Immer weniger Patienten: Fachärzte berichten

"Enger Kontakt auf dem Stuhl": Zahnarztbesuche in Corona-Zeiten
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Mit dem Lockdown durch das Coronavirus kam bei vielen Allgemeinmedizinern, Fach- und auch Zahnärzten ein teils massiver Einbruch beim Patientenaufkommen. Mittlerweile normalisiere sich das Ganze wieder.

Kierspe - Sie sind die Helden der Krise, aber auch ihre wirtschaftlichen Opfer. Hausärzte, Fachärzte und auch Zahnärzte hatten gerade in den ersten Wochen des sogenannten Lockdowns starke Rückgänge zu beklagen, mittlerweile stabilisiert sich die Lage aber wieder – jedoch langsam.

„Viele Patienten waren vorsichtig und haben den Weg zum Arzt gescheut. Gleichzeitig haben aber auch wir versucht, den Besucherstrom so zu steuern, dass weniger Patienten gleichzeitig in der Praxis waren“, sagt Jochen Reiffert, der in Kierspe eine Hausarztpraxis betreibt und Sprecher der Ärzte seiner Heimatstadt ist. Es waren vor allem die chronischen Kranken, die den Arztbesuch vermieden haben, um sich keinem zusätzlichen Risiko auszusetzen.

Doch dadurch wurden die Praxen gleich doppelt getroffen. „Unser Honorarsystem ist so aufgebaut, dass wir nicht viel an den Akutpatienten verdienen. Unser Geld bekommen wir vor allem durch die wiederkehrende Behandlung der chronisch Kranken“, erklärt der Mediziner. Dabei komme es aber auch auf die Zahl der behandelten Patienten an.

Haben versucht, den Besucherstrom zu kanalisieren: Jochen Reiffert und sein Team.

Doch durch die Hygienemaßnahmen und die geringe Anzahl von Mitarbeitern in den Praxen sei eine Behandlungszahl wie vor der Krise nicht möglich gewesen und derzeit immer noch nicht möglich – aber die Situation stabilisiere sich langsam, so Reiffert. Anfangs hatten die Ärzte auch noch Probleme durch fehlende Schutzausrüstung.

„Wir haben viele Spenden von Kierspern bekommen und auch der Kreis hat uns gebracht, was er bekommen konnte, aber das hat bei Weitem nicht ausgereicht“, so der Kiersper Arzt. Mittlerweile habe sich diese Situation aber auch entspannt. Ein Großteil der Schutzausrüstung würde von der Kassenärztlichen Vereinigung beschafft, anderes sei nun auch wieder bei den Händlern zu bekommen. Reiffert: „Allerdings immer noch zu stark überhöhten Preisen.“ Da sei es gut, dass die Ausrüstung, die über die KV komme, von den Krankenkassen bezahlt werde.

„Das ist aber neu, so etwas hat es vor der Krise nicht gegeben“, so Reiffert. Der Mediziner kann auch berichten, dass die Vorsichtsmaßnahmen nicht nur zu einer stark verringerten Zahl an Covid-19-Erkrankten geführt habe, sondern auch zu einem Rückgang bei den Infekten der oberen Atemwege.

Zwei Monate fast keine Patienten

Von einem massiven Einbruch beim Patientenaufkommen spricht Stefan Menger, der zusammen mit seiner Frau Gabriele eine Zahnarztpraxis in Kierspe betreibt. Zwei Monate lang habe es fast keine Patienten gegeben, nur Schmerzpatienten kamen zur Behandlung – bis Ostern, dann habe ein Normalisierungsprozess begonnen.

Dabei helfe das ausgefeilte Hygienekonzept, erklärt der Zahnarzt, dass es bei ihm und den anderen Kollegen gebe. „Wir mussten uns nicht extrem umstellen“, erklärt Menger, dass Mundschutz, Handschuhe und Desinfektion schon vor Corona im Einsatz waren. Denn es gebe auch andere Infektionskrankheiten, denen gerade auch Zahnärzte ausgesetzt seien.

Geändert hat sich aber einiges für die Patienten, die bereits am Eingang auf die Hygiene- und Abstandsregeln hingewiesen werden und nur mit Mundschutz die Praxis betreten dürfen. Gabriele und Stefan Menger haben nach dem Lockdown natürlich auch darauf geachtet, Termine so zu vergeben, dass nur wenige Patienten im Wartezimmer sind. „Zur Not muss man auch draußen warten“, erklärt Stefan Menger. Das „Handling“ habe sich mittlerweile stabilisiert, das sei in anderen Praxen ähnlich, spricht der Kiersper Zahnarzt von einer entspannten Lage.

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