Hohe Ehrung für Heimatforscher

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Im Kreis seiner Familie und enger Freunde nahm Heimatforscher Günter Henseler aus Kierspe zahlreiche Glückwünsche zur besonderen Auszeichnung entgegen.

Kierspe – Gern gesehener Besuch am Dienstag im Ratssaal der Stadt Kierspe. Zu Gast in offizieller Mission war Thomas Gemke, der Landrat des Märkischen Kreises, um im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine besondere Ehrung vorzunehmen. Anlass war die Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Günter Henseler aus Kierspe.

Im Rahmen seiner – in Corona-Zeiten in Anwesenheit einer nur begrenzten Personenzahl aus Familie und Freundeskreis sowie offiziellen Vertretern von Stadt und Vereinswelt erschienenen Gästeschar – gehaltenen Laudatio hob der Landrat die in langen Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit erworbenen besonderen Verdienste Henselers hervor, die zu dieser äußerst selten verliehenen Auszeichnung geführt hatten und kam dabei auch auf den Lebensweg des gebürtigen Rheinländers zu sprechen.

Günter Henseler hat eine kaufmännische Ausbildung in seiner rheinischen Heimat durchlaufen, verdiente seinen Lebensunterhalt später bei der Firma Jung in Schalksmühle und wohnt in diesem Zusammenhang mit seiner Familie bereits seit rund 40 Jahren in Kierspe. Seine auszeichnungswürdigen Verdienste hat er sich im kulturellen Bereich erworben.

Henseler interessiert sich seit vielen Jahren für die genealogische Forschung und Regionalhistorik. Sein im Selbststudium angeeignetes umfangreiches Fachwissen zu dieser Thematik nutzte er insbesondere für zeitaufwendige Forschungen zur Stadtgeschichte Siegburgs, dies im Zusammenhang mit Nachforschungen zur eigenen Familiengeschichte.

Hauptquelle seiner Arbeit waren die Protokolle des Siegburger Schöffengerichts aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Schöffengerichtsprotokolle gelten als aufschlussreiche und unerschöpfliche Quelle der regionalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Siegburgs. Nach Gesprächen mit der Stadtarchivarin erklärte sich Henseler bereit, die gesamte in Kurrentschrift geschriebenen Quelle zu transkribieren und zu editieren.

Damit begann er ein Arbeitsprojekt, das am Ende einen Arbeitsumfang von fast 9000 Schriftseiten und rund 200 Jahre Schriftentwicklung umfasste und einen hohen Aufwand an Freizeit erforderte. Von 2001 bis 2012 erschienen sechs gedruckte Bände. Die damalige Stadtarchivarin erstellte dazu die entsprechende inhaltliche Zusammenfassung (sogenannte Regeste). Im Jahr 2016 erschienen dann der siebte Band und ein Wörterbuch mit 800 Seiten.

Die Edition der alten Schöffenprotokolle ermöglicht nicht nur Einblick in die Rechtspraxis vor einem halben Jahrtausend; die Schilderungen machen zudem den Alltag der einfachen Menschen begreifbar, schließen stadtgeschichtliche Lücken und bilden die Grundlage weiterer heimatkundlicher Forschung. Ohne die von Günter Henseler geleistete Pionierarbeit (die Kunst der Paläografie, nämlich alte Handschriften in ihren Einzelheiten nachzuvollziehen und in eine heute lesbare Form zu transkribieren) hätte das personell „kleine“ Stadtarchiv diese rechtshistorisch-landeskundliche Edition nicht herausgeben können. Insoweit suche das Projekt in der Archivlandschaft nicht nur des Rheinlandes seinesgleichen, wie der Landrat anmerkte.

Der Heimatkundler ist dem Siegburger Geschichts- und Altertumsverein seit Jahrzehnten verbunden und gehört auch seit vielen Jahren der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde an, für die er eine Reihe von Artikeln zur Heimatkunde verfasst hat. 2010 wurde Günter Henseler in Würdigung seiner Leistungen mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Es versteht sich fast von selbst, dass Henseler seit langen Jahren auch im heimischen Bereich und darüber hinaus heimatgeschichtlich interessiert und in der hiesigen Vereinswelt, so im SGV und im Heimatverein, tätig ist. Dass das noch lange so bleiben möge, war der Wunsch, den Marie-Luise Linde als Stellvertretende Bürgermeisterin dem Geehrten mit auf den Weg gab.

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