Ginco eröffnet eine neue Chance

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Igor Dzuba absolviert eine Ausbildung zum Elektroniker bei der Firma GWK. ▪

KIERSPE ▪ „Das Praktikum bei GWK und das Ginco-Programm waren für mich wie ein kleines Fenster das sich geöffnet hat und durch das ich eine Perspektive gesehen habe“, beschreibt Igor Dzuba die Chance, über einem Umweg an einen Ausbildungsplatz gekommen zu sein.

Das aus dem Fenster eine Tür wurde, die ihm weit offen stand, verdankt er den Mitarbeitern der Euro-Schulen und den Ausbildern der Firma GWK.

Dzuba hatte im vergangenen Jahr die Schule mit einem Hauptschulabschluss verlassen und aufgrund seiner Noten keine Lehrstelle bekommen. Also blieb dem Kiersper Jugendlichen nur der Weg ins Berufskolleg nach Lüdenscheid, wo er das „verlorene Jahr“ überbrücken konnte. Dort stellte die Arbeitsagentur das Projekt Ginco (Ganzheitliches Integrationscoaching) vor, bei dem die Schüler, die das Berufsgrundbildungs- oder Berufsorientierungsjahr besuchten, die Chance auf eine individuelle Betreuung durch Mitarbeiter des Bildungsträgers Euro-Schulen hatten.

„Die Schüler mussten sich freiwillig für Ginco melden. Dementsprechend hoch war auch die Motivation“, erklärt Astrid Lenhard von den Euro-Schulen. Konzipiert für Schüler mit Migrationshintergrund wurde den Teilnehmern eine individuelle Beratung angeboten. Darin enthalten das Schreiben von Bewerbungen und die Reflektion eigener Fähigkeiten. Gemeinsam wurde so beispielsweise ein Praktikumsplatz für Dzuba bei der Firma GWK gesucht, bei dem er sich beweisen konnte, wie es seine Trainerin Lenhard formulierte.

„Ein Praktikum ist auch der einzige Weg, der in unserem Unternehmen zu einem Ausbildungsplatz führt“, sagt Ausbildungsleiter Christoph Schütt, der nichts von Eignungstests hält, weil diese nur eine Momentaufnahme seien und nichts über die sozialen Kompetenzen des Bewerbers aussagen würden.

Diese Einstellung ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass GWK nicht über Bedarf ausbildet, sondern in den Bewerbern, die einen Ausbildungsplatz suchen, auch zukünftige Mitarbeiter sieht, die ins Team passen müssen.

Geschaut wird bei der Bewerbung auch nicht nur auf das Zeugnis, mit dem sich die Schüler präsentieren, sondern auch auf frühere Zeugnisse. Schütt: „Wir lassen uns dann auch noch mal das Halbjahreszeugnis vorlegen. Es wäre fatal, wenn die Jugendlichen eine Zusage bekämen und sich dann mit dieser Gewissheit in der Schule zurücklegen würden.“

Bei Dzuba, dessen letztes Zeugnis nicht allzu glücklich ausgefallen war, waren die Leistungsnachweise zuvor wesentlich besser. Und auch die Leistungen, die er am Berufskolleg brachte, machten den Entscheidern bei GWK Mut, dem jungen Mann einen Ausbildungsplatz als Elektriker anzubieten. Dazu gehört er zu den glücklichen sieben der 20er-Gruppe, die an dem Projekt teilnahmen und nun eine Lehrstelle haben. „Das ist für uns ein großer Erfolg“, bemüht sich Özgür Gökce, Leiter der Euro-Schulen im Märkischen Kreis, die Zahl ins rechts Licht zu rücken.

Das wird auch von der Arbeitsagentur, die die Maßnahme bezahlt, so gesehen. Und auch in den kommenden sechs Monaten stehen die Trainer des Bildungsträgers den Auszubildenden noch als Ansprechpartner zur Verfügung, falls noch mal Probleme auftauchen. Doch damit ist bei Igor Dzuba nichts auszugehen. Er hat nicht nur erfolgreich an dem Programm teilgenommen, sondern die Zeit auf dem Berufskolleg auch genutzt, um einen Realschulabschluss zu erwerben.

Für die Arbeitsagentur und die Euro-Schulen sind solche Fälle Motivation, Ginco auch im kommenden Schuljahr wieder anzubieten. Auch dann werden wieder 20 Schüler mit Migrationshintergrund intensiv betreut und auf das Berufsleben vorbereitet. Dabei ist es sicher hilfreich, dass den Trainern direkt im Schulgebäude ein Raum zur Verfügung steht, in dem sie mit den Schülern arbeiten können. „Diese Nähe erlaubt uns aber auch einen vertrauten Umgang mit den Lehrern, die meist sehr genau wissen, wo die Schwächen und Stärken der Schüler liegen“, so Gökce.

Bei Igor Dzuba lagen diese auf jeden Fall im Bereich der Elektrotechnik. Und wenn jetzt während der Ausbildung alles glatt läuft, dann kann er in diesem Beruf auch noch Jahre bei der Kiersper Gesellschaft für Wärme- und Kältetechnik arbeiten. ▪ jobek

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