Lebensmittelausgabe: Keiner soll vergessen werden

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Rita Kattwinkel mit den vielen Lebensmittelpaketen, die mit Hilfe des Awo-Nachbarschaftsservices und der Freiwilligen der Kirchengemeinde ausgeliefert wurden.

Kierspe – Für die Gäste von Hand in Hand kommt der Osterhase ein wenig später, aber die Freude wird sicher nicht kleiner sein, da ist sich Rita Kattwinkel sicher.

Kattwinkel ist Vorstandsmitglied im Verein Hand in Hand und in dieser Funktion im Sozialen Bürgerzentrum zuständig für die Essensausgabe. Doch diese ist – wie das gesamte Bürgerzentrum – derzeit geschlossen. Vor allem, um die ehrenamtlichen Helfer zu schützen, die meist im Rentenalter sind und deshalb zur Risikogruppe gezählt werden.

Doch die Menschen, die sowieso schon wenig haben, möchte der Verein auch in Zeiten, in denen Zusammenkünfte verboten sind, nicht im Stich lassen. So hat man sich letztlich entschieden, die Lebensmittel zu den Menschen zu bringen, wenn diese nicht ins Gemeindezentrum kommen können.

Doch wie soll das gehen, wenn dem Verein aus Datenschutzgründen verwehrt bleibt, die Namen und Adressen der Besucher einzusehen? „Wenn die Menschen zu uns kommen, weisen sie sich mit einer Berechtigungskarte aus, die sie im Sozialamt der Stadt bekommen. Deshalb haben wir die Nummern der Menschen herausgesucht, die in den vergangenen drei Monaten bei uns waren. Diese wurden von der Stadt angeschrieben, mit dem Hinweis, sich beim Verein zu melden, wenn sie Unterstützung wünschen“, erklärt Kattwinkel den Ablauf. Insgesamt hätten sich dann 94 Inhaber von Gästekarten gemeldet – und damit letztlich 135 Erwachsene und 115 Kinder, die sich hinter den Nummern der Gästekarten verbergen. Für diese wurden Taschen gebracht, die dann von den Nachbarschaftshilfen, die sich bei der Awo und der Evangelischen Kirchengemeinde gebildet haben, verteilt wurden.

Die Mitglieder dieser Nachbarschaftshilfen waren in der vergangenen Woche wieder aktiv, um auch Ende April Lebensmittel zu verteilen. Doch bevor die Fahrer loslegen konnten, musste erst einmal im Bürgerzentrum gearbeitet werden – mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung.

Vier fleißige Helfer haben die Lebensmittel den einzelnen Beziehern und Familien zugeordnet – und mit einem kleinen Präsent versehen, das der Rewe-Markt zur Verfügung gestellt hatte. Der hatte nämlich die österlichen Süßigkeiten in so großer Zahl gespendet, dass jedem Paket ein Gruß des Osterhasen zugeordnet werden konnte. Ansonsten ist es derzeit schwer für den Verein Hand in Hand, an Spenden zu kommen. „Die Spenden sind aufgrund der Hamsterkäufe stark zurückgegangen. Und bei Obst und Gemüse müssen wir aus hygienischen Gründen sehr vorsichtig sein. Deshalb haben wir die Lebensmittel von unseren Spenden gekauft, wobei wir von den Märkten auch Waren bekommen haben, die nicht mehr verkauft werden konnten, weil beispielsweise die Verpackungen beschädigt waren“, erklärt Kattwinkel, die in der vergangenen Woche mit Angelika Hager, Sigrid Sieme und Klaus Wortmann die Tüten und Pakete gepackt hat. Klaus Wortmann war bei der Aktion sogar doppelt belastet, weil er auch für die Einkäufe verantwortlich zeichnet.

Viele der Pakete beinhalten auch ein Glas Marmelade, die von Unterstützern gekocht wurde. Kattwinkel: „Zwei Frauen, die sich Obst aus Supermärkten holen, kochen daraus Marmelade und haben uns diese zur Verfügung gestellt.“

Angelika Hager (rechts) und Rita Kattwinkel beim Packen der Lebensmittelpakete im Bürgerzentrum.

Eine weitere Besonderheit bei der „April-Lieferung“: Die Hand-in-Hand-Mitarbeiter haben sich in der Fundgrube des Vereins bedient, damit jede Familie noch eine kleine Überraschung in Form eines Gesellschaftsspiels oder Kuscheltiers bekommt. „Das ist aber einmalig und dem geschuldet, dass zurzeit die Kindergärten und Schulen geschlossen sind“, teilt Kattwinkel mit. In zahlreichen Paketen hätten sich auch sogenannte Alltagsmasken befunden, die von Mitgliedern des Awo-Ortsvereins genäht wurden. „Da hatten wir allerdings nicht für alle Empfänger eine Maske, aber die, die wir hatten, haben wir auch gerne abgegeben, auch im Hinblick darauf, dass ab Montag die Maskenpflicht in Geschäften und dem Öffentlichen Personennahverkehr besteht“, so Kattwinkel. Das Vorstandsmitglied kann aber auch noch von weiterer Hilfe berichten: So gebe es ein Ehepaar, das einmal wöchentlich Brot, das nicht verkauft wurde, abholt und Familien mit vielen Kindern bringt.

Weitere Hilfe ist möglich 

Der Verein Hand in Hand möchte sicherstellen, dass keine Familien vergessen werden. Deshalb können sich Familien und Einzelpersonen, die im Besitz einer Gästekarte sind, bei dem Verein melden. Möglich ist das unter der Rufnummer 01 60/4 08 81 87 oder per E-Mail unter ausgabe@ handinhand-kierpe.de.

Nachbarschaftshilfe

Kurz nach dem Kontaktverbot hatten bereits etliche Kiersper – meist über die sozialen Netzwerke – angeboten, für andere, die nicht mehr Einkaufen konnten oder durften, diese Gänge zu übernehmen. Friedhelm Werner von der Awo hat daraus dann ein Netzwerk gemacht, das er koordiniert und an dem auch die Evangelische Kirchengemeinde beteiligt ist. Allerdings halte sich die Nachfrage sehr in Grenzen, teilt Werner mit: „Da ist Hand in Hand schon unser größter Kunde. Ansonsten haben wir wenige Anfragen. Das hat auch schon etliche der 35 Helfer, die sich bei mir gemeldet haben, etwas frustriert.“ Aber auch, wenn die Anfragen vereinzelt seien, es gebe sie. So habe sich erst am Freitag ein Man aus häuslicher Quarantäne bei der Awo gemeldet. „Der hatte aber kein Bargeld zuhause. Letztlich hat er mir Geld per Onlinebanking aufs Konto überwiesen und ich habe dann die Einkäufer mit Bargeld versorgt“, erzählt Werner. Zu erreichen ist der Einkaufsservice der Awo unter den Rufnummern 0 23 59/20 53 und 01 51/12 74 80 78 oder per Mail unter friwiwer@t-online.de.

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