Schwarze Ferraris werden ausgemustert - Alte Stromzähler haben ausgedient

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Dirk Schäfers (links), Teamleiter Zählermanagement und Prüfstellen bei Enervie-Vernetzt, und Enervie-Sprecher Andreas Köster zeigen die neuen Geräte. Der Einbau der digitalen und kleineren Zähler erfolgt bereits, die intelligenten Messsysteme sollen ab dem kommenden Jahr folgen.

Kierspe - Nach und nach verschwinden die Ferraris vom Markt. Nicht die Roten, sondern die Schwarzen. Während die Edelrenner aus Maranello weiterhin ein Blickfang im Straßenverkehr bleiben, werden die alten Ferraris-Stromzähler ausgemustert. Alle 300 000 Netzkunden von Enervie erhalten digitale Zähler, im Versorgungsgebiet von Kierspe und Meinerzhagen werden rund 21 500 Haushalte und Unternehmen umgerüstet.

Das alles passiert nicht von heute auf morgen. Schrittweise bis zum Jahr 2032 erfolgt der Austausch. Unterschieden wird zwischen zwei Geräten, die eingebaut werden. Die entscheidende Komponente bei der Auswahl der Technik ist der Verbrauch. Dirk Schäfers, Teamleiter Zählermanagement & Prüfstellen bei Enervie-Vernetzt, und Unternehmenssprecher Andreas Köster stellen das Wichtigste und die Hintergründe vor. 

Gesetzlicher Rahmen 

Das „Messstellenbetriebsgesetz“ sieht vor, dass die alten und analogen Stromzähler schrittweise bis 2032 durch moderne, digitale Energiemesssysteme ersetzt werden. 

Wer bekommt was? 

Je nach Verfügbarkeit der neuen Zähler erhalten Kunden mit weniger als 6000 Kilowattstunden (kWh) Jahresverbrauch moderne Digitalzähler. Die schwarzen Kästen mit der drehenden Scheibe und dem Zählwerk im Sichtfenster haben nach und nach ausgedient. Die geeichte Laufzeit der Ferraris beträgt 16 Jahre. Der Austausch läuft bereits seit dem vergangenen Jahr und betrifft rund 90 Prozent aller Stromzähler. Bis zum Jahr 2032 sollen sämtliche digitalen Einheiten verbaut sein. 

Hohe Verbrauchswerte 

Die alten Ferraris-Zähler werden nach und nach aus den Haushalten und Betrieben verschwinden.

Ab dem kommenden Jahr folgen peu à peu die übrigen zehn Prozent der Kunden mit einem Verbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden. Sie erhalten ein neues intelligentes Messsystem, bestehend aus einem oder mehreren Stromzählern und einer Kommunikationseinheit, dem sogenannten „Smart-Meter-Gateway“. Weil aus Wettbewerbsgründen mindestens drei Hersteller solche Geräte anbieten müssen, aber bislang erst ein zertifizierter Typ vorliegt, hat sich die Startphase verzögert. Diese Systeme sollen ebenfalls bis 2032 flächendeckend einsatzbereit sein. Auch Betreiber von Photovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerken mit mehr als sieben Kilowatt Leistung bekommen intelligente Messsysteme. 

Welches Gerät für was? 

Die modernen und passwortgeschützten Digitalzähler schlüsseln den Verbrauch auf für jeden Tag, jede Woche, jeden Monat oder das ganze Jahr. Die Daten lassen sich bis zu zwei Jahre rückwirkend abrufen und vergleichen. „Smart-Meter-Gateways“ kommunizieren über eine gesicherte Datenschnittstelle mit dem Netzbetreiber beziehungsweise mit dem Energieversorger. Die Geräte liefern Informationen zur erzeugten und verbrauchten Energie. Im Heimnetz steht das System mit den steuerbaren Energieverbrauchern beziehungsweise -erzeugern (zum Beispiel Kraft--Wärme-Kopplungs- oder Photovoltaik--Anlagen) in direkter Verbindung. Abwenden können die Kunden den Einbau der neuen Technik übrigens nicht. 

Warum das alles? 

„Mit den intelligenten Messsystemen kann Enervie die zukünftigen Herausforderungen meistern“, sagt Schäfers. Denn mit der Energiewende und dem damit verbundenen Abschied von Kernkraft und Kohle werden die Stromnetze zukünftig verstärkt durch Sonne und Wind gespeist. Doch auf die Natur ist kein Verlass: Sie liefert nicht durchgängig die gleiche Energiemenge. Wenn der Unterschied zwischen der eingespeisten und der im gleichen Moment abgenommenen Gesamtmenge an Strom zu groß wird, können diese Schwankungen Auswirkungen auf die Stabilität der Netzspannung haben und im schlimmsten Fall zu Stromausfällen führen. Schäfers: „Mal habe ich viel, mal wenig Strom. Die Erzeugung wird volatiler. Ich muss deshalb wissen, was im Netz vor sich geht.“ Je stärker der Anteil der regenerativen Energieproduktion wächst, desto größer wird das Dilemma, dass Bedarf und Erzeugung nicht mehr im Gleichgewicht sind. „Um eine zuverlässige Stromversorgung zu garantieren, brauchen wir Smart Meter, die die Netze steuerbar machen. Mit den herkömmlichen Ferraris können wir die Herausforderung nicht bewältigen. Die messen zwar den Strom, übertragen aber nicht die für uns wichtigen Daten.“ 

Beispiel E-Auto 

Wer eine intelligente Einrichtung nutzt, bei dem darf der Netzbetreiber zu Spitzenlastzeiten wie zum Beispiel abends oder morgens, die Stromzufuhr zur E-Ladesäule unterbrechen. Dadurch zieht das E-Auto in dieser Zeit keinen Saft. Wird der Strombedarf schwächer („Schwachlastzeiten“) geht das Laden dann wieder normal weiter. Schäfers: „Damit hilft der E-Autofahrer, das öffentliche Stromnetz zu stabilisieren. Je mehr E-Autos unterwegs sind, umso wichtiger wird die Steuerung.“ Umgekehrt sollen die Fahrzeuge auch Strom abgeben können. Kritisch sei nicht die Anzahl der Elektroautos, sondern die Menge gleichzeitiger Ladevorgänge in Kombination mit der aktuellen Netzsituation, erläutert der Fachmann. „Bei einer intelligenten Steuerung der Ladevorgänge kann das Netz effektiv ausgelastet werden. Und dafür brauche ich Daten, um zu wissen, was gerade im Netz passiert.“

Die Kosten für die neue Zähler-Generation

Kunden mit weniger als 6000 Kilowattstunden (kWh) Jahresverbrauch, erhalten einen digitalen Zähler. Die Messeinrichtung kostet pro Jahr 20 Euro und ist damit fünf Cent teurer als ein Ferraris-Zähler. Bei intelligenten Messsystemen („Smart-Meter-Gateway“) sind die Kosten nach Verbrauchsklassen gestaffelt: Kunden mit einem Jahresverbrauch von 6000 bis 10 000 Kilowattstunden zahlen maximal 100 Euro pro Jahr, bis 20 000 kWh sind es maximal 130 Euro, bis 50 000 kWh sind es 170 Euro. Darüber hinaus sind maximal 200 Euro pro Jahr fällig. Für Industriekunden mit mehr als 100 000 Kilowattstunden gelten keine festgelegten Preise. Der Einbau ist verpflichtend. Optional kann der Kunde auch bei einem vergleichsweise niedrigen Verbrauch ein intelligentes System ordern. Die Gebühr ist nach dem Verbrauch gestaffelt. Kostenfrei ist der Einbau aller Zähler, die Kunden werden vor der Umrüstung informiert.

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