Gnadenfrist für altes Bürgerhaus

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Rat der Stadt Kierspe will erst später über Abriss den Abriss des alten Bürgerhauses entscheiden. ▪

KIERSPE ▪ Seit Jahren beschäftigt das Bürgerhaus an der Höherstraße den Rat der Stadt. In der Sitzung am Dienstag sollte es das letzte Mal sein. Doch nach einem Appell von Horst Becker und dem Widerspruch einiger weiterer Ratsmitglieder wurde der Beschluss zum Abriss bis zur nächsten Ratssitzung vertagt – erst einmal.

„Wir haben die Verpflichtung unsere alten Gebäude zur erhalten. Ich habe das Bürgerhaus vor zwei Jahren gemeinsam mit einem Architekten besichtigt und wir kamen zu dem Schluss, dass es durchaus erhaltenswert ist. Ich hätte mir gewünscht, dass es eine Initiative aus dem Dorf dazu gegeben hätte“, so Becker, der als Beispiel den Erhalt der Historischen Brennerei in Rönsahl anführte.

Martin Schlüchting von den Freien Wählern unterstrich mit seiner Sicht der Dinge die Argumentation des CDU-Mitgliedes: „Wir haben kaum noch alte Gebäude in Kierspe. Zumindest die Fassade sollte erhalten bleiben.“ Davon wollte aber der CDU-Fraktionschef Jürgen Tofote nichts wissen. Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte der Rat den Beschluss gefasst, das alte Haus abzureißen. Eine Einstellung, die auch der Bürgermeister teilte, der daran erinnerte, dass eine Sanierung laut Gutachten mit rund 550 000 Euro zu Buche schlagen würde. „Wir haben hier im Rat über den Verkaufspreis gefeilscht. Aber es wurde trotz vielfältiger Bemühungen kein Käufer gefunden.“

In der UWG schwankte man in der Argumentation. So lag Clemens Wieland anfangs klar auf der Linie der Abrissbefürworter: „Eine Sanierung ist viel zu teuer.“ Später als Hermann Reyher von den Grünen jedoch den Antrag stellte, mit dem Beschluss bis zur Ratssitzung bis zum September zu warten, pflichtete ihm Wieland bei: „Wir können mit der Verschiebung leben.“

So ist es dann auch gekommen. Mit 14 zu 12 Stimmen räumte der Stadtrat dem alten Gebäude an der Höherstraße eine Gnadenfrist ein und bescherte der Verwaltung die Aufgabe, sich erneut um die Vermarktung der Ruine zu kümmern.

Eigentlich sollte der Rat von den Überlegungen einer Fusions zwischen den kommunalen Datenverarbeitungszentralen KDVZ aus Iserlohn und der KDZ Südwestfalen mit Sitz in Siegen nur Kenntnis nehmen. Doch ein Antrag der Freien Wähler führte zu einer Diskussion. Denn nach diesem Antrag sollte der Vertreter Kierspes bei der Verbandsversammlung gegen die Gründung einer Dachversammlung stimmen, da nach Ansicht der Wählergemeinschaft unkalkulierbare Kosten auf die Kommune zukommen könnten.

Eine Sicht, die die Ratsmitglieder mehrheitlich nicht teilen wollten. Nach ihrer Auffassung müsse erst im Dezember über eine Fusions der beiden Dienstleister entschieden werden.

Zu den Fusionsüberlegungen war es gekommen, nachdem die KDVZ ein Minus von rund zwei Millionen Euro eingefahren hatte. ▪ jobek

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