Halt für trauernde Eltern

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Susanne Ferlemann und Uwe Krohn berichteten am Freitagnachmittag im MZ-Gespräch über die Entstehung und die Aktivitäten der Kiersper Elterngruppe „Leben ohne Dich“.

Kierspe - Es war vor etwa elf Jahren, als Heike und Uwe Krohn im Internet auf den Verein „Leben ohne Dich“ stießen. Ein schwerer persönlicher Trauerfall hatte sich ereignet. Darum suchte das Kiersper Ehepaar Halt – auch in Form von Austausch mit Eltern, die ebenfalls ein schwerer Schicksalsschlag getroffen hatte.

Der Verein, der seinen Sitz in Mülheim an der Ruhr hat, bietet diesen Halt. In den Diskussionsforen auf der Interseite www.leben-ohne-dich.de können sich Betroffene das von der Seele schreiben, was sie bedrückt.

Auch für die Eheleute Krohn waren und sind der Verein und seine Homepage Anlaufstelle. Doch die beiden Volmestädter suchten auch den persönlichen, den realen Kontakt zu betroffenen Eltern. Die Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe in der Region erwies sich jedoch als schwierig.

Dann lernten Heike und Uwe Krohn bei einem Gruppentreffen in Gummersbach zwei Paare kennen, mit denen sie sich gut verstanden. Die Idee entstand, eine eigene Selbsthilfegruppe zu bilden – ein Vorhaben, das im September 2006 in Kierspe in die Tat umgesetzt wurde.

Heute ist die Elterngruppe eine von insgesamt zwölf Selbsthilfegruppen unter der Ägide des Vereins „Leben ohne Dich“ – elf sind übers ganze Bundesgebiet verteilt, drei davon sind in Nordrhein-Westfalen angesiedelt, zudem gibt es auch eine in Österreich.

Einzugsgebiet reicht bis nach Velbert

Seit 2006 war und ist die Kiersper Elterngruppe „Leben ohne Dich“ für viele Mütter und Väter aus der Region eine große Hilfe. Das Einzugsgebiet umfasst den gesamten Märkischen Südkreis, Attendorn, Wipperfürth und Lennestadt. „Sogar aus Velbert kommen Eltern zu uns“, berichtet Uwe Krohn, der zum einen Pressesprecher des Vereins ist. Zum anderen bildet er gemeinsam mit seiner Frau Heike sowie mit Susanne und Klaus Ferlemann die Leitung der Kiersper Selbsthilfegruppe.

In der Volmestadt stieß die Elterngruppe von Beginn an auf positive Resonanz – insbesondere die Evangelische Kirchengemeinde Kierspe zeigte sich von der Idee angetan. Mit der Möglichkeit, die Treffen im Lutherhaus durchzuführen, sei die Gemeinde der Elterngruppe „sehr entgegengekommen“, betont Uwe Krohn. Und in ihrer Anfangszeit konnte sich die Gruppe, als sich das Lutherhaus zwischen Herbst 2006 und Frühling 2007 im Umbau befand, in der Margarethenkirche treffen. Weder dort noch ab Frühling 2007 im Lutherhaus brauchte sie je für Heizkosten oder ähnliches aufkommen. „Unsere Form der Trauerarbeit wird als enorm wertvoll und wichtig betrachtet“, freuen sich Uwe Krohn und Susanne Ferlemann unisono über die hohe Wertschätzung, die die Betroffenen seitens der Gemeinde erfahren.

Auch Susanne Ferlemann und ihr Ehemann Klaus suchten vor neun Jahren in ihrer Trauer nach einem schweren persönlichen Schicksalsschlag Halt – und fanden ihn in der Kiersper Elterngruppe. Wie für viele andere Mütter und Väter, waren und sind auch für die beiden Volmestädter die meisten Erlebnisse rund um „Leben ohne Dich“ positiv. Dass man in der Trauerarbeit in seltenen Fällen aber auch vor negativen Erlebnissen leider nicht gefeit ist, mussten sowohl das Ehepaar Ferlemann als auch die Eheleute Krohn bereits erleben. Beispielsweise erhielten beide kürzlich anonyme Anrufe. Bei diesen wurden sie – in Zusammenhang mit ihren jeweiligen Schicksalsschlägen – mit heftigen Beschuldigungen und Vorwürfen konfrontiert. In beiden Fällen gab sich die Anruferin nicht zu erkennen. So hatten weder Susanne Ferlemann noch Uwe Krohn die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. „Sie hat uns keine Chance geben, sich mit ihr auseinanderzusetzen“, bedauern beide.

Gleichwohl: In der Trauerarbeit der Elterngruppe überwiege klar das Positive, berichten Uwe Krohn und Susanne Ferlemann. Dies gilt auch für die Teilnehmerzahlen. „Das Maximum lag bei über 30. Derzeit sind wir bei ungefähr 24.“ Zahlen, die ebenso wie das weite Einzugsgebiet (die nächste Selbsthilfegruppe befindet sich erst in Waldbröl) belegen, wie hoch der Bedarf an Hilfe bei der Trauerbewältigung ist.

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