Grundsteinlegung mit Regen, Herz und Humor

Als alle guten Wünsche ausgesprochen und das Loch verschlossen war, hörte auch schlagartig der Regen auf – die Beteiligten nahmen’s mit Humor. - Fotos: L. Weiland

KIERSPE -  Auch ein schwerer Wolkenbruch konnte Richard Raatz, Bodo de Vries und Wolfgang Lill nicht davon abhalten, am Mittwochnachmittag den symbolischen Grundstein für das neue Gebäude der Märkischen Werkstätten des evangelischen Johanneswerkes zu legen.

Von Laila Weiland

Schon während des Aufbaus ließen die Wolken über dem Gewerbegebiet Kierspehagen kontinuierlichen Nieselregen los. Doch als alle Pavillons standen, der Tontechniker die letzten Griffe machte und die Busse mit den 120 Angestellten der Märkischen Werkstätten die Auffahrt herauf kamen, gab es kein Halten mehr:

Wassermassen ergossen sich über die Baustelle, Zelte knickten ein, die Gäste retteten sich ins Trockene oder blieben gleich in den Autos sitzen und Lautsprecher und Mikrofone wanderten unter blaue Säcke – nicht gerade die Feierstunde, die sich die Organisatoren vorgestellt hatten. Die nahmen die unfreiwillige Dusche jedoch mit Humor. „Auch ohne große Reden – die Röhre müssen wir nun trotzdem noch versenken“, lautete die Entscheidung. So wurde sich im durchnässtem Anzug, geschützt durch Arbeiterhelme und Regenschirme der Weg durch die Pfützen zum vorbereiteten Betonloch gebahnt

Seit dem Frühjahr sind die Arbeiten für das insgesamt 2840 Quadratmeter große Gebäude in vollem Gange. Nach Erdaufschüttungen und Tiefbau ragen seit vergangener Woche auch die ersten Betonpfeiler gen Himmel. Voraussichtlich im Sommer 2014 soll der Betrieb fertig sein. Dann bietet er 120 behinderten Menschen aus Kierspe. Halver, Meinerzhagen und Lüdenscheid einen Arbeitsplatz, der genau auf ihre Ansprüche abgestimmt ist. Auch einen neuen Arbeitsbereich für Schwerstmehrfachbehinderte wird es geben sowie Gruppenräume, Pflegeräume, einen Snoozelenraum und eine moderne Verteilküche mit Speisesaal – alles auf einer Ebene.

Für Geschäftsführer Richard Raatz, Vorstandsmitglied Bodo de Vries, Werkstattleiter Wolfgang Lill und vor allem für die Beschäftigten bedeutet die Grundsteinlegung den Beginn einer besseren Zukunft, denn der Umzug vom völlig unpassenden Schulgebäude in den Neubau nimmt nun Formen an. Das spiegelte auch der Inhalt des Kupferrohres wider, das die drei in das Fundament einließen: Neben der Tageszeitung, Fotos der Belegschaft, dem Grundriss und Münzen als Symbol für stets gefüllte Kassen, wurde auch der abgebrochene Fahrstuhlschlüssel aus der alten Werkstatt dazu gelegt. „Unsere Mitarbeiter machen drei Kreuze, dass sie dann keinen Aufzug mehr brauchen“, erklärte Richard Raatz.

Und als das Rohr versenkt, alle guten Wünsche geäußert und das Loch schließlich wieder mit Steinen bedeckt war, hörte nahezu schlagartig auch der Regen auf.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare