Das Grauen im KZ aus der Sicht eines Kindes

KIERSPE ▪ „Appell bis in die Nacht“ steht als Überschrift auf einem der kleinen Bilder. „Aussuchung zum Tod“ und dahinter in Klammern „Auschwitz, Bad“. Gemeint ist der KZ-Alltag mit all seinen grausigen Facetten, wiedergegeben in den etwas unbeholfen Zeichnungen des damals fünfzehnjährigen Thomas Geve. Durch die kindliche Darstellung wirkt das Geschehen umso furchtbarer.

Der Sparkassendirektor Wolfgang Opitz bezeichnete deshalb die Ausstellung als eine der bewegendsten, die jemals in den Räumen der Sparkasse gezeigt wurde. „Diese Ausstellung ist wertvoll und wichtig: Wertvoll in ihrem historischen Wert und hochemotional im dramatischen Kontext ihrer Entstehung.“ Sie sei eine Mahnung zu einem friedvollen und respektvollen Miteinander. Opitz bedankte sich bei den Verantwortlichen des Jugendzentrums, denen es gelungen war, diese Wanderausstellung nach Kierspe zu holen.

Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Kultur(en) Pur“, die bewusst parallel zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfindet. Der Beigeordnete Olaf Stelse verwies in einer kurzen Ansprache auf die Eröffnungsveranstaltung von „Kultur(en) Pur“. Das Erzählcafé sei ein Gegenpol zur Ausstellung. Die Gespräche dort hätten gezeigt, dass ein friedliches und entspanntes Miteinander unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten sehr wohl möglich sei.

Die Reproduktionen der kleinen Buntstiftzeichnungen sind Teil einer Ausstellung, die normalerweise im KZ Buchenwald zu sehen. Die Originale werden heute im Kunstmuseum von Yad Vashem aufbewahrt.

Buchenwald war die letzte Station des Leidenswegs von Thomas Geve. Der Sohn eines jüdischen Arztes wurde als Dreizehnjähriger in das Konzentrationslager in Auschwitz deportiert. Dort wurde er als „arbeitsfähig“ eingestuft und zum Maurer ausgebildet. Seine überraschend sachlichen und detailgenauen Zeichnungen haben sicher auch mit seinem technischen Interesse zu tun. 1950 wanderte der „kindliche Historiker“, wie er sich selbst bezeichnete, nach Israel aus und wurde dort Bauingenieur.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. März in der Sparkassenhauptstelle während der Öffnungszeiten zu sehen. Christian Schwanke vom Jugendzentrum hatte die weiterführenden Schulen in Kierspe und Meinerzhagen angeschrieben. Der Besuch der Ausstellung mit den Werken von Thomas Geve sei sinnvoll und wichtig für Schüler ab der achten Klasse, meinte er. Allerdings sollten sich interessierte Schulklassen anmelden, um Überschneidungen zu vermeiden.

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