Kierspe auf dem Weg zum eigenen MVZ

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Anfang Februar informiert die Stadtverwaltung die Mitglieder des Hauptausschusses über die Planungen zu einem Medizinischen Versorgungszentrum. Gearbeitet wird an dem Thema gemeinsam mit Halver.

Kierspe - Derzeit gehen jedes Jahr 400 Hausärzte in Nordrhein-Westfalen in den Ruhestand, gleichzeitig rücken 250 neue Mediziner nach. In Kierspe wird diese Entwicklung besonders deutlich. Hoffnung, dieser Situation zu begegnen, gibt die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums. Doch der Weg ist lang.

Die Sicherstellung einer ausreichenden ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum stellt sich bundesweit als ein immer größeres Problem dar“, heißt es in einer Vorlage der Stadtverwaltung zur Sitzung des Hauptausschusses, der am 4. Februar tagt. Dort ist auch zu lesen, dass die Verbesserung der ärztlichen Versorgung über ein medizinisches Versorgungszentrum denkbar sei – und das ein solches seit 2015 auch in kommunaler Trägerschaft möglich sei. „Allerdings wurde diese Trägerschaft zurückhaltend wahrgenommen“, heißt es vonseiten der Verwaltung.

Doch zögerlich soll in Kierspe nicht ablehnend heißen. So habe man gemeinsam mit der Nachbarstadt Halver und unter sachkundiger Beratung erste qualifizierte Überlegung hinsichtlich der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit angestellt. „Darüber haben wir die Politik auch interfraktionell informiert. Deshalb wundern wir uns auch über die Freien Wähler, die uns auffordern, tätig zu werden. Wir haben die FWG, genau wie die anderen Fraktionen, erst im November in Kenntnis gesetzt, dass wir Informationen zur Machbarkeit einholen“, sagt Bürgermeister Frank Emde auf Nachfrage der MZ.

In der Vorlage zur Sitzung heißt es, dass mittlerweile ein Ergebnis vorliege, das mehrere Modelle bezogen auf die Anzahl der Ärzte, Behandlungszahlen und Fallwerte vorsehe. Doch es wird auch deutlich, dass ein Medizinisches Versorgungszentrum nicht ohne Risiko sei: „Die Bandbreite der Jahresergebnisse reicht von einem Defizit von 161 000 Euro bis zu einem Überschuss von 283 000 Euro.“

„Wir sprechen hier von einem Thema, das Kommunen nicht kennen. Das fängt schon bei der Abrechnung an. Wie wir Abwasser oder Abfall berechnen müssen, wissen wir – aber nicht, wie wir ärztliche Dienstleistungen abrechnen“, erklärt der Bürgermeister. Da müssten im Vorfeld viele Gespräche geführt werden, unter anderem mit der Kassenärztlichen Vereinigung oder dem Gemeindebund. Unter anderem müsse ja auch geklärt werden, wie eine Haftungsbegrenzung umgesetzt werden könne, so Emde, der weiter ausführt, dass deshalb auch die konkrete Rechtsform noch unklar sei. Die Trägerschaft sei auch sowohl kommunal als auch interkommunal denkbar.

Einen konkreten Beschluss müssen die Mitglieder des Hauptausschusses nicht fassen, da sich der Rat Mitte Februar noch einmal mit dem Thema beschäftigen wird. Dazu heißt es: „Es ist vorgesehen, vom Rat einen Grundsatzbeschluss für weitere Schritte zur Gründung eines kommunalen MVZ fassen zu lassen.“

Auf Nachfrage teilt Emde mit, dass man sich für die Zusammenarbeit mit Halver entschieden habe, da beide Kommunen noch keine Erfahrung mit dem Thema hätten und man sich auf diese Weise Arbeit und Kosten teilen könne.

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