Kiersper Hauseigentümer entsetzt

Polizei lässt Tatverdächtige samt Diebesgut ziehen

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Mathias Faust kann es nicht glauben, selbst aus den alten Autorädern, die er in der Garage gelagert hatte, haben die Täter die Felgen herausgeschnitten und mitgenommen.

KIERSPE - Besser kann die Fahndung der Polizei nicht laufen. Kurz nach einem Einbruch können das Tatfahrzeug ausfindig gemacht und die Tatverdächtigen festgenommen werden. Doch was danach kommt, verschlägt Mathias Faust die Sprache. Die Polizei hat die vermeintlichen Täter fahren lassen – mitsamt der Beute.

Von Johannes Becker

Eine Woche ist es her, da wurde bei Mathias Faust eingebrochen. Der junge Mann kam gerade nach Hause, als ein Bekannter aufgeregt auf ihn zugelaufen kam, um ihn zu warnen, dass Einbrecher auf seinem Grundstücke und auch bereits handgreiflich geworden seien. „Kurz darauf setzte sich ein weißer Transporter auch in halsbrecherischer Fahrt in Bewegung. Geistesgegenwärtig habe ich noch zur Kamera gegriffen, die sich in meinem Kofferraum befand, um die Männer in dem Wagen, das Fahrzeug und das Kennzeichen zu fotografieren“, erinnert sich Faust an die Schrecksekunden.

Da das Handy seines Bekannten von den Tätern zerstört wurde und kaum Funkempfang bei dem Haus in der Nähe von Mühlenschmidthausen besteht, rennt Faust los, alarmiert von einem anderen Standort mit seinem Mobiltelefon die Polizei. Und die Meinerzhagener Beamten reagieren sofort, machen den Wagen ausfindig, verfolgen ihn auf die Autobahn und stoppen das Fahrzeug mit Hilfe von Kollegen auf einem Parkplatz (die MZ berichtete). „Die Polizisten aus Meinerzhagen waren toll. Sie haben nicht nur schnell reagiert, sondern haben mich auch gut betreut. Danach kamen dann aber andere Beamte der Kriminalpolizei, um den Fall aufzunehmen und Spuren zu sichern. Die haben sich aber schon ganz anders verhalten“, so Faust. Da seien Fragen danach gestellt worden, warum er eine Kamera im Wagen habe, Hinweise des Hausbesitzers auf Lichtschalter und ein verrücktes Metallgestell, an dem sich Fingerspuren befinden könnten, seien ignoriert und abgetan worden.

Am Tatabend sei er dann noch zu einer Zeugenaussage nach Lüdenscheid gebeten worden, dort habe ihm dann die Polizei eröffnet, dass nun auch gegen seinen Bekannten Ermittlungen aufgenommen worden seien.

Faust: „Die Verhafteten haben angegeben, sie wären von meinem Bekannten aufgefordert worden, Schrott abzuholen und bei der Bezahlung sei es dann zum Streit gekommen, in dessen Verlauf auch das Handy zu Bruch ging. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass das so gewesen ist.“

Der Polizei erschien die Aussage der Tatverdächtigen jedenfalls so glaubwürdig, dass sie diese mitsamt des Wagens und auch des Diebesgutes ziehen ließ. „Das stimmt“, bestätigt der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde den Sachverhalt gegenüber der MZ, „die im Fahrzeug aufgefundenen Gegenstände konnten dem Geschädigtem zugeordnet werden, Allerdings haben die Insassen des Wagens versichert, sie hätten diese von dem Bekannten des Geschädigten gekauft. Außerdem gaben die Männer an, bereits mehrfach auf dem Gelände gewesen zu sein, um dort Schrott, Werkzeuge und alte Fahrzeuge abzuholen. Da die aufgefundenen Dinge von geringem Wert waren und einer der Tatverdächtigen einen festen Wohnsitz in Deutschland hat, haben wir sie fahren lassen.“

Zumindest die Feststellung, dass die Täter bereits mehrfach auf dem Gelände gewesen seien, scheint nachvollziehbar. Denn neben den Metallwaren und dem Werkzeug, das zumindest vorübergehend von der Polizei sichergestellt worden war, wurden auch Felgen, eine Schneefräse, ein Rasenmäher und zwei historische Traktoren, einer sogar mit einem Schneeräumschild, von dem Grundstück entwendet.

Dabei waren die Täter ausgesprochen dreist. Mathias Faust ist zwar nur sporadisch dort, weil er auswärts eine Ausbildung macht. Doch eine Wohnung im Haus ist an Jagdpächter vermietet und die dem Haus gegenüberliegenden Teiche sind ebenfalls verpachtet und der Pächter ist dort häufig anzutreffen.

Auch scheint unstrittig, dass der Bekannte des Geschädigten bereits in der Vergangenheit einige Geschäfte mit den vermeintlichen Dieben gemacht hat. „Trotzdem kann ich nicht verstehen, dass die Polizei die Männer mit meinem Eigentum hat fahren lassen. Selbst wenn die Männer die Gegenstände von meinem Bekannten gekauft hätten, wäre es damit ja Hehlerware und nicht ihr Eigentum“, so Faust entrüstet. Eine Einschätzung, die er mit seinem Rechtsanwalt teilt. Dieser hat inzwischen die Polizei angeschrieben, um Akteneinsicht gebeten und darin auch die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen anzukündigen.

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