Posaunenquartett Opus 4 entfacht musikalisches Feuerwerk der Meisterklasse

Glanzvoller Auftakt zur Konzertreihe in Servatiuskirche

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Musikalische Erzählkunst aus fünf Jahrhunderten präsentierte das Posaunenquartett Opus 4, dessen Mitglieder dem weltbekannten Leipziger Gewandhaus-Orchester angehören, beim Konzertabend in der Servatiuskirche.

RÖNSAHL - „Das dürfte bei den in den kommenden Monaten folgenden Veranstaltungen im Rahmen der Rönsahler Kirchenkonzerte wohl nur schwerlich zu toppen sein.“ Unisono einer Meinung waren die erfreulich vielen Besucher, die am Samstagabend zum Auftakt der nunmehr bereits 24. Spielzeit der inzwischen weit über die engere Umgebung hinaus beliebten kirchenmusikalischen Veranstaltungsreihe in die Servatiuskirche gekommen waren.

Wieder einmal war es dem Veranstalter Dr. Christoph Luyken gelungen, gleich zu Saisonbeginn mit der Verpflichtung des Leipziger Posaunenquartetts Opus 4, an der Orgel musikalisch ergänzt und wirkungsvoll begleitet durch den vielfach ausgezeichneten Organisten der berühmten Ladegast-Orgel am Leipziger Dom Denny Wilke einen Kunstgenuss der Extraklasse zu servieren.

Wenngleich es, so die einführenden Worte von Dr. Luyken, bei der Programmplanung der Konzertreihe in aller Regel als ungeschriebenes Gesetz gelte, Wiederholungen tunlichst zu vermeiden und stattdessen ständig neue musikalische Akzente zu setzen – was man dem Veranstalter auch zweifellos abnehmen darf – so zahlte sich der an diesem Abend in gewisser Weise vollzogene „Tabubruch“ in vielfacher Weise aus: Opus 4 nämlich hatte schon vor einigen Jahren bei gleicher Gelegenheit in Rönsahl begeistern können – was den beiderseitigen Wunsch nach Wiederholung rechtfertigte.

Gleich zu Beginn des Abends lieferten Jörg Richter, bereits seit 1984 als Soloposaunist im Gewandhausorchester Leipzig engagiert und als Gründer und Leiter des 1994 gegründeten Posaunenquartetts Opus 4 tätig (Alt- und Tenorposaune), Stephan Meiner, Michael Peuker und Thilo Möncks (Tenor- beziehungsweise Bassposaune), mit der „Canzona für vier Posaunen und Orgel“ aus der Feder von Biagio Marini (1597 – 1663) den Beweis für ihr besonders ausgeprägtes Gefühl für Harmonie, einhergehend mit einem hohes Maß an Musikalität, ab. Das galt mindestens ebenso auch für Denny Wilke an der historischen Kleine-Orgel, der das erst vor wenigen Monaten restaurierte Kleinod der Servatiuskirche schon beim Entree und erst recht im weiteren Verlauf des Abends in geradezu meisterhafter Weise bediente und damit den andächtig lauschenden Zuhörern einmal mehr ins Bewusstsein rief, über welch großen Schatz die Servatiuskirche mit ihrer Orgel verfügt.

Das kam insbesondere zum Ausdruck bei der zu Gehör gebrachten Choralpartita „Was Gott tut, das ist wohl getan“ von Johann Pachelbel (1855 – 1706) als einem der unbestrittenen Höhepunkte des Abends.

Ein musikalisches „Schmankerl“ nicht alltäglicher Art zauberte Opus 4 aus dem Ärmel, als das Quartett im ersten Teil des Konzerts auf dem Ensemble als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellte Barock-Zugposaunen zurückgriff, deren Klangbild sich in wohltuender Weise deutlich von dem abhob, was nachfolgende Generationen von Blechblasinstrumenten landläufig zu bieten haben. Selbst die schnellen Läufe gelangen Opus 4 auf den als behäbig geltenden Instrumenten par excellence. So genossen die Zuhörer den musikalischen Reigen mit Musik aus fünf Jahrhunderten und Beiträgen von Jaques de Pres, Thomas Selle, Hans Leo Hassler bis Heinrich Schütz und anderen in vollen Zügen und sparten nicht mit Szenenbeifall.

Selbst Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), der keine Werke für Posaune geschrieben hat, hätte wohl freudig mit applaudiert, als Opus 4 den Choral „Lobet den Herrn, alle Heiden“, von Jörg Richter umgeschrieben als vierstimmige Kantate für Posaunen, zu Gehör brachte.

Einfach herrlich dann später auch die in Noten gefasste Erzählkunst, die das Ensemble bei „Alexanders Ragtime Band“ aus der Feder von Irving Berlin (1888 – 1989) und erst recht beim Insider-Einblick in die geschwätzige „Kaffeerunde bei Anna Magdalena“ (Bach) zum Besten gab.

Spätestens als weltbekannte Broadwaymelodien aus dem reichhaltigen Repertoire von George Gershwin (1898 – 1932) erklangen war klar, dass man Opus 4 und den Organisten nicht ohne die eine oder andere Zugabe ziehen lassen würde. - cr

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