Griechische Schüler zu Gast in Kierspe

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Vier griechische Schüler waren mit zwei Lehrerinnen zum Gegenbesuch in Kierspe. Der neue Austausch soll im kommenden Jahr fortgeführt werden.

Kierspe - Es ist schon erstaunlich, dass es auch nach Jahrzehnten des praktizierten Schüleraustausches noch Premieren gibt. Für die Gesamtschule gab es in dieser Woche eine – noch dazu mit einem europäischen Land. Griechische Schüler waren auf Gegenbesuch in der Volmestadt und begründeten damit einen Austausch, der nun jährlich stattfinden soll.

Gut, dass es keine offizielle Rangliste der Länder gibt, in denen die Deutschen in der NS-Zeit besonderes viele und grausame Verbrechen begangen haben. Gäbe es sie, Griechenland stände wohl weit vorne. Umso mehr verwundert GSK-Schulleiter Johannes Heintges die Gastfreundschaft der Griechen gegenüber den Deutschen – es wundert oder besser verärgert ihn aber auch, dass es gerade vor diesem geschichtlichen Hintergrund keine staatliche Unterstützung für einen Schüleraustausch mit diesem Staat gibt: „Bei Fahrten in viele andere Länder gibt es ein Jugendwerk, dass unterstützend tätig wird.“

In der fehlenden Unterstützung ist auch der Grund zu suchen, dass nur vier deutsche Schüler im Frühjahr nach Griechenland reisen konnten. Denn aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse war es nur sehr wenigen Schülern der „Partnerschule“ möglich, Kinder aus Deutschland aufzunehmen und vor allem konnten es sich nur wenige Familien leisten, ihr Kind nun nach Deutschland reisen zu lassen. Begonnen hat die Geschichte des Austausches bereits vor zwei Jahren. Damals hatte Johannes Heintges zu einer befreundeten Schulleiterin in Athen Kontakt aufgenommen und die gegenseitigen Besuche vereinbart – und das, obwohl es keinen Griechischunterricht an der Kiersper Schule gibt. „Das hat sich aber nicht als Nachteil erwiesen. Die Schüler sind automatisch ins Englische ausgewichen. Das hat den Schülern in dieser Sprache einen regelrechten Schub gegeben“, freut sich Sarah Dahl, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Teresa Costa den Austausch vorbereitete und nun auch die griechischen Gäste in Kierspe betreute.

Die beiden Pädagoginnen hatten auch die AG geleitet, in der die deutschen Schüler einmal wöchentlich auf ihren Besuch in Südeuropa vorbereitet wurden. Insgesamt acht Tage hatten die Kiersper in Athen zur Verfügung, um die Schule, die Kultur und den Alltag kennenzulernen. „Das Interesse der Griechen an uns war mindestens so groß, wie unser Interesse an ihnen“, erinnert sich Dahl. Vor allem das angespannte Verhältnis der beiden Staaten auf politischer Ebene gab dem Besuch eine Dimension, die es so bei einem Austausch mit einer französischen Schule sicher nicht gibt. „Wir waren von der Gastfreundschaft überwältigt. Wir haben nur Positives erlebt, aber auch sehr ernste Diskussionen“, so Costa.

Lob und Dank gab es gestern auch von Olympia Mastropa und Nora Pournara, die als Lehrerinnen die vier griechischen Schüler des neunten Jahrgangs ins Sauerland begleiteten. Bereits im Vorfeld des Besuchs in Athen hatten die deutschen und griechischen Schüler Kontakt untereinander über ein Chatprogramm und Skype. Nach dem Besuch im Frühjahr war es dann für die Gastgeber so, als würden sie alte Freunde begrüßen.

Der Schulbesuch stand bei dem Aufenthalt in Kierspe nicht im Vordergrund. Es gab zwar auch Besuche an der Gesamtschule und die Teilnahme am Unterricht, doch grundsätzlich ging es den Gastgebern darum, den Besuchern die deutsche Kultur und die deutsche Geschichte näherzubringen. Natürlich wurde dabei die gemeinsame – in vielen Bereichen belastete – Geschichte nicht ausgespart. Fahrten ins Haus der Geschichte nach Bonn und in die Domstadt Köln rundeten das Programm ab – und ermöglichten eine andere Form des Lernens.

Einig waren sich Griechen und Deutsche darin, dass der Austausch fortgesetzt werden soll. Und die Planungen dazu stehen bereits. Im April des kommenden Jahres sind es gleich 13 Schüler der Kiersper Schule, die zur neuen Partnerschule nach Athen fahren. Im Herbst soll dann eine „Delegation“ mit ebenso vielen Schülern nach Kierspe kommen – vielleicht gelingt dieses dann sogar in der Vorweihnachtszeit.

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