Hammerwerksmodell entführt in vergangene Zeit

Auch Brennereivereinsvorsitzender Horst Becker zeigte sich gestern bei der offiziellen Übergabe des Hammerwerksmodells von der Familie Gresförder und der Freien evangelischen Gemeinde an die Brennerei beeindruckt von dessen Detailreichtum. ▪

KIERSPE ▪ Als Helmut Bremecker jetzt den Strom für das Modell einschaltete, begannen die Miniaturhämmer zu pochen.

Ähnlich, nur sehr viel lauter, klang es früher in den Tälern von Kierspe, ob im Volmetal oder auch dem Kerspetal sowie in den Seitentälern der beiden, als dort die Hammerwerke in Betrieb waren. In der Gegend wurde damals, bevor der Kunststoff mit dem Bakelit seinen Siegeszug begann, Eisen verarbeitet. Das Modell, das Heinrich Gresförder gebaut hat, veranschaulicht ideal die Funktion einer solchen Anlage, in der ganz verschiedene Hämmer wie Feder- oder auch Fallhammer arbeiteten, aber auch andere mit Wasserkraft oder Elektrizität angetriebene Maschinen wie eine Exzenterpresse.

Bekannt sind diese genauso aus dem Schleipehammer des Heimatvereins, wo diese ebenfalls in Funktion zu erleben sind, allerdings natürlich in Originalgröße. Bei dem Gresförder-Modell, das die Freie evangelische Gemeinde gestern offiziell dem Förderverein für die Historische Brennerei Rönsahl als Dauerausstellungsstück zur Verfügung stellte, ist diese technische Ausstattung nur in Miniaturausgabe zu bestaunen. Detailgetreu nachgebildet sind auch die Transmissionen, über die die Maschinen von einer einzigen Antriebsquelle aus in Gang gesetzt werden. Die Besuchergruppen der Brennerei können anhand des Modells ab sofort prima sehen und erleben, wie ein Hammerwerk, wie es diese in vergangenen Zeiten zuhauf im heimischen Raum gab, funktionierte. Es steht jetzt im ehemaligen Gärkeller im Untergeschoss des Gebäudes, der zum Ausstellungsraum umgestaltet wird. Direkt daneben wurde das Schwarzpulvermodell platziert, das die Funktion einer Mühle darstellt. Pulvermühlen überwogen im Rönsahler Raum und dem angrenzenden Gebiet.

Gestern Morgen begrüßten vom Brennereiverein Horst Becker, Marli Fricke und Helmut Bremecker Klaus Gresförder als Sohn von Heinrich Gresförder, der inzwischen 96 Jahre alt ist und selbst nicht kommen konnte. Von der Freien evangelischen Gemeinde waren Helmut Speckenbach, Wolfgang Rittinghaus und Ursula Schröder anwesend. Heinrich Gresförder hatte der Gemeinde sein Modell gestiftet mit dem Ziel, die Jugendarbeit der Freien evangelischen Gemeinde zu unterstützen und auf diese Weise in Kierspe etwas Gutes zu bewegen. Zunächst sollte das Hammerwerksmodell meistbietend verkauft werden, was dann jedoch scheiterte. Dann wurde damit begonnen, Sponsoren zu gewinnen, was mit einer Ausstellung der Miniaturanlage in der Sparkasse verbunden war. Auch der Stadtmarketingverein unterstützte die Aktion und warb bei seinen Mitgliedern für das Projekt.

„Insgesamt haben bislang neun Sponsoren 3150 Euro gespendet“, berichtete Wolfgang Rittinghaus. Dieses Geld soll zu einem Großteil für die Umsetzung der geplanten neuen offenen Tür von Freier evangelischer Gemeinde und städtischem Jugendzentrum an der Kölner Straße eingesetzt werden. Diese ist als Anlaufstelle für junge Menschen in dem als besonders problematisch geltenden Stadtteil geplant und soll die Arbeit des Jugendzentrums ergänzen. „Wir verbinden also einen doppelten Zweck mit der Aktion: Einerseits wollten wird das Hammerwerksmodell einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und andererseits Geld für die wichtige Arbeit zusammenbekommen“, erläuterte Rittinghaus weiter.

Die Vorgeschichte habe bereits vor etwa zwei Jahren begonnen, erinnerte Helmut Speckenbach. Nachdem die Anlage erst dem Heimatverein angeboten worden war, der aber keinen geeigneten Standort fand, war die Sparkasse mit eingestiegen und der Brennereiverein konnte für die dauerhafte Präsentation des Objektes gefunden werden. Nach Ende der Ausstellung in der Sparkasse war das Modell dann nach Rönsahl transportiert worden. Zu sehen sind in dem neu geschaffenen Ausstellungsraum künftig auch alte Fotos aus Kierspe, vor allem aber Rönsahl und ganz verschiedene andere Exponate, die ein bewusst sehr breites Spektrum abdecken. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Heimatgeschichte.

Stiftung für guten Zweck: Jugendarbeit

„Wir begrüßen hier zahlreiche Besucher und haben pro Woche mindestens zwei Führungen durch das Gebäude, manchmal auch vier oder fünf“, berichtete Horst Becker, der der Familie Gresförder und der Freien evangelischen Gemeinde für die Zurverfügungstellung des Hammerwerksmodells als weitere Bereicherung in der Historischen Brennerei dankte. Der Vereinsvorsitzende kündigte an, dass noch eine Spendenmöglichkeit geschaffen werden solle und regte an, Handzettel oder Karten mit dem Hinweis auf das Spendenkonto auszulegen. Überlegt wird seitens des Brennereivereins zudem, Informationsveranstaltungen zu verschiedenen heimatgeschichtlichen Themen zu organisieren, mit deren Erlös gezielt das Jugendtreff-Projekt von Freier evangelischer Gemeinde und Stadt Kierspe unterstützt werden soll, um so einen eigenen Beitrag für die gute Sache zu leisten. „Wir werden das Modell auf jeden Fall in Ehren halten“, versprach Marli Fricke Klaus Gresförder, der danach etwas zur Entstehungsgeschichte sagte: So sei sein Vater 1915 in Fernhagen geboren worden und danach in Linden und Vorth aufgewachsen. Durchs Volmetal sei er immer nach Kierspe gelaufen und habe auf dem Weg immer ganz interessiert in die Fenster der Schmieden hineingeschaut, sich die Technik angesehen und die dort tätigen Menschen bei der Arbeit beobachtet. Diese Eindrücke blieben bei ihm haften.

„Er war bis zum 15. Lebensjahr in Kierspe und ging dann nach Norddeutschland, um eine Schreinerlehre zu machen“, sagte Klaus Gresförder gestern. 1949 sei er dann zurückgekehrt, habe zunächst in einer Tischlerei gearbeitet, bis er dann am Wildenkuhlen seinen eigenen Betrieb eröffnete, den er bis 1980 betrieb. „In den Räumen der Schreinerei hat mein Vater dann über Jahre an dem Hammerwerksmodell gebaut“, so Klaus Gresförder. Rund 600 Stunden habe er benötigt und dieses im Laufe der Zeit immer weiter ergänzt bis hin zum Klohäuschen und Gartenzaun. Eine Windmühle und eine Dampfmaschine als alternative Antriebsform gehören heute dazu, wenn Dampfmaschinen für Kierspe sicher auch keine Authentizität besitzen. „Als meine Eltern zu uns ins Haus gezogen sind, hat das Modell dort praktisch jeden Morgen gelaufen“, denkt der Sohn des Kiersper Schreiners lächelnd an den charakteristischen Lärm zurück, den dieses immer machte.

Ansprechpartner für weitere Sponsoren: Helmut Speckenbach, Tel. (02359) 7936, E-Mail helmut@speckenbach.net. ▪ Rolf Haase

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