Haus Berkenbaum seit 25 Jahren wiedereröffnet

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Die Bewohner des Stadtteils Berkenbaum: Anni, Ernst Willi, Renate, Christoph und Christina Funke. ▪

KIERSPE ▪ „Gastronom kauft ganzen Stadtteil“ stand vor 26 Jahren in der Meinerzhagener Zeitung, als Willi Funke mit dem Hotel und Restaurant Haus Berkenbaum die gesamte Gemarkung übernahm.

Und auch wenn das bereits 26 Jahre her ist, feierten Ernst Willi und Renate Funke erst in dieser Woche das 25-Jährige ihres Unternehmens. „Im vergangenen Jahr war einfach keine Zeit“, so Renate Funke. Schon Mitte des vergangenen Jahres war klar, man würde die Feier in diesem Jahr nachholen. Mit weit mehr als 400 Gästen wurde dann in der Turnhalle Berkenbaum ein großes Fest gefeiert. Die beiden Gastronomen nutzten die Gelegenheit sich mit dieser Feier bei ihren zahlreichen Stammgästen, Freunden, Nachbarn und Lieferanten zu bedanken – für die gute Zusammenarbeit, die Treue zum Haus und die Toleranz, wenn es einmal ein bisschen lauter wurde.

Dass überhaupt noch einmal Leben in das Gebäude in Berkenbaum kam, war bei weitem nicht selbstverständlich und letztlich dem Gastronom Willi Funke zu verdanken, der damals den Funkenhof in Kiersperhagen bewirtschaftete und für seinen Sohn, der in seine Fußstapfen trat, eine berufliche Perspektive schaffen wollte. „Mein Schwiegervater hat immer gesagt, Haus Berkenbaum war immer eine Gastwirtschaft und soll auch eine bleiben“, erinnert sich Renate Funke.

Dabei war der Zustand des großen Gebäudes vor knapp 30 Jahren nicht dazu angetan, dass Besitzer und Gäste von einem schnellen wirtschaftlichen Erfolg ausgehen konnten.

1823 gebaut und als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt, wurde schnell eine Gastwirtschaft eingerichtet, die – urkundlich belegt – 1899 per Erlaubnis des Amtes Lüdenscheid einen Saal für Festlichkeiten erhielt.

Später gab die Familie Vollmann den Besitz an die Familie Lüsse ab, die dort auch eine Provinzial-Geschäftsstelle als zweites Standbein betrieb. Ende der 1970er Jahre verstarb Heinrich Lüsse und das Gebäude stand leer. 1981 kaufte dann Willi Funke.

Aber es sollte noch drei Jahre dauern, bis wieder Bier gezapft und in der Küche gekocht wurde. Musste das marode Gebäude doch erst von Grund auf saniert werden. Und auch der Sohn Ernst Willi war noch in der Ausbildung und konnte aufgrund der Entfernung zum heimischen Kierspe nur im Urlaub beim Umbau anpacken.

Denn nach der Schulzeit in Kierspe und der Ausbildung zum Metzger in Meinerzhagen zog es den jungen Kiersper in die Ferne. Im Kurhotel Post in Bad Wildbach im Schwarzwald lernte er aber nicht nur den Beruf des Kochs, sondern auch seine Frau kennen, die dort ebenfalls eine Ausbildung machte. „Damals hatte schon unsere Chefin gesagt, dass weit mehr als 40 Ehen unter den Mitarbeitern des Hauses zusammengekommen seien“, so Renate Funke

Nach der Ausbildung gab es für den jungen Koch noch einige berufliche Stationen im Ausland, bevor es wieder ins Sauerland ging. Und auch seine spätere Frau ging vor dem Umzug nach Kierspe noch für ein Jahr ins Kensington-Hilton nach London, um weitere Erfahrung zu sammeln. Bevor sie die Herrschaft über Personal und Gastraum in Berkenbaum übernahm, arbeitete sie noch im Hotel Kaisergarten in Neuenrade.

Rechtzeitig vor der Eröffnung des Hauses am 24. April 1984 heirateten die beiden am 9. März des gleichen Jahres. Und auch wenn Vater Willi Funke die Geschäfte offiziell noch bis 1989 führte, waren es doch Ernst Willi und Renate Funke, die vom ersten Tag an den Ton angaben und ihre Idee eines Restaurants und Hotels umsetzten. Statt der damals üblichen Schnitzelkarte mussten oder durften sich die Gäste an eine gehobene und schwäbisch ausgerichtete Küche gewöhnen. Ernst Willi Funke: „In manchen Monaten habe ich mehr als 500 Eier zu Spätzle verarbeitet.“

Geschadet hat die Entscheidung den beiden Unternehmern nicht. Denn während die meisten Gastronome über den Wegfall ihrer Stammtische klagen, treffen sich bei Funkes allein 15 dieser Gruppen. Auch für zahlreiche Firmen- und Familienfeiern ist Haus Berkenbaum nach wie vor die erste Adresse in Kierspe. Auch reisende Firmenmitarbeiter und Urlauber haben das Haus mit seinen zwölf Zimmern schätzen gelernt. „Uns macht es nach wie vor viel Spaß – und was wird, wird die Zeit bringen“, sagen die beiden nach ihren Plänen und der Übergabe des Hauses. Aber mit 50 und 51 Jahren haben die Unternehmer ja auch noch Zeit für eine Entscheidung. Der 20-jährige Sohn Christoph hat zumindest eine Ausbildung zum Koch im Hotel-Restaurant „Krone Lamm“ in Bad Teinach in Baden Württemberg begonnen. Die 25-jährige Tochter Christina arbeitet in einem Reisebüro in der Nähe. Wenn alle Zuhause sind und auch Mutter Anni Funke mit am Tisch sitzt, dann ist nicht nur die Familie versammelt, sondern gleichzeitig auch alle Einwohner des Stadtteils Berkenbaum. ▪ Johannes Becker

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