfangszeit der Bakelitpressen dargestellt. Diese Fabrikation hat sich ebenfalls seit den 1930er-Jahren im oberen Volmetal unter anderem auch im Schleiper Hammer entwickelt. In der Schmiedeabteilung sind Feder- und Fallhämmer und weitere Maschinen zur Metallbearbeitung einsatzbereit. In der Bakelitabteilung finden sich hand- und motorgetriebene Kniehebelpressen sowie eine Hydraulikpresse. Die erste schriftliche Erwähnung des Hammers stammt erst aus dem Jahre 1815. Das ursprüngliche Alter des Hammers kann nicht angegeben werden. Es ist jedoch überliefert, dass auf dem Gelände des oberen Betriebsteiches beim Ausschachten die Ruine einer Eisenhütte zutage kam. Die Eisenverhüttung spielte im Bereich der oberen Volme seit dem 13. Jahrhundert eine große Rolle. Mit der Einführung wassergetriebener Gebläse wurden hier nahezu flächendeckend an den Bächen Schmelzöfen errichtet. Im 19. Jahrhundert konnten mit der Einführung neuer Technologien diese Hammerwerke nicht mehr bestehen. Ein Teil wurde aufgegeben, ein Teil konnte durch die Umstellung auf die Breitewarenschmiederei (Spaten, Schaufeln, Hacken, Rübenheber) weiterbestehen. Mit dem Bau der Eisenbahn im oberen Volmetal bekam das Hammerwerk Aufwind. Eine Turbine von 25 PS ersetzte das Wasserrad, das Gebäude wurde seitdem in einer Reihe von kleinen Bauabschnitten zu einer Fabrik erweitert, in der alle Arbeitsgänge zur Herstellung der Breitewaren unter einem Dach zusammengefasst werden konnten. Der Einbau der Transmission und die Aufstellung einer Lokomobile, die zugeschaltet wurde, wenn die Wasserkraft nicht mehr reichte, ermöglichte diesen entscheidenden Schritt zur Entwicklung einer Fabrik. Seit den 1930er-Jahren wurden in der kleinen Fabrik auch andere Fabrikationen betrieben. Ab April bis Ende Oktober ist das Museum jeden ersten Mittwoch im Monat von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

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