Heimatverein verschafft historischen Grabsteinen eine letzte Ruhestätte

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Ohne die tatkräftige und fachliche Unterstützung der städtischen Friedhofsgärtner Jens Volkenrodt (links) und Andreas Mühlhoff wäre die Umsetzung der Grabsteine sicher nicht so schnell gelungen.

Kierspe – Hier ist Geschichte tatsächlich in Stein gemeißelt – und damit diese auch gelesen werden kann, hat der Heimatverein nun besondere und alte Grabsteine mithilfe städtischer Friedhofsmitarbeiter in Szene gesetzt.

Seit gut 20 Jahren fristeten die Grabsteine auf dem Kiersper Friedhof im wahrsten Sinne des Wortes ein Schattendasein. Bislang standen die Steine im Eingangsbereich der alten Friedhofskapelle. Und da der Vorraum mit einem Gitter versperrt war, waren die historischen Steine nur sichtbar, wenn die Kapelle für Trauerfeierlichkeiten geöffnet wurde. Das ist nun anders. Jetzt liegen die Steine auf einem eigens hergerichteten Feld oberhalb der Kapelle – gebettet in weichen Rindenmulch.

„Die ersten Steine hat Karl-Heinz Vollmann gerettet und in seinem Keller eingelagert. Er hat auch vieles zu den Familien notiert und Dokumente gesammelt“, berichtet Marlen Vedder. Später seien die Steine dann in dem Vorraum der Kapelle gesammelt worden. Den Wunsch, diese zugänglicher zu machen, habe es schon länger gegeben, erzählt Silvia Baukloh, Vorsitzende des Heimatvereins. Ursprünglich gab es die Idee, die Steine an der Außenwand der Kapelle aufzureihen, doch das hätte Gespräche mit dem Dankmalamt zur Folge gehabt – und auch die Pflege sei dort nicht so einfach gewesen. Danach entstand der Wunsch, ein Feld mit Kies anzulegen, auf dem die Steine ihre letzte Ruhe finden sollten. Schließlich machte Friedhofsgärtner Jens Volkenrodt den Vorschlag, Rindenmulch als Untergrund zu wählen: „Das sieht am natürlichsten aus und ist für uns am einfachsten zu pflegen.“ Mit Hilfe seiner Kollegen und eines Minibaggers wurden die teilweise großen Steine die wenigen Meter versetzt. Doch bevor die Steine an ihren neuen Ort kamen, griff Marlen Vedder zum Hochdruckreiniger, um das Moos von den zum Teil Jahrhunderte alten Steinen zu entfernen.

Der älteste Steine stammt aus dem Jahr 1673, ein anderer wurde 1679 angefertigt. Als der Stein, der an die Familie Röwenstrunk erinnert, auf den Friedhof kam, war der 30-Jährige Krieg noch keine 30 Jahre zu Ende. Im gleichen Jahr belagerten und eroberten die Truppen unter Wilhelm von Oranien-Nassau die Stadt Bonn und erzwangen so eine Wende im Holländischen Krieg.

Marlen Vedder greift zum Hochdruckreiniger um die Verunreinigungen, die sich in Jahrzehnten angesammelt haben, abzuwaschen.

Über Kierspe ist zu dieser Zeit nicht viel Berichtenswertes bekannt. Damals lebten in dem Ort nicht einmal 3000 Menschen (1634 waren es 2570 Einwohner). Bekannt ist aber über die Familie Röwenstrunk, dass diese eine große Rolle in Kierspe spielte. Silvia Baukloh weiß zu berichten, dass aus dieser Familie zahlreiche Richter und Pfarrer hervorgingen.

Nun wird dieser gleich neben Dr. Deisting gedacht, der als Arzt in Kierspe wirkte und 1908 eine Firma gründete, die seinen Namen trug. Doch darauf beschränkte sich das Handeln Deistings nicht, um die wirtschaftliche Situation der Kiersper und vor allem der Landwirte zu verbessern. So gründete er die Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft, die Molkerei, den Bauverein und die Spar- und Darlehenskasse (heute Volksbank).

Damit auch zukünftig Besucher des Friedhofs die Möglichkeit haben, etwas über die Menschen zu erfahren, an die die Grabsteine erinnern, möchte der Heimatverein an den Steinen QR-Codes befestigen, die dann den Smartphone-Nutzer auf eine Seite des Heimatvereins führen, auf der es Informationen gibt.

Grabsteine

Dass die 14 Steine nun neben der alten Friedhofskapelle ihren Platz gefunden haben, ist vor allem dem Zufall und der Weitsicht von Karl-Heinz Vollmann, aber auch den Mitgliedern des Heimatvereins zu verdanken. Heute werden alte Grabsteine nicht aufgehoben. Endet die Nutzungszeit einer Grabstelle, werden die Angehörigen benachrichtigt. Diese könnten dann den Stein abholen. Doch nach der Erfahrung des Friedhofsgärtners Jens Volkenrodt passiert das so gut wie nie. Dann werden die Steine von den städtischen Mitarbeitern fachgerecht entsorgt.

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