PCB-Belastung nur leicht gesunken

Eine PCB-Messung, die im Dezember vorgenommen wurde, lieferte ernüchternde Ergebnisse. In den betroffenen Räumen müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. - Archivfoto: Haase

Kierspe - Im Sommer 2014 wurde viel getan, um die mit PCB belasteten Räume in den Türmen B und C der Gesamtschule Kierspe (GSK) von der giftigen organischen Chlorverbindung zu reinigen. Doch der große Erfolg ist ausgeblieben.

Von Petra Schüller

Wie berichtet, wurden die Kondensatoren der Neonröhren abmontiert. Zudem entfernte man in zwei Chemieräumen des Gebäudeteils A Dichtfugen, die ebenfalls von dem beauftragten Sachverständigenbüro Richardson als Quelle der Belastung ausgemacht worden waren. Insgesamt wurden so 20 Räume von dem Giftstoff befreit – so dachte man zumindest.

Wie Rainer Schürmann, Sachgebietsleiter für Stadtplanung und Gebäudemanagement der Stadt, am Dienstagabend im Ausschuss für Schule und Kultur mitteilte, erbrachte eine Abschlussmessung, die im Dezember vorgenommen wurde, ernüchternde Ergebnisse.

„Die Werte sind zwar in einigen Räumen besser geworden, liegen allerdings immer noch nicht unter dem Grenzwert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft“, erläuterte Schürmann.

Es handelt sich dabei um den untersten Messwert, der laut Gesetzgeber eine mittelfristige Sanierung notwendig macht.

Sekundärquellen sind die Ursache

Der Grund hierfür liege nach Einschätzung des Gutachterbüros in so genannten Sekundärquellen für die PCB-Belastung.

„Das sind Materialien, die dem Giftstoff so lange ausgesetzt waren, dass sie ihn selber aufgenommen haben“, so der Stadtplaner.

Mittlerweile gingen die Gutachter davon aus, dass die Rigipsplatten der Decke und der Kleber der Bodenplatten die anhaltende Belastung auslösten.

Nun solle zunächst in zwei Räumen eine Probesanierung vorgenommen werden, bei der Decken und Böden entfernt werden. Erst wenn diese das gewünschte Messergebnis lieferten, werde man die Maßnahme auch bei den übrigen Räumen vornehmen, so Schürmann.

Die Arbeiten sollen schon in den kommenden Tagen beginnen. „Warum hat das Gutachterbüro nicht sofort erkannt, dass neben den Primärquellen der PCB-Belastung auch weitere Materialien entfernt werden müssen?“, merkte Norbert Höhn (UWG) kritisch an.

Die Suche nach den Ursachen der Belastung sei komplexer als es auf den ersten Blick erscheine, erklärte Schürmann. „Vielleicht war es auch ein Fehler, die Abschlussmessung so früh vorzunehmen“, erläuterte er. „Durch die Sanierung wurde die Luft aufgewirbelt – auch eine mögliche Ursache für erhöhte PCB-Werte.“

Schulleiter Heintges lobt zügiges Handeln

Schulleiter Johannes Heintges bedankte sich im Rahmen der Ausschusssitzung dafür, dass die Messung so schnell vorgenommen wurde. „Umso kurzfristiger kann jetzt reagiert werden“, erklärte er.

Im übrigen habe die Stadt die Probleme sehr schnell und entschlossen angegangen. „Als die Belastung 2013 festgestellt wurde, gingen wir davon aus, dass die Sanierung drei bis fünf Jahre dauern werde“, so Heintges. In den vergangenen eineinhalb Jahren sei nun schon viel erreicht worden. Er dankte der Stadt zudem für ihren offenen Umgang mit dem Thema.

Ausschussmitglied Stefan Wilczewski berichtete, dass auch viele Lehrer der Gesamtschule die Sorge umtreibe, nach vielen Jahren Unterrichts in den belasteten Räumen gesundheitliche Folgen befürchten zu müssen.

„Einige Kollegen möchten gerne testen lassen, ob ihr Körper erhöhte PCB-Wert aufweist“, so Wilczewski, der im Ausschuss die Frage aufwarf, wer die Kosten für die Untersuchungen übernehme.

„Diese Frage können wir heute nicht beantworten“, erklärte der Ausschuss-Vorsitzende Marc Voswinkel. „Dazu müssen wir erst noch Informationen einholen.“ Zu den Kosten für die weiteren Sanierungsarbeiten konnte Rainer Schürmann noch keine Angaben machen. „Dazu müssen wir erst das Ergebnis der Probesanierung abwarten“, erklärte er.

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