Orient trifft Okzident in der Kirche

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Redur Saher (Saz und Gesang), Reinhard Finke (Gitarre), Fritz Schmidt (Geige) und Omid Issa (Percussion).

Kierspe – Musiker und Musikstile aus Orient und Okzident begegneten sich am Samstagabend in der Margarethenkirche - und präsentierten ein spannendes Konzert.

Aus der heimischen Jazz-Band Black in Green war ein Duo aus Fritz Schmidt (Saxofone und Violine) und Michael Schnippering (Klavier) geworden, das sich für den Versuch einer „orientalisch-westlichen Begegnung“ mit dem Kiersper Saz-Spieler und Percussionisten Omid Issa verstärkte – ein interessanter Versuch, sehr unterschiedliche Musikstile zu vereinen. Vor einer ähnlichen Herausforderung stand die Band Hang out in Trees aus Solingen. Deren Sänger Redur Saher, Cousin von Omid Issa aus Kierspe, kam 2014 als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland und brachte seine Langhalslaute Saz und sein musikalisches Erbe mit: In der Margarethenkirche sang er in verschiedenen Sprachen, wobei er dem Publikum zu vorgerückter Stunde bei einem Lied eine Frage stellte, die wohl nur die wenigsten mit einem „Ja“ beantworten konnten: „Haben Sie gemerkt, dass es auf Arabisch war und nicht auf Kurdisch?“ Darüber hinaus gab es auch jesidische Texte und Ausflüge in die Musikkulturen Afghanistans und Italiens. Redur Saher sang „Bella Ciao“, das Lied der Partisanen in kurdischer Sprache. Für die Rhythmen sorgte Percussionist Sini Nickel-Demir, der sich auch als guter Sänger entpuppte: „I need a dollar“ brachte die Bitte um Spenden für die Flüchtlingshilfe in eine ansprechende Form, und bei Leonard Cohens berühmtem „Hallelujah“ unterstützten die Besucher in der gut gefüllten Kirche zumindest den Refrain. Gitarrist Reinhard Finke komplettierte das Trio, das am Ende gemeinsam mit den beiden Musikern von „Black in Green“ auf der Bühne stand. In Solingen betreibt Reinhard Finke ein eigenes Aufnahmestudio, in dem Musik für sein Label „Valve-Records“ produziert wird. Fritz Schmid und Michael Schnippering präsentierten Kostbarkeiten aus ihrem Repertoire: die Filmmusik zum Film „Black Orpheus“(Orfeo negro), Thelonius Monks „Blue Monk“, Duke Ellingtons „Caravan“ und Miles Davis’ „Blue in Green“ - der Pate des Bandnamens. Überzeugend meisterten die beiden Musiker auch die Herausforderungen einer weiteren Perle der Jazz-Geschichte: Herbie Hancocks „Mayden Voyage“ – ein Stück, das „berühmt ist für seine komplizierten Rhythmen“. Auf den Jazz folgten zwei heitere Klezmer-Kompositionen. „Wir dürfen bei der Frage der Integration niemals die jüdischen Menschen vergessen“, mahnte Fritz Schmid, und forderte zum „Freilach sein“ auf. Die Aufforderung „Forget the tears, it’s beautiful“ verbreitete er bei einer Runde durch die Kirche. Organisiert wurde der Konzertabend vom Verein „Menschen helfen“, der sich um die Integration von Flüchtlingen bemüht. Dieser warnte vor der Gefahr drohender Ausweisungen in den Irak und äußerte Scham über die Situation in dramatisch überfüllten griechischen Flüchtlingslagern: „Wir finden es nicht in Ordnung, dass Europa da zuguckt.“

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