Haus & Grund sagt Mietnomaden den Kampf an

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Christoph Gebauer, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus & Grund, ruft geschädigte Vermieter auf, sich am Kampf gegen Mietnomaden zu beteiligen. ▪

KIERSPE ▪ Auf den ersten Blick machen sie einen guten Eindruck. Erscheinen freundlich, gepflegt und solvent. Doch nach kurzer Zeit zeigen sie ihr wahres Gesicht: Mietbetrüger.

Rechtsanwalt Christoph Gebauer drückt es etwas deutlicher aus: Mietnomaden nennt er jene, die mit der Absicht einziehen, nicht zu zahlen. „Für die Vermieter können die Schäden manchmal an der Existenz kratzen“, sagt der Vorsitzende der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Kierspe-Meinerzhagen. Viel zu starr seien die Gesetze.

Und genau das soll sich jetzt ändern. Gebauer: „Bislang gibt es keine Fakten, die die Höhe des Schadens beziffern.“ Deshalb hat der Bundesverband von Haus & Grund jetzt eine Umfrage in Auftrag gegeben. Nach Schätzungen sei es jährlich nämlich ein Schaden von knapp 2,2 Milliarden Euro, der durch Mietpreller entstehe.

Vermieter, die Opfer von Mietnomaden werden, sind aufgefordert, sich bei der Forschungsstelle für Immobilienrecht an der Universität Bielefeld zu melden. Mit ihrer persönlichen Geschichte. „Nur so können wir den Kampf gegen die Mietbetrüger aktiv unterstützen“, macht Christtoph Gebauer deutlich.

Erst neulich hätte er einen Fall gehabt, bei dem ein Kiersper gleich zweimal auf einen Mietnomaden hereingefallen sei. „Jetzt lässt er seine Wohnung lieber leer stehen. Das kann und darf es doch nicht sein", sagt der Rechtsexperte. Die Politik muss also für die Problematik sensibilisiert werden.

Was so ein Betrug für den Vermieter bedeuten kann, macht Christoph Gebauer anhand eines Beispiels deutlich: Der Mieter zieht ein und sobald es ans Zahlen der ersten Miete geht, serviert er eine Ausrede. Falsche Kontonummer oder der Arbeitgeber zahlt nicht. Das geht natürlich nicht lange gut. Etwa zum vierten Monat wenden sich die Geschädigten dann an einen Anwalt, der die fristlose Kündigung veranlasst. Es folgt eine Räumungsklage – bis es ein Urteil gibt, vergehen dann weitere drei Monate. Wenn’s gut läuft. Allein durch den Mietausfall kommen mehrere tausend Euro zusammen. Exklusive der Kosten für das Verfahren, den Gerichtsvollzieher und die hinterlassenen Schäden in der Wohnung.

„So darf das nicht weiter gehen. Wir wollen erreichen, viel schneller handeln zu dürfen.“ Denn Mietnomaden seien Profis, spielten auf Zeit. Bei klaren Fällen soll daher künftig ein schnelles Urteil her. Die Räumungsklage solle also zügiger umgesetzt werden, außerdem müsse es den Vermietern erlaubt sein, den Prellern die Leitung zu kappen, fordert Christoph Gebauer. Und wie ist die Lage in Kierspe? „Ich schätze mal, dass es jährlich circa fünf Fälle von Mietbetrug sind.“ ▪ Lisa-Marie Weber

Alle betroffenen Vermieter, egal ob Mitglied von Haus & Grund oder nicht, sind aufgerufen, sich an der bundesweiten Umfrage zu beteiligen. Das geht entweder telefonisch unter Tel. 030/20 21 65 10 oder per Mail an mietnomaden@uni-bielefeld.de.

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