Facharbeitermangel und innereuropäische Konkurrenz

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Der Bundestagsabgeordnete Matthias Heider (CDU), Regina Linek vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und Sandra Pawlas, Chefin der Iserlohner Agentur, ließen sich von Firmeninhaber Karsten Lahme (von links) Produkte und Unternehmen erklären.

Kierspe - Damit Arbeitsmarktgespräche nicht hinter den verschlossenen Türen der Arbeitsagentur stattfinden, haben der Bundestagsabgeordnete Matthias Heider (CDU) und die Vorgängerin der Arbeitsagenturchefin Sandra Pawlas vor einiger Zeit begonnen, diese bei verschiedenen Unternehmen im Wahlkreis zu organisieren. Am Mittwoch stand die Firma Lahme auf dem Programm. Dort trafen die beiden auf Inhaber Karsten Lahme, der ausgesprochen gut vorbereitet war.

„Sie haben mich gebeten, Wünsche und Probleme zu benennen“, leitete Karsten Lahme ein und legte nach einer kurzen Vorstellung seines Unternehmens los. Bei dem deutlichen Wachstum des Unternehmens – innerhalb von acht Jahren ist die Mitarbeiterzahl um 35 Prozent auf aktuell 121 gestiegen – habe man auch großen Bedarf an Facharbeitern, allerdings auch Probleme, diesen zu decken. Um dem zu begegnen, setze man verstärkt auf Ausbildung und strebe dabei eine Quote von zehn Prozent an. Am Ende dieses Jahres werden neun Auszubildende bei Lahme beschäftigt sein – was dann acht Prozent der Mitarbeiter entspricht. In diesem Bereich ging seine Bitte an die Agentur, die Anstrengungen, Schülern die Berufsbilder aus der Region zu vermitteln, zu verstärken. Er wünschte sich aber auch Unterstützung bei der vorübergehenden Besetzung von frei werdenden Stellen durch Elternzeit und eine nicht ganz so strikte Informationspflicht gegenüber der Arbeitsagentur. Ansonsten begrüßte er die gute Zusammenarbeit mit den Arbeitsvermittlern und lobte die gute Betreuung seines Unternehmens.

An Matthias Heider gewandt, wünschte er eine schnellere Bereitstellung der Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt: „Die Leute wollen arbeiten, müssen aber erst ihre Integrationskurse absolvieren. Da wäre etwas mehr Flexibilität wünschenswert.“ Heider freute sich zwar über die Bereitschaft des Kierspers, Flüchtlinge einzustellen, gab aber auch zu bedenken, dass Kenntnisse der deutschen Sprache unverzichtbar seien. „Das ist für uns alle ein großes Thema. Doch letztlich ist es nur sinnvoll, die Menschen zu schulen, die auch eine Bleibeperspektive haben.“ Und auch Pawlas freute sich über die Bereitschaft von Lahme, Flüchtlinge beschäftigen zu wollen: „Doch die Sprache ist wichtig, gerade auch im Hinblick darauf, dass nicht alle Arbeitgeber so offen sind, wie Sie.“

Lahme nutzte aber auch die Gelegenheit, die großen Probleme anzusprechen, die aufgrund der unterschiedlichen Arbeitskosten innerhalb der EU entständen. So betrügen diese in Deutschland 38 Euro pro Stunde, in Tschechien 10,40 Euro und in Länder wie Bulgarien oder Rumänien weniger als 5 Euro. „Da entstehen Marktnachteile“, so Lahme. Heider äußerte Verständnis, konnte aber auch keine Lösung präsentieren. Stattdessen warf er – wohl an die Adresse des sozialdemokratischen Regierungspartners gewandt – ein, dass es um so wichtiger sei, Augenmaß bei sozialpolitischen Wünschen walten zu lassen.

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