Mit Glückskäfern in die zentrale Abschlussprüfung

+
Kristina Balks, Natascha Carafa, Kolja Kleinhofer, Romina Salpetro und Philip Thometzek berichteten über ihre Erfahrungen bei den Abschlussprüfungen. ▪

KIERSPE ▪ „Geschafft“, die Schüler atmeten erleichtert auf, als sie gestern um 11.15 Uhr nach genau 130 Minuten auch die Arbeit im Fach Englisch hinter sich gebracht hatten. Und das, wie sie übereinstimmend doch recht optimistisch befanden, „ganz gut“. Die zentralen Abschlussprüfungen im zehnten Jahrgang begannen am Dienstag mit Deutsch. Am Freitag in einer Woche folgt dann noch Mathematik.

Wobei Kristina Balks, Natascha Carafa, Kolja Kleinhofer, Romina Salpetro und Philip Thometzek, mit denen die MZ sich gestern unterhielt, alle froh waren, gerade für dieses Fach jetzt noch genügend Zeit zum Üben zu haben. Alle fünf gehören zum Englisch-Erweiterungskurs von Lehrerin Angelika Witte.

Bei den Abschlussprüfungen, die nun zum vierten Mal in dieser Form durchgeführt werden, gilt erneut höchste Geheimhaltung: So nahmen der didaktische Leiter Frank Bisterfeld und der zuständige Stufenleiter für den neunten und zehnten Jahrgang, Hans-Georg Englmann, am Mittwoch gemeinsam am Computer den Download der Englisch-Prüfungsaufgaben beim Schulministerium vor. „Dabei darf kein Fachlehrer anwesend sein und auch kein Elternteil, ohnehin natürlich kein Schüler“, machten sie aufmerksam. Allenfalls noch Schulleiterin Monika Hahn, bei der die Oberaufsicht liegt. Der Aufwand ist enorm, wie sich unter anderem an den allein im Fach Deutsch angefallenen 2938 Kopien zeigt. „Die in Englisch habe ich noch nicht zusammengerechnet“, merkte Englmann an.

184 Schüler

aus sieben Klassen

184 Schüler aus den sieben Klassen des zehnten Jahrgangs stellten sich gestern der Englisch-Prüfung in insgesamt neun Kursen, vier Erweiterungskursen und fünf Grundkursen. In Deutsch waren es ebenfalls neun Kurse und nächsten Freitag in Mathe sind es acht Kurse. „Getestet wird ein mittleres Leistungsniveau“, informierten Bisterfeld und Englmann, die damit zugleich erklärten, warum die Schüler die Arbeiten als gut zu bewältigen beurteilten. Kristina Balks, Natascha Carafa, Kolja Kleinhofer, Romina Salpetro und Philip Thometzek befanden außerdem, dass sie sich durch ihre Lehrer gut vorbereitet gefühlt hatten.

Die „Vorprüfung“, so bezeichneten sie die letzte Arbeit vor drei bis vier Wochen, die schon ähnlich strukturiert war wie bei den zentralen Abschlussprüfungen, sei um einiges schwieriger gewesen, meinten sie größtenteils. In jedem Falle aber sei es eine gute Übung gewesen, um sich auf die Prüfungen einzustellen, deren Bewertung immerhin zu 50 Prozent in die Endnote im jeweiligen Fach einfließt.

Jugendliche

wählen Erörterung

In Deutsch konnten die Schüler auswählen zwischen einer Analyse und einer Erörterung. Auf beides waren sie vorbereitet worden, doch erklärten alle fünf Schüler, sich für die Erörterung entschieden zu haben, „weil man bei der Analyse absolut schief liegen kann“. Philip Thometzek stellte fest: „Es ist für mich gut gelaufen“.

Die Englisch-Prüfung gestern begann mit einer Hörverstehensaufgabe: Dabei ging es zunächst anhand von Anrufen bei Londoner Touristenhotlines um die Sehenswürdigkeiten in der englischen Hauptstadt. „Um Öffnungszeiten, Eintrittspreise und das größte Aquarium mit einem Fassungsvermögen von mehr als einer Million Litern“, berichtete Philip gemeinsam mit seinen Mitschülern. Danach wechselte der Schauplatz nach Australien: Vom Rekorder wurde das Gespräch einer Studentin mit einem Hochschullehrer auf einem Universitätscampus über den Aufbau und die Organisation des Studiums abgespielt. Die dritte Aufgabe bestand aus einer Radiosendung zu Besonderheiten au stralischer Städte wie des multikulturell geprägten Melbourne und das gefährliche Wildleben in den Wäldern rund um Darwin.

Anschließend folgten eine Wortschatzaufgabe sowie ein Leseverstehenstest zu einem literarischen Text, in dem es sich um einen Jungen drehte, der sich allein im australischen Busch durchschlagen muss. Dazu waren drei Schreibaufgaben zu lösen. „So mussten wir schildern, was er gemacht hat, um zu überleben, und was unternommen wurde, um ihn zu retten“, erzählten die Schüler. Danach konnten sie auswählen, ob sie selbst einen Zeitungsartikel oder aber eine Argumentation dazu schreiben wollten, ob diese Erfahrung in der Wildnis für den Jungen positiv oder negativ war. Bis auf Kolja Kleinhofer entschiedenen sich alle fünf Schüler für die Argumentation. Nur Kolja favorisierte lieber den Artikel. „Das kann man besser einfach so runterschreiben“, glaubte er.

Mit Verpflegung

eingedeckt

Für die Prüfung hatten sich die Jugendlichen ganz unterschiedlich mit Verpflegung ausgerüstet: „Ich hatte eine Flasche mit Wasser, Traubenzucker und ein Butterbrot mit“, sagte Philip Thometzek. Andere Schüler hätten Glückskäfer dabei gehabt und sogar verteilt oder auch Schokobons. Er hätte sich im Fach Deutsch vielleicht ebenfalls das Buch für die zentralen Abschlussprüfungen zur Vorbereitung gewünscht, was in einigen Gruppen benutzt worden sei, in anderen aber nicht. In Englisch habe er es gehabt, was für ihn nützlich gewesen sei.

Kristina Balks beurteilte die Prüfung in Deutsch und auch gestern in Englisch als relativ leicht: „Ich hatte gedacht, es wäre schwieriger. Ich habe ein gutes Gefühl.“ Sie hatte sich mit Schokolade eingedeckt. Vor Englisch etwas mehr Angst als vor Deutsch hatte Natascha Carafa, „aber dann war es doch ganz o.k.“, stellte sie im Nachhinein fest. Das Pauken hatte sich gelohnt. Kolja Kleinhofer hätte in Englisch gerne etwas mehr Zeit gehabt, besonders bei der Hörverstehensaufgabe. Dagegen habe er in Deutsch eher zu viel Zeit gehabt. Er hatte sich mit zwei Tafeln Schokolade, einem Brötchen und einem Apfel sowie zwei Flaschen Wasser und einer Flasche Apfelschorle ausgestattet.

Wenig Stress machte sich im Vorfeld der Prüfungen Romina Salpetro, sondern sie ging in dem Bewusstsein, dass alles im Unterricht behandelt worden war, sie geübt hatte und sich fit fühlte, die Arbeiten ganz ruhig an. „Es hat funktioniert“, zog sie Bilanz. Gestern reichten ihr ein Eistee und ein Käsebrötchen, denn „ich schreibe liebe bevor ich esse“. ▪ rh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare