Neue Arztpraxis an der Heerstraße

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Inna Mityushkin (Mitte) praktiziert seit diesem Monat als Fachärztin für Allgemeinmedizin in Kierspe – zu ihrem Praxisteam gehören Viktoria Wagner und Julia Jaufmann.

Kierspe – Seit Anfang Juli hat Kierspe eine neue Arztpraxis: Inna Mityushkin, die sich schon seit einigen Jahren in der Volmestadt als Hausärztin niederlassen wollte, ist ab sofort für Patienten an der Heerstraße 20 zu finden. Die 43-Jährige ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie.

Nachdem erste Überlegungen, eine Praxis zu übernehmen, scheiterten, hat sie lange vergeblich nach geeigneten Räumen für eine Praxis gesucht und schließlich aus der Not eine Tugend gemacht: Nicht zuletzt die hohen Auflagen für eine Neueröffnung unter anderem im Hinblick auf Brandschutz und Barrierefreiheit, haben sie schließlich dazu gebracht, nach einem Grundstück für einen Neubau zu suchen. „Wenn wir das machen, dann richtig“, beschreibt sie die Entscheidung, die sie gemeinsam mit ihrem Mann getroffen hat, zusätzlich zu den Praxisräumen, sieben Seniorenwohnungen in zentraler Lage zu schaffen.

Die Praxisräume sind großzügig und hell gestaltet und erfüllen alle Ansprüche an Barrierefreiheit, inklusive einem rollstuhlgerechten WC. Es gibt zwei Behandlungszimmer sowie Untersuchungsräume für Ultraschall und EKG. Neben diesen Untersuchungen bietet Inna Mityushkin als Fachärztin für Allgemeinchirurgie auch die Wundversorgung nach Operationen an.

Der Ärztin ist es wichtig, eine komfortable und familiäre Atmosphäre für ihre Mitarbeiterinnen und die Patienten zu schaffen. Dazu zählt auch das Büro, das direkt an die Anmeldung angrenzt und somit die Arbeit durch kurze Wege erleichtert. Aber auch die großzügige Küche für Pausen war ihr wichtig. Ein Parkplatz direkt neben dem Haus sorgt für Bequemlichkeit für die Patienten und Hausbesuche sind selbstverständlich. Dienstags und donnerstags hat Inna Mityushkin feste Zeiten dafür eingeplant, insbesondere für ältere Patienten.

In Notfällen will sie es auch spontan während der Sprechzeiten möglich machen, Patienten, die nicht selbst in die Praxis kommen können, zuhause aufzusuchen. Außerdem ist sie im medizinischen Notdienst in Region eingesetzt.

Generell stellt die Ärztin allerdings bei den Bürgern eine Zurückhaltung bei Arztbesuchen fest. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus halte manche Patienten davon ab, dringend erforderliche Untersuchtungen oder Nachsorgungen nach Krankenhausaufenthalten wahrzunehmen. Das sei hoch gefährlich, insbesondere, wenn Medikamente eingenommen werden müssten. Verschreibungspflichtige Medikamente aus Angst vor einen Arztbesuch eigenmächtig einfach abzusetzen, könne gefährlich sein, betont die Ärztin. Das Risiko für schwerwiegende Folgen sei weit größer als das einer Ansteckung, zumal gerade in den Praxen strengste Hygieneschutzregeln eingehalten würden.

Für EKG- und Ultraschalluntersuchungen hat Inna Mityushkin jeweils eigene Räume.

Inna Mituyshkin stammt aus der Ukraine und hat dort Medizin studiert. Sie kam 2003 nach Deutschland. Damit ihre Ausbildung anerkannt wurde, absolvierte sie zunächst ein Langzeitpraktikum am Klinikum Hellersen. Daran schloss sich eine Anerkennungsprüfung an der Universität in Münster an. Zehn Jahr arbeitete sie als Chirurgin am St. Vinzenz-Krankenhaus in Altena und war in dieser Zeit auch als Notärztin im Einsatz. Als das Krankenhaus geschlossen wurde, wollte sie nicht in eine große Klinik wechseln. Sie bevorzugt die familiäre Atmosphäre, wie sie das kleinere Haus in Altena ihr bieten konnte – oder eben auch eine ländliche Hausarztpraxis. Deshalb entschloss sich Inna Mityushkin, eine weitere Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin zu absolvieren. Diese führte sie nach Meinerzhagen – schon damals mit der Absicht, sich in Kierspe niederzulassen. Während des gesamten Prozesses sei sie von der Stadt Kierspe sehr gut unterstützt worden, betont sie. „Wir beraten und begleiten die Ärzte bei der Beantragung von Mitteln aus den Förderprogrammen für die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum“, sagt Bürgermeister Frank Emde. Darüber hinaus hat der Beigeordnete Olaf Stelse Inna Mityushkin bei der Suche nach einen geeigneten Grundstück geholfen und Kontakte vermittelt. Das hat sie schließlich an der Heerstraße gefunden. Auch wenn rund um das Haus noch einiges nach Baustelle aussieht, ist die Praxis seit Anfang des Monats geöffnet.

Nach wie vor ist es bekanntlich schwierig, auf dem ohnehin knappen Markt für Ärzte Kandidaten zu finden, die bereit sind, sich im ländlichen Raum und dann auch noch mit einer eigenen Praxis niederzulassen, betont Frank Emde. Da sei es ein Glücksfall, wenn jemand wie Inna Mityushkin alles daran setze, genau das umzusetzen. „Wir freuen uns sehr darüber“, sagt Emde über nunmehr zwei junge Ärztinnen, die sich in Kierspe neu niedergelassen haben. Ebenfalls zum 1. Juli hat Dr. Cristina Saulescu die Praxis von Martin Romeike übernommen. Rechnerisch sind damit 5,5 Allgemeinmediziner in Kierspe tätig. Damit hat sich die Situation nur moderat entspannt: Das Thema Hausärzte bleibt im Rathaus Chefsache – sowohl für Bürgermeister Frank Emde als auch für den Beigeordneten Olaf Stelse. Denn Kierspe gehört nach wie vor zu den Gebieten, die bei der Ärzteversorgung hohen Förderbedarf haben.

Emde und Stelse wollen weiterhin Allgemeinmediziner unterstützen, die bereit sind, sich in Kierspe niederzulassen. In Stellenportalen werde immer wieder nach Kandidaten gesucht. Die Stadt Kierspe steht Interessenten beratend zur Seite und hilft zum Beispiel bei der Beantragung von Fördergeldern. Auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) bleibe im Fokus. Die Lage bleibe angespannt, nicht zuletzt weil viele niedergelassene Ärzte kurz vor dem Rentenalter sind und der Nachwuchs fehle – nicht nur in Kierspe und den ländlichen Regionen des Sauerlandes.

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