Geschätzte Beratung in Eigentumsfragen

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Der Vorstand des Vereins Haus und Grund aktuell im Jubiläumsjahr. ▪

KIERSPE ▪ Als nach dem Ersten Weltkrieg die Wohnungszwangswirtschaft geboren wurde und der Staat als Kernstück bei der Auswahl der Wohnungssuchenden nach der Dringlichkeit ihrer Bewerbung eine soziale Funktion ausübte, kam es zur Gründung des Haus- und Grundeigentümervereins – einer Organisation, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Heute gehören dem Verein, der sich seit 1992 nur noch Haus und Grund nennt, rund 650 Mitglieder an, allesamt Eigentümer von Immobilien, als deren Interessenvertretung sich die Gemeinschaft seit nunmehr 90 Jahren sieht. Darunter auch Gewerbetreibende, Wohnungsverwalter und Makler.

Dass die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren im Wesentlichen konstant blieb, bedeutet angesichts des starken Bevölkerungsrückgangs in beiden Volmestädten, dass die Zahl in Relation sogar gesteigert werden konnte. Vertreten sind die Mitglieder mit insgesamt 3000 Wohneinheiten, genauso Mehr- wie Einfamilienhäuser. Es gibt sogar Mitglieder mit bis zu 30 oder 40 und eines sogar 100 Wohneinheiten.

Schon seit längerer Zeit ist neben Kierspe mittlerweile auch Meinerzhagen als Namensbestandteil aufgenommen worden, womit der Mitgliederstruktur Rechnung getragen wurde, denn rund 65 Prozent und damit der mit Abstand größte Teil kommen zwar aus Kierspe, immerhin 25 Prozent aber auch aus Meinerzhagen und zehn Prozent aus anderen Städten, wie der heutige Vorsitzende Christoph Gebauer informiert.

Aus Anlass des 90. Geburtstages sei hier ein Blick in die Chronik gestattet: Gegründet wurde der „Haus- und Grundbesitzerverein Kierspe-Bahnhof“, so die erste Bezeichnung, am 15. Mai 1923. Den Vorstand bildeten damals F. W. Sure, Heinrich Kumpmann und Fritz Potthoff. Ferner gehörten dem Vorstand jeweils noch drei Vertreter und vier Besitzer an. Festgelegt wurde in der Satzung, dass „die Interessen der Mitglieder nach allen Richtungen zu wahren und zu fördern seien“. Politische und konfessionelle Erörterungen in den Versammlungen sollten unterbleiben. Ein Ziel bei der Gründung war schon damals die gemeinsame Beratung der Hauseigentümer bei ihren Sorgen und Nöten sowie das Erreichen von Lösungen durch die stärkere Kraft der Gemeinschaft.

Sure leitete den Verein von 1923 bis 1931, danach stand Kumpmann von 1932 bis 1937 an seiner Spitze. Von 1938 bis 1952 war Ernst Kasemann nominell Vorsitzender. Während des Zweiten Weltkrieges und auch in den ersten Jahren danach ruhte die Vereinsarbeit.

Der Weltkrieg brachte einen schweren Rückschlag, denn die Arbeit lag einige Zeit brach und auch die Inflation 1948 sorgte für erhebliche finanzielle Belastungen und fast unüberwindbare Schwierigkeiten für die Eigentümer. So wurde der Haus- und Grundbesitz anders als der übrige Wirtschafts- und Geldverkehr zu 100 Prozent belastet, wovon 20 Prozent an die Gläubiger und 80 Prozent im Rahmen der Hypothekengewinnabgabe an den Staat gingen. Das war eine Menge Geld. Doch der Verein erholte sich bald davon.

Zur Wiederbelebung kam es 1952 auch mit Unterstützung des Landesverbandes Hagen. Zur ersten Versammlung am 20. Juni 1952 erschienen 16 Mitglieder, die dann einen neuen Vorstand wählten. Vorsitzender wurde Albert Tweer, der zusammen mit Ewald Benninghaus auch die Initiative zur Wiederbelebung ergriffen hatte. Es wurde eine neue Satzung beschlossen und der Verein umbenannt in „Haus- und Grundbesitzerverein für die Gemeinde Kierspe“.

Viel Arbeit erforderte in dieser Zeit die einseitige Belastung des Hausbesitzes durch das Lastenausgleichsgesetz. Dieses war vom Gesetzgeber verabschiedet worden, um Deutschen, die infolge des Zweiten Weltkrieges und seiner Nachwirkungen Vermögensschäden oder besondere andere Nachteile erlitten hatten, eine finanzielle Entschädigung zu gewähren.

Vom Vorstand wurden damals regelmäßige Sprechtage mit einem Juristen des Landesverbandes, Amtsrat Dr. Hintzen, angesetzt, um die Mitglieder zu informieren und zu beraten. 1958 übernahm dann Rudolf Matthei die Leitung des Vereins, nachdem Tweer aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Tweer wurde zum Ehrenvorsitzenden bestimmt.

Auch die Geselligkeit untereinander sollte nicht zu kurz kommen und so kam es 1958 zum ersten gemütlichen Abend im Vereinslokal Wildenkuhlen. Die Mitglieder zeigten rege Aktivitäten: sie fuhren zu einer Großkundgebung des Zentralverbandes nach Dortmund und nahmen auch immer an den Verbandstagungen teil. 1973 wurde das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Damals gehörte auch schon der spätere Vorsitzende Friedrich Schriever dem Vorstand als stellvertretender Geschäftsführer an. Zweiter Vorsitzender war Richard Wiebusch, Geschäftsführer Gerhard Sure, Kassierer Walter Rothstein und sein Stellvertreter Willi Wendt. Als Berater fungierten Manfred Ladwig und E. Benninghaus.

Der nächste Wechsel an der Spitze vollzog sich dann drei Jahre später: Rudolf Matthei, der bis 1973, also 15 Jahre lang, Vorsitzender war, wurde von Friedrich Schriever abgelöst. Unter ihm wurde dann auch das 60-jährige Bestehen gefeiert.

Seit 1999 hat der Verein mit dem Rechtsanwalt Christoph Gebauer einen neuen Vorsitzenden, der zugleich die Beratertätigkeit im Bereich Rechtsrat wahrnimmt, was eine überaus günstige Konstellation darstellt. Themen sind da Miet-, Nachbarschafts-, Erb- und Grundstücksverkaufsrechts. Auch werden Mustermietverträge für Wohnungen, Gewerberäume oder Garagen angeboten und der jeweils aktuelle Mietspiegel ist ebenfalls erhältlich. Komplettiert wird das Angebotsspektrum durch Entwürfe von Kündigungsschreiben, Mieterhöhungsverlangen, Abmahnungen und Wohnungsabnahmeprotokollen sowie durch die erste Korrespondenz mit der Gegenseite im Streitfall.

2006 ergab sich aus der Zusammenarbeit beim Energiepass außerdem mit dem Architekten Falk Dietrich eine weitere Kooperation, die eine kostenlose Erstberatung für Mitglieder in Baufragen beinhaltet, bei der viele erste Fragen schon mal vorab geklärt werden können – der Baurat. Gerne in Anspruch genommen wird von den Mitgliedern weiterhin die Betriebskostenabrechnung, für die Sabine Dietrich verantwortlich zeichnet.

Hinzu kommt noch die Interessenvertretung durch den Landes- und Bundesverband. Nicht zu vergessen auch, dass die Gesamtorganisation als großer Verband auch gegenüber Politik und Regierung einiges Gewicht besitzt. Zudem erhalten die Mitglieder die monatlich erscheinende Verbandszeitschrift, wodurch sie immer auf dem Laufenden sind. Dafür, so die Meinung vieler Haus- und Grundeigentümer, sind die 26 Euro Jahresbeitrag plus 11 Euro für jede weitere Wohnung sehr gut investiert.

Gescheitert ist der Versuch, ein Beratungsangebot einmal im Monat auch in Meinerzhagen anzubieten, der vor etwas mehr als zehn Jahren unternommen wurde. Es fand keine Akzeptanz, die Bürger wendeten sich lieber direkt an die Geschäftsstelle.

Der heutige Vorstand besteht neben Gebauer noch aus dem zweiten Vorsitzenden Gerd Reppel, Kassierer Klaus Schafhirt, der zweitenKassiererin Ingrid Dobmeier und den Beiratsmitgliedern Armin Nierwing, Holmer Maack und Falk Dierich.

Der Verein lädt seine Mitglieder zur großen Geburtstagsfeier ein, die am Mittwoch, 15. Mai, ab 18.30 Uhr in der Jahnhalle veranstaltet wird. Vorgesehen ist ein Programm bestehend aus der einen oder anderen Rede, vor allem aber auch Comedy sowie viel Musik und es ist natürlich auch für ein Essen gesorgt. Anmeldungen sind noch bis zum 1. Mai möglich. ▪ Rolf Haase

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