Kirchwald wird als Deponie missbraucht

+
Peter Schulte, Waldbeauftragter der Kirchengemeinde, Förster Uwe Treff, Baukirchmeister Rüdiger Rossbach und Klaus Müller von der Stadtverwaltung (von links) schauen sich den Kirchwald am Büscherberg an.

Kierspe - "Warum bis zum Bauhof fahren, wenn der Wald doch so nah’ liegt?" Diese Frage scheint mancher Anwohner des Kirchwaldes am Büscherberg bereits eindeutig beantwortet zu haben. Davon zeugen ungeheure Mengen an Gartenabfällen, Grünschnitt, ausrangierten Topfblumen, Bodenaushub, Bauschutt und alten Dachpfannen in dem Wald. Jetzt reicht es der Kirchengemeinde als Eigentümerin.

Von Johannes Becker

Dass sich an den Waldrändern die eine oder andere Anhängerfüllung mit Gartenabfällen oder Grünschnitt findet, daran hat sich Förster Uwe Treff in seinen vielen Dienstjahren gewöhnen müssen. Doch die Mengen, die im Kirchwald am Büscherberg liegen, überraschen auch ihn. Gleich am Eingang in den Wald an der Friedrich-Ebert-Straße liegt eine erste große Ansammlung von Grünschnitt. Das dort verrottende Holz hatte Unbekannte vor einiger Zeit sogar dazu animiert, es zu entzünden, was zu erheblichem Schaden an den Bäumen im Umfeld und einem Feuerwehreinsatz führte.

Auf der Rückseite der Grundstücke der Häuser an der Linckestraße finden sich ebenfalls viele Gartenabfälle, aber auch Bauschutt und Erdaushub, meist unmittelbar hinter den Zäunen, mit denen die Grundstücke zum Wald abgegrenzt sind. „Die haben ihre Törchen doch nicht, um in den Wald zu gehen, sondern um möglichst einfach ihren Gartenabfall loszuwerden“, mutmaßt Rüdiger Rossbach, der bei einer Ortsbesichtigung die Kirchengemeinde als Baukirchmeister vertritt.

Rund acht Hektar ist das Waldstück groß, doch man muss nicht weit gehen, um auf Zeugen des merkwürdigen Treibens zu treffen. An einer Stelle, sogar tief im Wald gelegen, haben Freunde des Gartenbaus gar eine regelrechte Deponie angelegt. Mehr als einen Meter hoch, drei Meter breit und annähernd 20 Meter lang türmen sich dort Grünschnitt und Gartenabfälle. An anderer Stelle wurden auch zerbrochene Dachpfannen und Kunststoffabfälle achtlos in den Wald geworfen.

„Der Wald ist Privateigentum und jede Ablagerung verboten“, macht Förster Treff die rechtliche Situation klar. Unklar ist ihm aber, ob diese Mengen, die dort abgelagert wurden, noch als Ordnungswidrigkeit betrachtet werden können. Treff: „Eine Ordnungswidrigkeit kann ein Bußgeld bis zu 25 000 Euro zur Folge haben. Wird der Täter gefasst und die Tat aufgrund der Menge der Ablagerungen als Straftat eingestuft, hat das einen Prozess zur Folge.“ Treff weist aber auch auf die Folgen für die Natur hin, denn durch den Stickstoff- und Sameneintrag würde sich der Wald stark verändern.

Klaus Müller, bei der Stadtverwaltung zuständig für den Bereich Abfallentsorgung erwähnt, dass es sich auf jeden Fall um einen Verstoß gegen die Abfallordnung der Stadt handelt: „Solche Abfälle müssen entweder im eigenen Garten oder über die Grünschnittabfuhr entsorgt werden. Außerdem besteht von April bis November die Möglichkeit, Grünschnitt am Bauhof abzugeben – immer freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr.“

Rüdiger Rossbach und Peter Schulte, Waldbeauftragter der Kirchengemeinde, möchte die Anwohner für das Thema sensibilisieren. Dazu sollen entsprechende Hinweisschilder am Waldrand aufgestellt werden. „Sollte das nichts nützen, werden wir aber auch Anzeigen schreiben. Das können natürlich auch alle anderen Menschen tun, die etwas beobachten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare