Große Vielfalt im Naturschutzgebiet Kierspetal 

+
Derzeit ist der Kierspebach kaum wahrzunehmen. Doch das Gewässer ist Namensgeberin des Naturschutzgebiets, bietet Lebensraum und war die Hoffnung derer, die in dem Tal des Baches eine Talsperre bauen wollten.

Kierspe - Nicht der Mensch entscheidet, sondern Vögel und der Wind „entscheiden“, was im Naturschutzgebiet Kierspetal wächst. Der Mensch entscheidet aber, was dort nicht mehr wächst – und das sind auf jeden Fall die Fichten. Denn diese wurden bereits vor Jahren komplett abgeholzt, ihre Spuren sind aber noch zu sehen

Hermann Reyher kann sich noch gut an den Unmut einiger Kiersper erinnern, als die Fichten abgeholzt wurden. Nicht das Entfernen der Nadelbäume war für Anwohner und Spaziergänger das Problem, sondern das Auftürmen der Äste, die nicht wirtschaftlich zu verwenden waren, zu einem großen Totholzstapel. „Das erschien vielen zu wild und ungeordnet“, erinnert sich Reyher, der das Gebiet als Landschaftswächter des Märkischen Kreises gut kennt. 

Die Zeiten sind längst vorbei, denn im Laufe der Jahre ist der Haufen, der zur Heimat vieler Tier- und Insektenarten – Igel, Marder, Salamander, Zaunkönige und viele weitere – wurde, deutlich kleiner geworden. Außerdem ist er von einem dichten Wald – vor allem stehen an dieser Stelle Erlen – umgeben. 

Bereits 1987 hatte der Kreistag beschlossen das 22,83 Hektar große Gelände, das direkt hinter Haus Rhade beginnt, unter Naturschutz zu stellen. Das Inkrafttreten erfolgte aber erst 2003. Ursprünglich sollten weite Teile des heutigen Naturschutzgebietes, das zwischen Haus Rhade und Romberg liegt und einige Seitentäler einschließt, Teil der Wasserfläche einer Talsperre werden. Zwischen 1910 und 1942 wurde die Kierspetalsperre geplant. Doch aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der fortschreitenden Elektrifizierung des Volmetals wurden die Planungen dann verworfen. 

Bei der Planung des Gebietes hat der Kreis etliche Wegeflächen, die Pferdeweiden von Haus Rhade und den Fischereibetrieb in Halzenbach aus dem NSG ausgenommen, um die Eigentümer nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen. Heute gehören 7,5 Hektar des Geländes dem Förderverein „Naturschutz im Märkichen Kreis“. Die gesamten Wiesenflächen in dem Gebiet werden durch Landwirte im sogenannten Vertragsnaturschutz bewirtschaftet. Diese Bewirtschaftung erfolgt extensiv, was zur Folge hat, dass die Wiesen beispielsweise erst ab Juni gemäht werden, um Bodenbrüter nicht zu gefährden. Um die Einbußen der Landwirte auszugleichen, gibt es Fördermittel von der EU, dem Land und dem Kreis. 

Eine Nutzung erfolgt auch noch durch die Jagdausübungsberechtigten – allerdings unter strengen Auflagen. Die Jäger dürfen zwar das Gebiet – im Gegensatz zu anderen Besuchern – auch jenseits der Wege betreten und auch bauliche Anlagen erhalten, pflegen und ersetzen. Sie dürfen aber keine geschlossenen Kanzeln bauen oder das Wild anfüttern. So findet sich mitten im Erlenwald, der sich ausschließlich selbst gesät hat, beziehungsweise dessen Samen durch Vogelkot ins Gelände kam, ein offener Jagdstand und, einige hundert Meter von diesem entfernt, auch ein Holzsteg der über die Volme führt. Letzterer ist aber so versteckt, dass selbst Reyher Mühe hat, ihn zu finden. 

Um das Gebiet zu dem zu machen, was es jetzt ist, wurden gleich zu Anfang die Fichten gefällt. Vor allem, damit der Kierspebach wieder Licht bekommt. Gelohnt hat sich der Eingriff auf jeden Fall. „Jetzt bekommt der Bach so viel Licht und Wärme, dass sich eine größere Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten entwickelt hat“, erzählt Reyher, der als Beispiele Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven, aber auch Wasseramsel und Eisvogel nennt. Auf den Waldflächen wachsen heute, neben der schon genannten Erle, vor allem Ahorn, Birken, Eschen, Weiden oder auch Holunder. 

Im Naturstaudenbereich sind wilde Himbeeren und Brombeeren, Brennnessel, Farne, Mädesüß oder auch Springkraut zu finden. Der Landschaftswächter weist darauf hin, dass in dem Naturschutzgebiet keine rein forstwirtschaftliche Nutzung erfolgt und Aufforstungen verboten sind – auch die Bodenschutzkalkung hat zu unterbleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare