Unterbrechung bei 104.000 Euro

Versteigerung des maroden Ein-Euro-Hotels: Bieter strapaziert Nerven

Das Hotel zur Leye in Rönsahl weckte das Interesse zahlreicher Bieter. Zwei von ihnen sind sogar bereit, mehr als 100 000 Euro zu zahlen. Die Summe könnte kommende Woche sogar noch steigen.
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Das Hotel zur Leye in Rönsahl weckte das Interesse zahlreicher Bieter. Zwei von ihnen sind sogar bereit, mehr als 100 000 Euro zu zahlen. Die Summe könnte kommende Woche sogar noch steigen.

So viel Interesse hat das Rönsahler Hotel zur Leye bei Ortsfremden schon lange nicht mehr hervorgerufen. Doch kamen die Reisenden früher ins Hotel, um an der Rönsahler Hauptstraße zu übernachten, kamen die Interessenten am Donnerstag, um das Hotel zu ersteigern. Sie kamen auch nicht in den maroden Bau im Grenzdorf, sondern in den größten Sitzungssaal des Meinerzhagener Amtsgerichts.

Kierspe - Rechtspfleger Andreas Reinighaus, der das Verfahren leitete, hatte gut daran getan, diesen Saal auszusuchen, denn mehr als 20 Menschen waren gekommen, um dabei zu sein, wenn das alte Gebäude unter den Hammer kommt. Zumindest die, die als Zuschauer kamen, wurden allerdings enttäuscht. Denn gestern kam es zu keinem Höchstgebot. Letztlich entschied sich Reininghaus nach einer Ankündigung im laufenden Bieterverfahren, die Versteigerung nach rund 75 Minuten zu unterbrechen. Die Fortsetzung soll in der kommenden Woche stattfinden. Damit hatten wohl auch Stadtplaner Rainer Schürmann und Bürgermeister Olaf Stelse nicht gerechnet, die für die Stadt Kierspe auch ein Gebot abgaben.

Marodes Gebäude

Die Stadt beziehungsweise das Land sind vor Jahren in den Besitz des Gebäudes gekommen, weil es keinen Erben mehr gab, der sich mit dem immer mehr verfallenden Gebäude belasten wollte. Die Stadt hätte sich daher gerne mit den Schuldnern geeinigt, um in den Besitz des Gebäudes zu kommen. Denn dieses stellt mittlerweile eine Gefahr für vorbeigehende und -fahrende Menschen dar. Immer wieder waren in der Vergangenheit Teile des Gesimses abgebrochen und auf das Hochbord neben der Bundesstraße gestürzt. Das machte wiederholte Sicherungsmaßnahmen notwendig.

Letztlich verhinderte aber einer der zahlreichen Gläubiger die schuldenfreie Nutzung durch die Stadtverwaltung. „Wir haben allen ein Angebot gemacht. Selbst wenn jetzt mehr als 100 000 Euro bei der Ersteigerung erzielt werden, gehen alle leer aus, da der größte Gläubiger das Geld bekommt“, sagte Stelse nach dem Termin im Amtsgericht.

Hohe Schulden

Eine hohe sechsstellige Summe finde sich im Grundbuch als Schulden und erschwere so die Verwertung des Hauses. Durch die Zwangsversteigerung, die ebenfalls nur auf Betreiben der Stadt Kierspe zustande kam, sollten nun Fakten geschaffen werden. Denn durch die Versteigerung ist das Gebäude von allen Grundschulden befreit.

Los ging es dann im Sitzungssaal mit dem ersten Gebot in Höhe von 3500 Euro. Denn auch wenn das Gebäude einen gutachterlichen fiktiven Wert von 1 Euro hatte, sollten zumindest die Verfahrenskosten von 3183 Euro „eingespielt“ werden.

Hartnäckige Bieter

Eine kleine Gemeinschaft mit Bietern aus Kierspe, Köln, Bergneustadt, Dortmund, Lohmar, Bergisch-Gladbach, Wuppertal, Lüdenscheid und Düsseldorf gab Gebote ab. Langsam aber stetig kletterten die Summen nach oben. Wobei es anfangs noch länger dauerte, da sich jeder Bieter nach seinem ersten Gebot registrieren lassen musste.

Das letzte Mal geschah dieses bei 50 000 Euro. Danach waren nur noch Bieter beteiligt, die bereits geboten hatten.

Anfangs hatte der Rechtspfleger noch scherzhaft gesagt: „Fangen sie doch gleich bei 100 000 Euro an, dann leert sich der Saal schon mal.“ Der erste Bieter verließ des Saal dann auch tatsächlich bei 87100 Euro. Doch die anderen blieben – teilweise aus Interesse am Geschehen, andere aber auch, weil sie weiterhin hofften, das Gebäude ersteigern zu können. Die 100 000-Euro-Grenze wurde dann nach deutlich mehr als einer Stunde erreicht. Da waren nur noch zwei Bieter beteiligt. Und einer der beiden strapazierte die Nerven der Menschen im Saal, überbot er doch jede zuvor genannte Summe immer nur um einen Euro.

Immer nur 1 Euro mehr

Nur einmal wich er davon ab. Durch einen Zahlendreher gab es einen Sprung von 68 900 Euro auf 86 901 Euro. Dieser „Ein-Euro-mehr-Bieter“ handelte im Namen einer Firma aus Düsseldorf, hinter der sich nach einer ersten Internetrecherche wohl ein ambulanter Pflegedienst verbirgt.

Neue Bieter möglich

Reininghaus hatte nach einer Stunde – „das ist ein neuer Rekord für mich“ – angekündigt, die Versteigerung zu verschieben, sollte nach einer Bieterzeit von 75 Minuten kein abschließendes Ergebnis erzielt werden. So kam es dann auch. Bei der Unterbrechung war zuletzt die Summe von 104 000 Euro genannt worden.

Fortsetzung

Die Versteigerung des Hotels zur Leye in Rönsahl wird am Donnerstag, 2. September, ab 10.30 Uhr im Amtsgericht Meinerzhagen fortgesetzt. Theoretisch könnten dann neue Bieter einsteigen. Allerdings mindestens mit 104 001 Euro. Erscheinen in der kommenden Woche keine Bieter, die ein höheres Angebot machen, dann erhält der, der bislang das höchste Gebot abgegeben hat, den Zuschlag.

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