Moderne Fertigungsanlage: Vorsprung durch Technik

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Schauten sich gemeinsam die neue Fertigungsanlage an: Die Bundestagsabgeordnete Petra Crone (SPD), Rainer Kunkel, Geschäftsführer bei Reinhardt-Technik (links), und Goletz-Geschäftsführer Michael Vedder. ▪

KIERSPE ▪ Kleine Zahlen sind nicht für die Eigentümer der Firma Goletz. Wenn Michael Vedder und Martin Werner über Stückzahlen sprechen, dann geht es immer gleich um Hunderttausende. Dass das bei einem Schlüssel, mit dem sich ein großer Teil der Audi-Flotte öffnen lässt, auch so ist, verdankt das Unternehmen in Kiersper Hagen nicht zuletzt der ebenfalls in Kierspe ansässigen Firma Reinhardt-Technik. Eine Zusammenaarbeit, die auch das Interesse der Bundestagsabgeordneten Petra Crone (SPD) weckte und zu einem Besuch veranlasste.

„Normalerweise sitzen unsere Kunden Hunderte Kilometer entfernt, eben dort, wo Autos oder auch Spül- und Waschmaschinen zusammengebaut werden. Da war ein Auftrag vor der Haustür eine sehr angenehme Abwechslung“, erklärt Rainer Kunkel, Geschäftsführer bei Reinhardt-Technik. Das Kiersper Unternehmen hat sich auf den Bau von Anlagen zur Automatisierung im Bereich Dichten und Kleben spezialisiert. Für Goletz hat die Firma eine Anlage gebaut, die ein Fügeverfahren beherrscht und im sogenannten Heißprägen Schlüssel zusammenfügt, die später dem Fahrer Zugang zu einem Audi gewähren.

„Ursprünglich sollten wir 10 000 dieser Schlüssel pro Woche herstellen, jetzt sind es 44 000, die von Hella als unserem Kunden angefordert werden“, erklärt Michael Vedder, Geschäftsführer der Firma Goletz. Doch bevor der Roboter im Zentrum der neuen Anlage, die erst seit knapp zwei Monten in Kiersperhagen steht, seine Arbeit aufnimmt, fertigen die Goletz-Mitarbeiter alle Kunststoffteile, die für den Schlüssel benötigt werden an den Spritzgießmaschinen des Unternehmens. „Die Alternative bei solch einer Fertigung ist längst nicht mehr die Montage von Hand, sondern immer die Auslagerung in Billiglohnländer“, erklärt Vedder die Entscheidung für die 220 000 Euro teure Anlage. Bezahlt hat das Fertigungszentrum allerdings nicht das Kiersper Unternehmen, sondern die Lippstädter Firma Hella, die auch Auftraggeberin ist. So wird letztlich der Schlüssel in Lohnfertigung zusammengesetzt. Allerdings könnte Goletz das erworbene Wissen auch nutzen, um ähnliche Montagedienstleistungen auch den Herstellern anderer Schlüssel anzubieten. Vedder: „Dann müssten wir aber noch eine Anlage haben, denn diese läuft an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr, um die hohen Stückzahlen überhaupt liefern zu können.“

Eingestellt werden musste niemand für die neue Fertigung, da lediglich die Materialzu- und Abfuhr noch von Menschen erledigt wird. Die Kontrolle der einzelnen Bauteile und auch des fertigen Schlüssels übernimmt die Anlage mithilfe einer Kamera. Dabei vergleicht das System das Foto eines perfekt gefertigten Schlüssels mit dem eines gerade montierten. Die Software, die den Roboter antreibt, die Kamera steuert und auch dem System die Kompetenz gibt, ein fertiges Produkt von Ausschuss zu unterscheiden, wurde ebenfalls von Reinhardt-Technik geliefert.

Um auch in Zukunft auf einem immer schnelllebigeren Markt bestehen zu können, ist gut ausgebildetes Personal unverzichtbar. Danach fragte auch die Abgeordnete. Gelöst wird das von beiden Firmen auf die gleiche Weise – mit einer eigenen Ausbildung. Während Reinhardt-Technik mit rund 100 Mitarbeitern fünf junge Menschen ausbildet, sind es bei Goletz (128 Mitarbeiter) sechs bis acht Azubis in jedem Jahr. „Und bis jetzt konnten wir auch jedem einen festen Arbeitsplatz in unserer Firma anbieten“, freut sich Vedder.

In die nähere Zukunft schauen die beiden Firmen mit Zuversicht. Kunkel: „Im ersten Halbjahr 2012 ist es sehr gut gelaufen, danach wurde es etwas flatterhaft, aber grundsätzlich haben wir eine sehr gute Auftragslage.“ Ähnlich sieht es auch bei Goletz aus. Dort hat man so viele Neuprojekte angestoßen, dass nicht alle Auftragswünsche der Kunden angenommen werden können, wobei die Firma derzeit rund 800 verschiedene Artikel fertigt, die nicht nur in der Automobiltechnik zum Einsatz kommen, sondern auch in der Elektroindustrie und ab Januar des kommenden Jahres in der Medizintechnik. ▪ Johannes Becker

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