Gesamtschüler basteln  mit Senioren bunte Ostereier

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Lara Köhler (links) und Jolynn Koll sind die Projekt-Paten von Ursula-Dorothea Samp.

Kierspe - Viele Bewohner des Awo-Seniorenzentrums warteten am Dienstag voller Vorfreude darauf, dass die Uhr endlich auf 10.30 Uhr sprang. Denn dienstags bekommen sie zu dieser Uhrzeit regelmäßig Besuch von Schülern der Kiersper Gesamtschule. Und diese hatten gestern einiges mit den Senioren vor.

Einige Senioren sitzen bereits über zehn Minuten gespannt im Foyerbereich des Seniorenzentrums und warten dort auf „ihre“ Gesamtschüler, manche werden von den Neuntklässlern an ihren Zimmern abgeholt. Das gemeinsame Tagesziel von Schülern und Senioren: viele bunte Ostereier – gefärbt mit Filz.

„Mein Osterei soll dunkelblau werden“, sagt Ursula-Dorothea Samp zu Awo-Betreuungsassistentin Nadine Schuler. Lara Köhler entscheidet sich ebenfalls für blauen Filz, ihre Mitschülerin Jolynn Koll will ihr Osterei grün färben. Köhler und Koll nehmen am GSKI-Projekt „Sozial genial“ teil und sind die Projekt-Patinnen von Ursula-Dorothea Samp. „Wir besuchen die alten Leute jede Woche zur selben Uhrzeit“, berichtet Lara Köhler, während sie die Filzwolle um ein Plastikei wickelt. Anschließend taucht sie das Ei in einen mit Wasser gefüllten Eimer, ehe die wirkliche Arbeit beginnt.

Nachdem sich die Filzwolle mit Wasser vollgesogen hat, wird das Ei unzählige Male in der Hand gerollt: „Das ist, als wenn ihr einen Knödel für den Mittagstisch rollt“, erklärt Nadine Schuller. „Das habe ich immer gerne gemacht!“, entgegnet Ursula-Dorothea Samp. Während die Seniorin und ihre Patinnen die Ostereier in ihren Händen kreisen lassen, ist viel Zeit zum Reden: „Man macht sich im Vorfeld keine Gedanken zu bestimmten Gesprächsthemen“, erklären Lara Köhler und Jolynn Koll. Da es feste Schüler-Senioren-Paare gibt, entsteht eine Vertrauensbasis. Manche Senioren haben laut Ulrike Benninghaus sogar Fotos mit ihren Paten im Zimmer stehen: „Da entstehen richtige Freundschaften“, freut sich die Mitarbeiterin des sozialen Dienstes. In den Augen von Lara Köhler erleichtert dieses freundschaftliche Verhältnis die Gespräche: „Man redet über alles.“ Beim Bearbeiten der Eier ist das Osterfest natürlich auch ein Gesprächsthema: „Früher, als ich in eurem Alter war, haben wir Ostern nicht gefeiert. Im Krieg ging das einfach nicht“, erinnert sich Ursula-Dorothea Samp. Wie sie das diesjährige Osterfest verbringen wird, weiß sie noch nicht: „Vielleicht kommen mich meine Kinder besuchen.“ „Wir können ihnen auch gerne einen Besuch abstatten“, schlägt Lara Köhler vor. Beim Gespräch über das Alter entgegnen ihr die beiden Schülerinnen, dass sie sich „wirklich gut gehalten“ hätte: „Ich habe mich mein ganzes Leben lang nur selten und wenig geschminkt. Das hat meiner Haut wohl gut getan“, rät die Seniorin ihren Zuhörerinnen schmunzelnd.

Theorieunterricht, um mitreden zu können

Um am GSKI-Projekt teilnehmen zu können, mussten sich die Neuntklässler zum Schuljahresbeginn bewerben. Neben den 45-minütigen Besuchen im Seniorenzentrum gibt es auch theoretischen Unterricht: „Die Senioren erzählen den Schülern viel über ihre Jugendzeit und ihr Arbeitsleben. Natürlich wird auch viel über den Krieg erzählt. Im Theorieunterricht vermitteln wir den Schülern gewisse Hintergründe, damit sie stets mitreden können“, erklärt Sarah Dahl, Lehrerin der Kiersper Gesamtschule. Um 11.15 Uhr verabschieden sich die Schüler von ihren Senioren und machen sich wieder auf den Rückweg in Richtung Gesamtschule. Die Filz-Ostereier schmücken nun zahlreiche Wohnungen im Seniorenzentrum.

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