Haus Berkenbaum hat Vorreiterrolle in NRW

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Dehoga-NRW-Präsident Olaf Offers (rechts) übergab die Urkunde an Renate Funke (von links), Ernst-Willi Funke, Christina Gerke und Christian Funke vom Hotel-Restaurant Haus Berkenbaum.

Kierspe - Landespremiere in Kierspe: Das Hotel-Restaurant Haus Berkenbaum wurde vom Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein-Westfalen (Dehoga NRW) als erste Einrichtung mit dem neuen Zertifikat „Ausbildung mit Qualität“ ausgezeichnet.

„Ich freue mich besonders, dass ich die erste Urkunde an einen kleineren, privaten Betrieb verleihen kann und deshalb jetzt hier in Kierspe bin. Dabei gebe ich offen zu, bis vor einer Woche gar nicht gewusst zu haben, dass es diese Stadt gibt“, sagte Olaf Offers, Präsident des Dehoga NRW.

Kern der Initiative „Ausbildung mit Qualität“ ist es, dass Auszubildende ihre Ausbilder bewerten sollen, um so die Ausbildungsqualität und -zufriedenheit steigern zu können. Mit dieser Zertifizierung, die zunächst zwei Jahre gilt, solle versucht werden dem schlechten Ruf der Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie mit Überstunden, einem rauen Umgangston und schlechten Arbeitszeiten entgegen zu steuern.

Betriebe füllen Fragebogen aus

Die teilnehmenden Betriebe müssen zunächst einen zehn Punkte umfassenden Fragebogen ausfüllen, der von den Dehoga-Ausbildungsverantwortlichen kontrolliert wird. „Wir überprüfen dabei, ob die gegebenen Standards ausreichen, um zertifiziert zu werden. Die Betriebe müssen mindestens 75 Prozent unserer Kriterien erfüllen“, erklärt Rainer Spenke, Geschäftsführer Dehoga-Fachgruppen NRW. Jährlich erhalten dann auch die Auszubildenden einen Fragebogen, in dem sie der Dehoga ihre Sicht des Betriebes darstellen können. „Da werden wir dann sehr genau die Unterschiede zwischen Dichtung und Wahrheit feststellen können“, sagt Offers.

Jacqueline Schneider und Marius Lüddemann werden im Haus Berkenbaum zu Hotelfachleuten ausgebildet.

Mit den anonymisierten Ergebnissen der Fragebogenauswertung will die Dehoga gezielt auf die Betriebe zugehen. „Wir sprechen an, in welchen Bereichen die Auszubildenden Probleme sehen und wie die Zusammenarbeit weiter optimiert werden kann“, sagt Spenke. Tauchten die Probleme bei der Fragebogenauswertung im Folgejahr in ähnlicher Form erneut auf und sei im Betrieb nur eine geringe Bereitschaft zu erkennen, diese zu beheben, werde die Zusammenarbeit nach zwei Jahren wieder beendet, erklärt Spenke.

Die Gefahr, speziell in kleineren Betrieben könnten die Auszubildenden ihre Fragebögen nicht wahrheitsgemäß ausfüllen, sehen die Dehoga-verantwortlichen bei ihrer Qualitätskampagne überraschenderweise nicht: „Erfahrungen aus Berlin, wo dieses Modell schon längere Zeit umgesetzt wird, zeigen, dass auch kritische Rückmeldungen von den Auszubildenden kommen“, sagt Offers.

Keine Bewerbung auf Koch-Stelle

Auch Christina Gerke, im Haus Berkenbaum für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sieht „Ausbildung mit Qualität“ vor allem als Chance, „um die Ausbildung in unserem Bereich wieder attraktiver und beliebter zu machen. Hoffentlich machen möglichst viele Einrichtungen mit“. Der Betrieb bildet seit mehr als 30 Jahren Köche und Hotelfach- sowie Restaurantfachleute aus. „In diesem Jahr haben wir auf unsere Ausbildungsstelle zum Koch erstmals keine einzige Bewerbung erhalten“, sagt Gerke, die deshalb hofft, mit dem Zertifikat als Qualitätssiegel bei jungen Leuten werben zu können. „Interessierte Auszubildende sehen jetzt sofort: Bei uns ist alles Ordnung, wir haben nichts zu verbergen.“

Die beiden Auszubildenden zu Hotelfachleuten, Jacqueline Schneider (21/drittes Lehrjahr) und Marius Lüddemann (22/erstes Lehrjahr), befürworten die Initiative der Dehoga: „Die Fragebogenaktion kann für uns nur gut sein.“ Die teilweise ungünstigen Arbeitszeiten und Überstunden bei Veranstaltungen sehen sie ebenfalls nicht als Problem an. „Wenn ich in diesen Berufszweig gehe, muss mir klar sein, dass ich andere Arbeitszeiten als eine Bürokauffrau habe. Aber ich mache die Arbeit gerne, sie macht wirklich Spaß. Deshalb würde ich mich sofort wieder für diese Ausbildung entscheiden, wenn ich noch einmal wählen könnte“, sagt Schneider.

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