Kampf gegen teure Bahntickets

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Gordan Dudas kritisiert das Tarifchaos bei Bahnfahrten. Er drängt auf eine deutliche Verbesserung der Situation für Bahnkunden.

Kierspe/Düsseldorf - Die stark unterschiedlichen Bahnticketpreise ab Kierspe und Meinerzhagen sind – auf Initiative des Landtagsabgeordneten Gordan Dudas – längst auch im Landtag und seinem Verkehrsausschuss angekommen.

Als „schier undurchdringlicher Tarifdschungel“ bezeichnet der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas die stark differierenden Preise für Bahnfahrten. Das sorge regelmäßig für Kopfschütteln. Grund genug für den Sozialdemokraten, der die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs auf der Schiene im oberen Volmetal schon lange intensiv begleite, nicht nur eine Berichtsanfrage an den Landtag zu stellen, sondern mit der SPD-Landtagsfraktion einen Antrag zu stellen, um „das Tarifchaos zu beseitigen“.

Kunden ab Kierspe betroffen

„Bei uns sind vor allem die Kundinnen und Kunden der RB 25 ab Kierspe betroffen“, kritisiert Dudas, dem die „verwirrende Preisgestaltung“ ein Dorn im Auge ist. Viele Menschen würden sich zu Recht über Fahrkartenpreise mit teilweise sehr großen Unterschieden ärgern, nur, weil man eine Station kürzer oder weiter fahre.

„Das muss in Zeiten der Digitalisierung endlich ein Ende haben“, fordert der Landtagsabgeordnete. Bei einer Fahrt mit der RB 25 zahle man von Kierspe aus fast doppelt so viel wie von Meinerzhagen, das im sogenannten Kragentarif des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) liegt. „Es ist wichtig, dass jetzt alle an einem Strang ziehen und neue kundenfreundliche Systeme forcieren.

Im Zuge der Digitalisierung müssen möglichst bald neue kundenfreundliche und zeitgemäße Modelle auf den Markt kommen, um faire und nachvollziehbare Ticketpreise zu gewährleisten“, fordert Gordan Dudas. Nur so könne die Bahn attraktiv bleiben und im Sinne einer klimafreundlichen Mobilität an Akzeptanz bei Bürgern gewinnen. Daher werde seine Fraktion weiter am Ball bleiben, kündigt Dudas weitere Initiativen pro Bahnkunden an.

Im Verkehrsausschuss und im Landtag soll nicht nur der Bericht, sondern auch das Thema weiter diskutiert und beraten werden. Die Landesregierung und die Verkehrsverbünde einschließlich des Kompetenzcenters Marketing (KCM) – für die Gestaltung des NRW-Tarifs verantwortlich – hätten bereits den Bericht beziehungsweise Stellungnahmen vorgelegt.

Unübersichtlich und intransparent

Das aktuelle System der Tarife und Tickets mit Verbund- und Gemeinschafts-, Kragen- sowie Übergangstarifen sowie landesweitem NRW-Tarif werde häufig als unübersichtlich, kompliziert und intransparent wahrgenommen, weiß das NRW-Verkehrsministerium um die Ärgernisse.

Auch um den speziellen Fall Kierspe: Im VRS-Tarif koste die Fahrt von Köln nach Meinerzhagen 11,90 Euro – nur wenige Kilometer weiter bis nach Kierspe müsste für das Ticket dann 22,70 Euro bezahlt werden, weiß auch die Westfalen-Tarif GmbH. Dafür sei das Entfernungswerk des NRW-Tarifs verantwortlich. Wenig Trost ist, dass mit der Bahncard der Deutschen Bahn AG der Preis um 25 oder 50 Prozent gesenket werden könne. Auch die Aussage der Westfalen-Tarif GmbH, dass die Tarifkragen so geschnitten seien, „dass nur verhältnismäßig wenige Fahrgäste unter den kritisierten Preissprüngen leiden“, dürfte für die Kiersper wenig tröstlich sein.

Weiterentwicklung des Tarifsystems

Das Verkehrsministerium setzt ebenso wie die Verkehrsverbünde und das KCM auf die Digitalisierung: Dadurch könnten den Menschen eine einfach zugängliche, flexiblere und komfortablere Nutzung ermöglicht und die Attraktivität des ÖPNV gesteigert werden. Alle zusammen, so heißt es im Bericht des Ministeriums, arbeiteten an der Weiterentwicklung des Tarifsystems und neuen Lösungen.

In Zukunft soll sich der Nutzer des ÖPNV nicht mehr mit Tarifgebieten, deren Grenzen und den Ticketsystemen auseinandersetzen müssen. Dafür gebe es bereits seit Dezember 2019 die „mobil.NRW-App“, ein landesweit einheitliches, verbundübergreifendes elektronisches Ticketing-System. Ziel sei es, so ist im Bericht zu lesen, „gegenüber den Fahrgästen einheitlich aufzutreten, bestehende Barrieren abzubauen und über eine harmonisierte tarifliche Landschaft die korrekte Tariffindung zu vereinfachen.

Hierbei steht der Abbau der für die Fahrgäste wahrnehmbaren Grenzen im Vordergrund.“ Insbesondere in der Digitalisierung sieht man dabei einen wichtigen Baustein. So soll ein eTarif eingeführt, der dem Fahrgast die ÖPNV-Nutzung vereinfache. Der Kunde müsse sich nicht vorher ein Ticket aussuchen und kaufen, vielmehr werde es eine automatische Abrechnung anhand der Nutzung geben.

„Der NRW-weite eTarif ist für NRW die geeignete Lösung in Ergänzung des klassischen Tarifs, damit Kunden ohne konkrete Tarifkenntnisse den ÖPNV NRW-weit nutzen können und die Tarifgrenzen nicht mehr zu spüren sind.“ Der Haken: Die Chance, Preise von NRW- und Verbundtarifen anzugleichen, um Preissprünge an den Verbundgrenzen abzumildern, oder verschwinden zu lassen, wird frühestens im zweiten Halbjahr 2021 ergriffen – mit einer Pilotphase.

Darüber hinaus arbeite das KCM in Absprache mit den Verbund- und Tarifgemeinschaften Nordrhein-Westfalens an Angeboten, die verbundüberschreitende Fahrten vereinfachen sollen. Diese sind das Einfach-Weiter-Ticket, das Wochenend-Ticket (voraussichtlich beide ab Januar 2021) und das Job-Ticket (ab 2021).

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