"Gendern": Wird in Kierspe gerecht gesprochen?

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Geschlechtergerechte Sprache: Auch in Kierspe wird „gegendert“.

Kierspe - Geschlechtergerechtigkeit ist ein Dauerthema in der heutigen Gesellschaft. Auch die deutsche Sprache bleibt nicht von dieser Diskussion unberührt. Im Gespräch mit Vertretern von Kiersper Institutionen hat unsere Zeitung versucht herauszufinden, wie dort „gegendert“ wird.

Kiersper, Kiersperin, Kiersper/in oder Kiersper*in – es gibt viele Beispiele, die zeigen, welche Lösungen zu Papier gebracht werden, um in der Kommunikation nach außen oder auch im eigenen Haus allen Geschlechtern gerecht zu werden. Ein besonderes Beispiel ist die Klage einer 80-Jährigen, die in einem Schreiben ihrer Bank mit „Kunde“ angesprochen wurde. Sie ging vor dem Bundesgerichtshof, weil sie sich in dem Schreiben nicht als Frau berücksichtigt fühlte. Die Diskussion um das sogenannte „Gendern“ in der deutschen Sprache wird bereits seit den 1980er-Jahren geführt. Die Gegenseite argumentiert mit Begriffen wie „Sprachverhunzung“ und meint, dass sich Frauen bei der Verwendung des generischen Maskulinums einfach mitangesprochen fühlen sollen. Die Pro-Seite bekam im Zuge der neueren Sexismus-Debatten (Stichwort „MeToo“) neue Unterstützer. 

Welche sprachlichen Regelungen haben Institutionen in Kierspe getroffen – Gender-Sternchen, Binnen-I oder Gender-Gap? Spielt das Thema Gender-Gerechtigkeit überhaupt eine Rolle in ihrer internen und externen Kommunikation? Und warum haben sie sich für ihre jeweilige Lösung entschieden? 

Sparkasse 

In der direkten Kommunikation, sowohl mit den Kunden, als auch mit den Mitarbeitern, nimmt man bei der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen auch eine gerechte Sprache in den Fokus. „Wir versuchen immer die männliche und die weibliche Seite anzusprechen“, erklärt Ingo Gummersbach, zuständig für die Vertriebssteuerung. Die Gleichstellungsbeauftragte, bei der dieses Thema naturgemäß verankert ist, lege da besonderen Wert drauf. In Stellenausschreibungen des Unternehmens finden sich unter anderem Formulierungen wie Bankkauffrau/ Bankkaufmann, aber auch in der alternativen Version Bankkaufleute. 

Jugendzentrum 

Im Rahmen offizieller Mitteilungen, etwa in Schreiben an das Landesjugendamt, habe man einige sprachliche Regelungen getroffen, erklärt Christian Schwanke vom Kiersper Jugendzentrum. Dabei werde teilweise klar das jeweilige Geschlecht benannt („Sohn/Tochter“ statt „Kind“). Bei Zählungen für Jahresberichte werde für die Statistik zwischen männlich, weiblich und divers unterschieden. „Im niederschwelligen Bereich gibt es aber eher weniger Probleme, da wir oft die Worte Jugendliche oder Kids verwenden. Wir machen uns um das Thema schon Gedanken. Bisher ist aber noch niemand gekommen, der sich nicht berücksichtig fühlte.“ 

Stadt Kierspe 

In der Kommunikation im Rathaus gäbe es zwar grundsätzliche Regeln. Es werde etwa in Stellenausschreibungen auf eine geschlechtergerechte Sprache geachtet. Aber eine durchgehende Regelung für die neuerliche Debatte gäbe es nicht – oder noch nicht, wie der Erste Beigeordnete Olaf Stelse erklärt. Auf der Internetseite der Stadt finden sich etwa in dem Grußwort des Bürgermeisters Frank Emde („Liebe Bürgerinnen und Bürger“) vereinzelte Beispiele fürs „Gendern“. „Das Thema wird regelmäßig angesprochen. Sicherlich wird das Hauptamt sich um den Sprachgebrauch in der Sache kümmern.“ 

Awo Seniorenzentrum 

Stringente Vorgaben gäbe es bei der Arbeiterwohlfahrt zu dem Thema zwar nicht, aber man sei komplett dazu übergegangen, in der Kommunikation nach innen und auch nach außen geschlechtergerecht zu schreiben, erklärt Michael Borchert, Einrichtungsleiter des Awo Seniorenzentrums in Kierspe. In Stellenausschreibungen finde man deshalb seit Längerem das Gender-Sternchen (Hauswirtschaftsleiter*in oder Pflegeassistent*in). Auch die Unterscheidung zwischen männlich, weiblich und divers kommt dort vor. „Die Betroffenen wünschen sich diesen Umgang. Wir machen uns viele Gedanken darüber und haben deshalb unsere Ansprachen erweitert.“ Die Arbeiterwohlfahrt stehe für Vielfalt und sei inklusiv aufgestellt, deshalb sei auch diese Diskussion präsent, erklärt der Michael Borchert. „Wir geben uns an allen Stellen Mühe. Das Thema geht durch alle Abteilungen.“

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