Ein guter Draht zu Kindern

+
Tagesmütter und Eltern aus Kierspe beim Elternfrühstück im Kindergarten Liederwiese. ▪

KIERSPE ▪ „Als wenn es die eigenen Kinder wären“, antworten Susann Wüstermann und Claudia Belka unisono auf die Frage, wie sie ihrer Arbeit als Tagesmütter in Kierspe nachkommen. Damit unterstreichen die beiden auch die hohe Verantwortung ihrer Aufgabe. Derzeit sucht das Awo-Kindertagespflegebüro Märkischer Kreis wieder Menschen, die sich für diese Arbeit interessieren.

Zum Austausch über ihre Arbeit treffen sich die beiden Kiersper Tagesmütter einmal im Monat beim Elternfrühstück im Awo-Kindergarten Liederwiese am Haunerbusch. Dort kommen dann auch ihre kleinen Schützlinge in den Genuss des Kindergartenangebots. Am Freitag waren das Benjamin und Julian.

Wie viele Kinder eine Tagesmutter in ihren eigenen vier Wänden betreut, ist unterschiedlich.

Nach zwei Ausbildungskursen über je 80 Stunden, dürfen die Betreuerinnen bis zu drei Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 14 Jahren aufnehmen.

Die Ausbildung zur Tagesmutter umfasst so wichtige Bereiche wie rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen, Erziehung, Bildung, Medien- und Spielpädagogik, Gesundheit und Ernährung. Geschult werden die kommenden Tagesmütter auch in der Kooperation und Kommunikation mit den Eltern. Zudem absolvieren sie einen speziellen Erste-Hilfe-Kursus für Kinder und Säuglinge. Daneben müssen sie auch einige Voraussetzungen wie ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, ein hausärztliches Gesundheitszeugnis und eine Überprüfung ihrer Räumlichkeiten durch das Kindertagespflegebüro, hinsichtlich seiner Kindgerechtheit, vorlegen. Ist der Kursus, mit schriftlicher Prüfung nach der Hälfte der Stundenzahl und mündlicher Prüfung am Ende, absolviert, kann die Arbeit beginnen.

Vermittelt durch das Jugendamt und die Awo kommen die Tagesmütter dann in Kontakt mit den Familien. Erst nach einer zehnstündigen Eingewöhnungsphase, in der sich die Eltern langsam immer weiter zurückziehen, ist klar, ob beide Seiten auch zusammenpassen. Susann Wüstermann und Claudia Belka hatten da aber bisher keine Probleme. „Es wird eigentlich schnell klar, ob man harmoniert oder nicht“, betonte Belka.

Die Länge der Betreuungszeiten ist anschließend sehr unterschiedlich. Mal sind es mehrere Jahre, vom Säuglings- bis zum Schulalter, mal werden auch nur einige Wochen überbrückt. Auch die Stundenzahl pro Tag ist aufgrund verschiedener Zeiten der Berufstätigkeit sehr unterschiedlich.

Im Tagesablauf ist die Abstimmung mit den Eltern für Wüstermann und Belka unerlässlich. Dazu gehören auch Erziehungsfragen. „Man muss schon deutlich machen, wer hier der Chef ist“, betont Claudia Belka. Daneben muss jede Tagesmutter einfach einen guten Draht zu Kindern, die nötigen Nerven und viel Geduld haben, beschreiben die beiden Kiersperinnen ihre persönlichen Voraussetzungen für diese Arbeit. Auch in ihren Wohnungen änderten sich ein paar Kleinigkeiten. Treppengitter oder Kindersicherungen müssen einfach vorhanden sein. Für andere Sachen bleiben allerdings die Eltern zuständig. So werden das Mittagessen und nötige Pflegemittel, wie zum Beispiel Windeln, mitgegeben.

Warum sie sich für den Beruf der Tagesmutter entschieden haben, bringen die Kiersperinnen in einem Satz treffend zum Ausdruck: „Zum einen arbeitet man mit Kindern, zum anderen kann man Geld verdienen und dabei zuhause bleiben.“

Aufgrund der ausgebauten U3-Betreuung in den Kindergärten gibt es derzeit aus Sicht der beiden Frauen einen nicht so hohen Bedarf an Tagesmüttern. Katrin Fiebach, vom Service-Point für Tagesmütter im Awo-Familienzentrum, sieht da aber in den nächsten Jahren eine andere Entwicklung. Heute gibt es 13 Prozent U3-Plätze in Kierspe. Dieser Anteil muss aber nach dem Kinderbildungsgesetz bis 2013 auf 30 Prozent ansteigen. Dort können dann auch Tagesmütter helfend einspringen. Denn schon in diesem Jahr musste der Kindergarten Liederwiese vier Elternpaaren für diese Betreuungsform absagen.

Frauen, aber auch Männer, die sich für die Arbeit als Tagesmutter/-vater interessieren, können sich im Awo-Kindertagespflegebüro MK in Lüdenscheid unter Tel. (0 23 51) 38 18 97 melden. Als Ansprechpartnerin steht in Kierspe zudem Katrin Fiebach im Awo-Kindergarten Liederwiese zur Verfügung. ▪ ds

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare