Prima Klima – Unsere Klasse wird ein Team

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Die Zahl der Stühle nimmt von Runde zu Runde ab, die der Schüler bleibt aber gleich. Nur gemeinsam schaffen sie es, auf der immer kleiner werdenden Fläche einen Platz zu finden.

Kierspe - Not kennt kein Gebot. Das haben die Schüler der Klasse 6.2 schnell erkannt – und den eisernen Grundsatz, als Junge kein Mädchen und als Mädchen keinen Jungen anzufassen, über Bord geworfen. Sonst hätte das Spiel auch nicht funktioniert. Für die Betreuer ein schneller Lernerfolg beim Seminar „Prima Klima – Unsere Klasse wird ein Team“.

Es ist schon eine zwei Jahrzehnte alte Tradition, dass Gesamtschüler im sechsten Jahrgang das Seminar „Unsere Klasse wird ein Team“ besuchen. Erdacht hat sich das eineinhalbtägige Seminar Andrea Henze, die im Kreisjugendamt arbeitet. „Dabei ist uns die Stärkung der Klassengemeinschaft und die Förderung sozialer Kompetenzen ein Anliegen“, erklärt Henze.

Klassenlehrerin Astrid Hettesheimer ergänzt: „Ein gutes Klima ist Voraussetzung für das schulische Lernen im traditionellen Sinn und die Basis für die Entwicklung alternativer Konfliktreglungsformen.“ Schulsozialarbeiter Michael Brück, der gemeinsam mit seiner Kollegin Frederike Meyer die Klassenlehrer Astrid Hettesheimer und Jan Przbyla unterstützt, erklärt: „Die Schüler sollen lernen, sich aufeinander einzulassen. Aber das Seminar dient auch der Mobbingprävention. Denn der beste Schutz gegen Mobbing ist eine gute Klassen- und Schulgemeinschaft“. Brück ist schon seit 19 Jahren dabei. Hat die Anfänge in der Jugendbildungsstätte des Kreises in Lüdenscheid erlebt, ist in den Jahren, in denen die Bildungsstätte nicht mehr zur Verfügung stand, mit den Teilnehmern nach Klaswipper gewandert und fährt auch jetzt wieder mit in die Jugendbildungsstätte an der Sedanstraße in der Bergstadt.

Für ihn sind diese Seminare ein wichtiger Baustein im Schulleben der Gesamtschüler. Und er ist froh, dass sich dieses Angebot in eine ganze Reihe von Seminaren und Schulungen einreiht, an der Kiersper Schüler teilnehmen können.

Los geht es bereits in der Grundschule mit dem eineinhalbtägigen Seminar „Mit Kindern fängt der Frieden an“. Im fünften Schuljahr geht es an der Gesamtschule weiter mit der eintägigen Veranstaltung „Gemeinsam sind wir stark“. Dann im sechsten Jahrgang die genannte Teambildung. Zusätzlich gibt es dann noch weitere Schulungen gegen Cybermobbing, für Suchtprävention oder im Bereich der „Emanzipatorischen Jugendarbeit“. „Zusätzlich gibt es seit einiger Zeit an der Gesamtschule auch das Unterrichtsfach ,Demokratie lernen’, in dem wir auch situationsbedingt tätig werden“, so Hettesheimer.

Henze macht aber auch klar, dass die Teambildung dazu beitragen soll, dass solche Situationen erst gar nicht mehr entstehen. Ihre Ausführungen verbindet sie mit einem großen Lob an die Gesamtschule: „Viele Schulen kommen erst, wenn es einen entsprechenden Vorfall gab. Die Gesamtschule kommt seit 19 Jahren mit jeder sechsten Klasse. Das ist für uns immer ein großer logistischer Aufwand, denn dort gibt es in dem Jahrgang immer sechs Klassen, in diesem Jahr sogar sieben.“

Eineinhalb Tage verbringen die Schüler der Klasse 6.2 gemeinsam mit ihren Klassenlehrern und Schulsozialarbeitern einen Tag in der Jugendbildungsstätte, um ein Team zu werden.


Natürlich verursacht das Seminar auch Kosten, wobei diese sich für die Eltern der Schüler in Grenzen halten, müssen sie doch lediglich 15 Euro für das Seminar, die Übernachtung und die Verpflegung zahlen. Den Rest trägt der Kreis – und damit über die Kreisumlage die Stadt Kierspe zum großen Teil.

Und die Schüler? Die sind ganz angetan von dem etwas anderen Unterricht. Als die Meinerzhagener Zeitung zu Besuch ist, wird gerade die „umgekehrte Reise nach Jerusalem“ gespielt.

Auch dabei wird nach jeder Runde ein Stuhl weggenommen, doch gemeinsam versuchen alle auf den verbleibenden Sitzgelegenheiten Platz zu finden. Das geht nur mit gegenseitiger Hilfe und viel Nähe. Ein Jahr zuvor wäre es für die Schüler noch undenkbar gewesen, einen Mitschüler oder eine Mitschülerin des anderen Geschlechts anzufassen.

Auch jetzt sind die Schüler davon nicht begeistert, tun es aber, um weiter im Spiel zu bleiben. „Man muss ja nicht gleich heiraten, nur weil man sich mal berührt“, sagt dann auch einer der Schüler bei der anschließenden Aussprache. Und ein anderer bringt es auf den Punkt: „Die Großen müssen die Kleinen stützen, da ist es egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.“

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