Auf den Spuren der Pulvermacher

Heimatkundler nutzen Lockerungen für Exkursion

Auf die Spuren der frühindustriellen Heimatgeschichte, so wie diese noch heute an entsprechenden Ortsbezeichnungen und Flurnamen abzulesen sind und durch etliche noch gut erhaltene Zeugen im Gelände nahgewiesen werden konnten, begaben sich am Sonntagnachmittag mehrere Heimatfreunde unter sachkundiger Führung durch Exkursionsleiter Erich Kahl und die Heimatkenner Regina und Karl-Friedrich Marcus.
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Auf die Spuren der frühindustriellen Heimatgeschichte, so wie diese noch heute an entsprechenden Ortsbezeichnungen und Flurnamen abzulesen sind und durch etliche noch gut erhaltene Zeugen im Gelände nahgewiesen werden konnten, begaben sich am Sonntagnachmittag mehrere Heimatfreunde unter sachkundiger Führung durch Exkursionsleiter Erich Kahl und die Heimatkenner Regina und Karl-Friedrich Marcus.

Nach rund einjähriger durch die Corona-Pandemie bedingte Zwangspause wagte der Freundeskreis um das in Obhut des Heimat- und Geschichtsvereins Wipperfürth betriebene rheinisch-westfälische Schwarzpulvermuseum in der Villa Buchholz/Ohl am Sonntag – zumindest ein Stück weit – die Rückkehr zur Normalität. 

Rönsahl - Erstmals wieder nach langen Monaten war in diesem Zusammenhang eingeladen worden zu einer heimatgeschichtlichen Exkursion in das Waldgebiet nahe der Ortslage Neuenhammer. Dort wird bereits nach nur wenigen Schritten abseits der unmittelbar vorbeiführenden Bundesstraße deutlich, warum Heimatforscher und zahlreiche Kenner der Materie dem hiesigen Gebiet und damit auch dem Raum um das rheinisch-westfälische Grenzland den liebevollen Beinamen „Ruhrgebiet des Mittelalters“ gegeben haben.

Schmitten, Hämmer und Mühlen

Die Spuren zahlreicher „Schmitten, Hämmer und Mühlen“, die auch in unserer Gegend dank vorhandener Wasserkraft und Beschaffungsmöglichkeiten für die benötigten Rohstoffe eine frühindustrielle Entwicklung des heimischen Raumes erlaubten, sind – zumindest in Fragmenten – speziell auch im Raum um Neuenhammer noch bis in unsere Tage deutlich nachweisbar. Dies insbesondere mit Blick auf die Entwicklung zahlreicher dank vorhandener Wasserkraft betriebener Hammerwerke und mehr noch der nachfolgenden Pulverindustrie, die von ihren Anfängen im frühen 17. Jahrhundert bis zu ihrem Ende in den 1920er-Jahren das Leben weiter Bevölkerungsschichten prägte und das Geschehen in vielfacher Hinsicht beeinflusst hat.

So war im Rahmen der heimatgeschichtlichen Wanderung das Haus Buchholz in Wipperfürth-Ohl als ehemaliges Domizil der Pulverfabrikanten aus der Familiendynastie Cramer & Buchholz, das bereits seit einer Reihe von Jahren als Museum dient, der Treffpunkt für eine Zeitreise, die die interessierten Gäste mitnahm ins sogenannte „Königreich Buchholz“.

Dieser bezeichnende Beiname für das Gebiet um Rönsahl, Ohl und Gogarten war Ausdruck dessen, welch hoher Wertschätzung sich die Industriellenfamilien Cramer & Buchholz sowie Heuser- Voswinkel und das in deren zahlreichen Pulvermühlen hergestellte Schwarzpulver seinerzeit erfreute.

Noch gut sichtbar an manchen Stellen im Waldgebiet um Neuenhammer sind die Reste der ehedem hier betriebenen Pulvermühlen nebst der erforderlichen technischen Einrichtungen zur Herstellung und Lagerung des weltweit gefragten „Rönsahler Pulvers“.

Im Rahmen der angesagten Exkursion „ins Gelände“ wusste Museumsleiter Erich Kahl in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins und die Heimatkenner Regina und Karl-Friedrich Marcus so manches aus der „Welt der Pulvermacher“ zu berichten. Dazu gehörte auch, dass die Produkte der Firma Cramer & Buchholz, so vor allem das unter dem Markenzeichen „Diana“ im 19. Jahrhundert in der ganzen Welt bekannte und wegen seiner hohen Qualität gefragte Jagdpulver, dazu beigetragen haben, dass hohe gesellschaftliche Kreise und selbst der deutsche Kaiser mit der Familie Buchholz in direkter Verbindung standen.

Vor Ort erfuhren die Exkursionsteilnehmer viele Details über die Pulverherstellung als solche, deren Anfänge auf den ersten Pulvermacher Jürgen Wolter in Haarhausen und das Jahr 1620 zurückgehen und den damit Schritt für Schritt einhergehenden relativen Wohlstand in der Gegend begründeten. Sie hörten aber auch von mit der Pulverfabrikation verbundenen Explosionsgefahren in den Pulvermühlen und den beschwerlichen Pulvertransporten in alle Welt, die manches Todesopfer forderten. Trotz der drohenden Gefahren arbeiteten viele Familien des gesicherten Einkommens wegen über Generationen hinweg in der Pulverindustrie. So lange, bis die fortschreitende Entwicklung und die Erfindung des Dynamits Anfang der 1920er-Jahre das Ende der 300-jährigen Pulverindustrie besiegelten und gleichzeitig den Weg ebneten für deren Platz im Buch der Heimatgeschichte.

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