Sommerputz im Kiersper Hallenbad

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Geselle Stefan Borlinghaus wirkt mit Schrubber und Eimer fast verloren in dem vier Meter tiefen Becken. Angestellte und Handwerker sind zurzeit fleißig, um das Hallenbad für die Eröffnung am 4. September auf Vordermann zu bringen..

KIERSPE - Gähnende Leere im Kiersper Hallenbad. Keine lachenden Kinder, keine fliegenden Bälle, kein spritzendes Wasser. Nein. Gar kein Wasser. Die Becken sind leer und trocken, stattdessen bestimmen Maurerkellen, Gerüste und Schläuche das Bild. Jedes Jahr in den Sommerferien steht die Grundreinigung auf dem Plan.

Von Laila Weiland

Seit Sonntagnachmittag sind die drei Becken trocken gelegt, seit Montag die Fliesenleger am Werk. „Durch kleine Löcher kann Wasser hinter die Fliesen laufen, sodass sie im schlimmsten Fall locker werden und abfallen“, erklärt Betriebsleiter Matthias Pazmann. „Passiert das während des normalen Betriebs, müssten wir das Becken zwei bis drei Wochen schließen.“ Damit das nicht vorkommt, werden die Fliesen ausgetauscht und neu verfugt. Auch die Fugen des kompletten Nichtschwimmerbereiches werden in diesem Jahr erneuert. „Wenn es nach mir ginge, würden wir das jedes Jahr machen, weil sonst die Gefahr, barfuß an den Fliesenkanten hängen zu bleiben, recht hoch ist“, sagt Pazmann. Erledigen lässt sich diese Arbeit aber nur, wenn die bisherige Fugenmasse zu einem Teil ausgeschwemmt wurde.

Dort, wo sich sonst mutige Springer vom Drei-Meter-Turm stürzen, stehen nun zwei Gerüste im Becken. Mit deren Hilfe werden die Dachbinder von einem Ingenieurbüro geprüft und ihre Sicherheit bestätigt – eine Kontrolle, die immer wieder stattfinden muss.

Während Handwerker die Fugen verputzen und Silikondichtungen erneuern, ist das siebenköpfige Schwimmhallenteam mit Reinemachen beschäftigt: Duschen, Umkleiden, Lüftungsschächte und alle 220 Spinde müssen gesäubert und desinfiziert werden. Aus Schutz vor Keimen werden sämtlich Bänke frisch lackiert und alle Stühle einzeln abgewaschen. „Wir arbeiten uns von innen nach außen vor“, erläutert Pazmann und fügt mit einem Grinsen hinzu: „Das Beste kommt dann zum Schluss: Die Glasscheiben im Eingangsbereich putzen und den ganzen Edelstahl polieren.“

Dass in seinem Beruf auch chemisches Grundwissen hilfreich ist, demonstriert der Betriebsleiter am Rand des Plantschbeckens. Dort hat sich im Laufe des Jahres in einer Rinne eine braune Schicht abgelagert – Hautfette, wie er sagt. „Daran kann man nun stundenlang mit Pril und Scheuermilch herumschrubben, oder einfach den richtige Reiniger verwenden“, meint er, greift zu einer Flasche mit rosa Inhalt, gießt sie in die Rinne und der braune Schmutz verschwindet wie von selbst. „Es gibt für jede Verschmutzung den passenden Reiniger. Zum Beispiel säurehaltige für Fett und alkalische gegen Kalk“, schließt er ab.

Wenn alle Arbeiten erledigt sind, können die Becken neu befüllt werden. Das dauert etwa eine Woche – allein das große Becken fasst 600 000 Liter. Was viele nicht wissen: Das Wasser, welches aus den Talsperren kommt, ist zwar perfektes Trinkwasser, zum Baden ist es jedoch nicht ideal. „Der PH-Wert liegt bei acht, das ist für die Haut nicht gesund“, so Pazmann. Mit Hilfe von Schwefelsäure wird der PH-Wert auf einen Wert zwischen 6,8 und 7,2 abgesenkt. Die Säure ist nach einem Filterdurchlauf wieder aus dem Wasser verschwunden.

Dann kann Chlor hinzugegeben werden und die Wassertemperatur auf angenehme 28 Grad erhöht werden – so steht dem Badespaß nach der Eröffnung am 4. September nichts mehr im Wege.

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