Grundschulverbund „auf gleicher Augenhöhe“

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Stellung zur Planung der Verbundschule nahmen Marlene Umlauf, Thomas Block, Hartmut Keune, Berthold Lüke und Reinhard Mayr. ▪

KIERSPE ▪ Natürlich kam auch die Frage, warum denn die Aufgabe der Eigenständigkeit mit der Bildung einer Verbundschule aus Pestalozzi- und Schanhollenschule überhaupt sein müsse. Jedoch wurden von niemandem bei der Informationsveranstaltung zum Thema in der Aula der Grundschule an der Otto-Ruhe-Straße die Emotionen in diese Richtung geschürt, sondern der Montagabend war von Sachlichkeit und Pragmatismus geprägt. Vielmehr beschäftigten sich die Fragen und Redebeiträge mehr mit Umsetzung und organisatorischen Problemen.

Machte doch der Elternpflegschaftsvorsitzende Hartmut Keune gleich zu Beginn deutlich, dass aufgrund der wegbrechenden Schülerzahlen der Schulträger, also die Stadt, langfristig keine andere Möglichkeit habe, als Schulstandorte wie den der Schanhollenschule zu schließen oder zu einer Verbundschule zusammenzufassen, um diese so zu erhalten. „Ich habe keine Angst vor der Zukunft, wir werden sie bewältigen“, zeigte sich ebenfalls Konrektor Thomas Block zuversichtlich, mahnte aber zugleich, dass sich die künftigen Partner „auf gleicher Augenhöhe“ begegnen müssten, so dass beide Standorte ihre Identität erhalten könnten.

Schulleiterin Marlene Umlauf unterfütterte die Aussagen mit Zahlenmaterial: 1986 habe es in Kierspe zusammen mit der Gesamtschule 651 Schüler in Eingangsklassen gegeben, 1999 auch dank des Zuzuges von Migranten 1122, 2010 aber nur noch 712 und 2016 sollen es Berechnungen zufolge nur noch 681 Schüler sein. Die Schanhollenschule habe 1994 ihren Schulbetrieb begonnen, so Umlauf weiter. In einer Zeit, als die Raumkapazitäten von Bismarck- und Pestalozzischule nicht mehr ausreichten. „In den besten Zeiten von 2000 bis 2004 hatten wir mehr als 200 Schüler, der Spitzenwert war 230 Schüler. Da haben wir zehn Klassen gebildet“, berichtete die Schulleiterin. Ziel der Stadt sei es bei der Schaffung der Verbundschule, die vorhandenen Raumkapazitäten zu nutzen und eine wohnortnahe Beschulung zu sichern. Die Schulaufsicht habe zudem das Bestreben der Kosteneinsparung.

So müssten aus 80 Kindern bei zwei getrennten Schulen vier Klassen gebildet werden, an einer Schule könnten es drei sein, denn die Richtwerte des Gesetzgebers zur Klassenbildung lägen bei 18 bis 30 Schülern. Hinzu komme, dass eine einzige Leitung und Verwaltung ebenfalls die Ausgaben vermindern helfe.

2011 würden aus den 177 Schulanfängern in Kierspe sieben Klassen gebildet. Rönsahl nehme aufgrund der großen Entfernung, der Infrastruktur vor Ort und des dort verfolgten Konzepts des jahrgangsübergreifenden Unterrichts eine Sonderrolle ein, wo auch weniger Schüler pro Eingangsjahrgang toleriert würden. Die Stadt wolle den Standort unbedingt erhalten, was eben von den anderen Grundschulen mitgetragen werden müsse, so Umlauf. 2010 habe an der Schanhollenschule erstmals ein Jahrgang nur einzügig gebildet werden müssen.

Marlene Umlauf kündigte am Montagabend an, dass sie zum Schuljahresende in den Ruhestand gehe. Ihr Stellvertreter werde die Schule kommissarisch weiterleiten. Der Zusammenschluss zur Verbundschule sei ohnehin erst für das Schuljahr 2012/13 geplant. Nachdem der Schulausschuss zunächst nur eine Absichtserklärung beschlossen hat, steht die rechtsverbindliche Entscheidung jetzt im Herbst an.

Als Gast war bei der Informationsveranstaltung, die in der gleichen Form vergangene Woche auch an der Pestalozzischule durchgeführt worden war, der Leiter der Verbundschule Schöneck-Brügge, Berthold Lükem, zu Gast. Er berichtete über seine Erfahrungen: Die Verhältnisse in Lüdenscheid seien ähnlich wie in Kierspe gewesen, als vor drei Jahren die beiden Grundschulen zusammengefasst worden seien. „An zu kleinen Schulstandorten wird die sächliche Ausstattung immer schwieriger und es ist auch problematisch, mit den wenigen Lehrern alle Fächer abzudecken. Krank werden darf ohnehin keine mehr“, schilderte Lüke die Vorteile der Schaffung einer größeren Schule.

In Lüdenscheid hätten die Kinder von der Umstellung gar nichts gemerkt, außer dass auf dem Zeugnis ein andere Kopf gestanden hätte. Sie hätten weiter die gleichen Klassen und Lehrer. Für die Kollegen hätte es seitdem gemeinsame Lehrerkonferenzen gegeben und auch nur noch eine Schulkonferenz. Die Elternpflegschaften seien standortbezogen genauso erhalten geblieben wie die Trägervereine für die Offene Ganztagsgrundschule und die Betreuung von acht bis eins und ebenfalls die Fördervereine. Das könne man machen, wie man will. So viel habe sich in Lüdenscheid also gar nicht verändert, am meisten sicher noch für die Schulleitung. „Ich bin an beiden Schulstandorten“, erklärte er.

Ein Problem kristallisierte sich für Kierspe dann doch noch heraus und das könnte die Namensgebung sein. Aber da gab es von den zwei Schulleitungen die klare Aussage, dass Namensbestandteile von beiden im neuen Namen Einzug finden müssten, beispielsweise „Pestalozzi- und Schanhollenschule Kierspe“. Denn die Pestalozzischule ist eine historische Bezeichnung und auch hinter den Schanhollen, quasi den Kiersper Heinzelmännchen, verbirgt sich eine Geschichte, die an der Grundschule sogar zum Schulprogramm gemacht wurde. Die Erhaltung beider Namen ist daher Wille der Schulleitungen, wie der ebenfalls anwesende kommissarische Leiter der Pestalozzischule, Reinhard Mayr, erklärte, sowie genauso der Eltern. Dadurch scheint die Kuh hier vom Eis zu sein. Jetzt muss nur ein guter Name gefunden werden, der auch sprechbar ist und sich in den Köpfen der Menschen einprägen können sollte. ▪ Rolf Haase

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