Musikschule: „Unterricht ist so nicht möglich“

Der ehemalige Musikschulleiter Eckhard Grote bemängelt den Umgang mit dem Inventar der Kiersper Einrichtung.

KIERSPE ▪ Wer die Reste der Kiersper Musikschule sehen möchte, der muss tief hinab. Ganz unten im Keller der Gesamtschule stapelen sich Noten, Fachliteratur, Akkordeons, Keyboards, Gitarren und Lexika bunt durcheinandergewürfelt auf zwei Tischen.

Eigentlich sollte das Büro der Musikschule bereits in den Herbstferien des vergangenen Jahres aus dem zweiten Stock der Gesamtschule in einen freien Klassenraum der benachbarten Schanhollenschule umziehen, um Platz für weitere Unterrichtsräume zu machen. Die drei Klaviere der Musikschule wurden dann schließlich in den Osterferien in die Grundschule transportiert – aber das war es dann auch. „Dort gibt es keinen Schreibtisch, kein Telefon, kein Faxgerät und auch keinen Computer, mit dem man Emails beantworten könnte. Außerdem müssten die Musikschüler auf den kleinen Stühlen der Grundschüler Platz nehmen. Unterricht ist so nicht möglich“, erklärt Eckhard Grote, der bis zu seiner Pensionierung die Kiersper Musikschule leitete und nun immer noch für Klavier- und Keyboardunterricht zur Verfügung steht. Allerdings geht er dazu nicht in die Schanhollenschule. Seine verbliebenen zehn Schüler unterrichtet der 68-Jährige in den Musikräumen der Gesamtschule. „Natürlich ist das erst nach Schulschluss, also so ab 16 Uhr, möglich. Und der Keyboard-Unterricht muss am Klavier stattfinden, weil die Geräte mit dem ganzen anderen ,Kram’ im Keller liegen, genau wie der CD-Player, den wir gerne genutzt haben, um den Schülern musikalische Werke näher zu bringen“, so Grote, der weiter ausführt, dass er vor rund drei Monaten die Stadtverwaltung auf die wenig zufriedenstellende Situation hingewiesen habe. „Reagiert hat dort aber bis heute niemand“, so der 68-Jährige.

Gemeldet hat sich aber die Leitung der Gesamtschule. Grote: „Die Lehrer möchten gerne die beiden Kellerrräume nutzen, die wir derzeit noch belegen. Dort sollen nach dem Wunsch der Verwaltung Besprechungsräume eingerichtet werden. Doch vorher müsste eben das Musikschulinventar in den Raum der Schanhollenschule gebracht werden. Und natürlich müsste das Klassenzimmer auch so hergerichtet werden, dass es als Unterrichtsraum genutzt werden kann.“

Doch Grote ärgert sich nicht nur über den unschönen Umgang mit dem Inventar, sondern generell über die Haltung der Stadt zur Musikschule. Gerade einmal 25 Musikschüler gebe es noch, von 300, die zu Spitzenzeiten die Einrichtung genutzt hätten. „Faktisch gibt es uns nicht mehr. Doch mit dem Angebot der ehemaligen Lehrer und dem der Honorarkräfte kann die Stadt sagen, dass immer noch ein Unterricht stattfinde“, so Grote, dem die Verbitterung anzuhören ist und der einen generellen Niedergang des kulturellen Lebens in der Volmestadt beklagt: „Nicht nur die Musikschule hat man kaputtgehen lassen, mit der Stadtbibliothek wird es genauso sein, wenn in wenigen Jahren die hauptamtlichen Mitarbeiter ausscheiden. Aber es lässt sich nicht alles mit ehrenamtlich Tätigen erledigen.“ ▪ Johannes Becker

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