Ausstellung

Warum Greta Thunberg nach Kierspe kommt...

Kierspe - Was haben Greta Thunberg und Ranga Yogeshwar gemeinsam? Von beiden ist bekannt, dass sie vor dem Klimawandel warnen. Aber nicht nur das.

Greta Thunberg ist überall – auch im Atelier von Sophia Beste. Die Kiersper Künstlerin arbeitet derzeit an einem Porträt der schwedischen Klimaaktivistin. Ein paar Meter weiter liegt ein Porträt von Ranga Yogeshwar. Die beiden werden wohl Teil der Ausstellung „Abbild oder Selfie?“, die im Mai gezeigt wird.

„Gemalt habe ich eigentlich schon immer“, lautet ein Mantra der Maler. Und auch Sophia Beste sagt genau das, wenn man sie fragt, wann sie angefangen habe zu malen. Doch wie bei so vielen standen auch bei ihr erst einmal andere Ziele im Vordergrund, die Malerei musste warten. In Grimma (Sachsen) geboren, absolvierte sie nach der Schulzeit eine Einzelhandelsausbildung und arbeitete später rund 25 Jahre bei einem Lüdenscheider Industrieunternehmen. Erst die Geburt ihrer beiden Kinder sorgte dafür, dass sie sich aufgrund der geänderten Zeiteinteilung wieder auf die Malerei besann. 

Grundlagen in Darmstadt

Doch einfach nur so zum Pinsel zu greifen, war Beste, die vor rund acht Jahren mit ihrem Mann nach Kierspe zog und heute in Vornholt wohnt, zu wenig. Ein Fernstudium an der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) vermittelte ihr die Grundlagen. War es anfangs noch die Landschaftsmalerei, so wechselte die Kiersperin schnell zur Porträtmalerei. 

„Das ist die Königsklasse. Denn jedes Porträt soll lebensecht sein und den Menschen so widerspiegeln, wie er ist“, sagt sie. Der eigene Ehrgeiz habe dann das Übrige dazu getan, dass sie sich in diesem Bereich der Malerei festgebissen hat. 

Porträts als große Leidenschaft

Anfangs waren es vor allem die eigenen Kinder, die immer und immer wieder in Acryl, Öl und Trockenpinseltechnik festgehalten wurden. Doch nach und nach kamen auch immer mehr Anfragen von Menschen, die sich gerne im Porträt abbilden lassen wollten. 

Heute sind es vor allem Auftragsarbeiten, mit denen sich die Künstlerin beschäftigt. Aber wer sind die Menschen, die ihr Antlitz in Öl bannen lassen? Längst vorbei scheinen die Zeiten, als sich Adlige, Gutsbesitzer oder auch Unternehmer auf Leinwand präsentierten. 

„Meistens wird solch ein Porträt verschenkt“, sagt Beste. Doch wenn ein Porträt als Geschenk dienen soll, ist das auch immer mit einem festen Termin verbunden. Nicht immer einfach für einen Künstler. Schaffenskrisen dürfen da nicht allzu lange andauern. 

Beste: „Termintreue ist für mich sehr wichtig, aber das führt dann auch schon mal zu Stress. Es gibt Tage, da läuft alles wie von alleine, es gibt aber auch Zeiten, da geht gar nichts. Da muss ich dann eine Arbeit auch mehrmals beginnen. Das sind immer schlimme Zeiten für mich.“ Dann ist es schon ganz gut, dass die Auftraggeber der Kiersperin nicht Modell sitzen müssen. Sie bevorzugt ein oder mehrere Fotos des Porträtierten – oder auch der Porträtierten. 

„Ich kann mehrere Personen im Bild zusammenfügen – oder auch jemanden weglassen. Das ist der große Vorteil der Malerei im Vergleich zur Fotografie“, erzählt die Künstlerin, der aber auch die Arbeiten, auf denen mehrere Menschen abgebildet sind, am meisten Kopfschmerzen bereiten: „Da habe ich immer ein bisschen Angst, dass beispielsweise drei Abgebildete gelingen und der vierte nicht mehr.“ 

Kunden aus ganz Deutschland

Doch bis jetzt sei es immer noch gut gegangen. Der Vorteil dieser Arbeitsweise ist auch, dass Beste nicht auf Kunden aus der Umgebung beschränkt ist. Natürlich kommen die meisten immer noch aus den Städten und Gemeinden entlang der Volme und aus Lüdenscheid. „Aber mittlerweile habe ich auch schon für Kunden aus ganz Deutschland gearbeitet“, berichtet Beste. So sei erst vor einiger Zeit eine Arbeit nach Bayern gegangen. 

Damit es auf solche Entfernungen und ohne persönliches Kennenlernen noch gelingt, ein Bild zu malen, ist ein intensiver Austausch unerlässlich – am liebsten im Gespräch, aber gerne auch per Mail Derzeit arbeitet die Kiersperin an der Illustration eines neuen Kinderbuchs des Halveraner Autors Achim Möbus. Es ist bereits das zweite Mal, dass sie mit ihm zusammenarbeitet. Ein weiteres Kinderbuch ist auf Grundlage dieser Arbeitsteilung mit dem Kiersper Arne Machel entstanden. 

Neue Idee: Malpartys

Ihr Wissen gibt die Künstlerin aber auch weiter. Beim Begriff Malschule tut sie sich aber schwer. Derzeit sind es zwei Erwachsene und drei Kinder, die sie unterrichtet. „Alle Schüler kamen bislang aufgrund einer persönlichen Empfehlung zu mir.“ Derzeit versucht sich Sophia Beste mit einer ganz neuen Idee – sie veranstaltet Malpartys. 

Bei Firmenfeiern, auf Geburtstagen oder zur Beschäftigung von Kindern auf Feiern, bei denen das übrige Programm eher auf Erwachsene abgestimmt ist. Damit den Nachwuchskünstlern die ersten Striche nicht zu schwer fallen, wird das Motiv von hinten auf die Leinwand projiziert.

„Das größte Problem der Anfänger ist, dass sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Bei dieser Methode kann da nichts schiefgehen“, erklärt Beste. Am Ende würden sich die Bilder zwar im Motiv ähneln, seien aber in der Ausführung komplett unterschiedlich. „Jeder hat eine andere Pinselführung und jeder wählt auch andere Farben aus“, sagt sie – vor allem habe aber jeder eine andere Pinselführung.

Termine

Die Einzelausstellung „Abbild oder Selfie?“ wird am Sonntag, 19. Mai, von 11 bis 17 Uhr im Haus des Lüdenscheider Vereins „mach was“ in Brügge, Am Raffelnberg 3a, gezeigt. Dort sind dann auch die Bilder von Greta Thunberg und Ranga Yogeshwar zu sehen. Beim Ostereier-Preisschießen des KKSV in Meinerzhagen am Samstag, 20. April, ist Beste ebenfalls zu Gast. Dort wird sie Porträts in Postkartengröße malen.

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