Die Geschichte des Dreikönigsfestes

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Im 16. Jahrhundert wurde das Sternsingen erstmals urkundlich erwähnt. Heute gehen viele Mädchen und Jungen von Tür zu Tür, um für bedürftige Kinder in aller Welt zu sammeln.

KIERSPE -   Wie das Osterdatum war auch das Weihnachtsdatum anhaltend umstritten. Jesu Geburt wurde von großen Teilen der Christenheit anfangs am selben Tag wie Pessach, am 25. März oder am 6. Januar, dem heutigen Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert. Das änderte sich mit der Einführung des Julianischen Kalenders im Jahr 1582, mit dem Weihnachten auf den 25. Dezember festgelegt wurde.

Von Gertrud Goldbach

Der 6. Januar wurde das Fest drei Heiligen drei Könige, Epiphanias oder Erscheinung des Herrn, so der heute gebräuchliche Name für das christliche Dreikönigsfest. Während in der westlichen Kirche dieses Fest den drei Weisen aus dem Morgenland zugeordnet wird, wird es in der Ostkirche als Tag der Taufe Christi begangen.

Schon im griechisch geprägten Ägypten wurde in der Nacht vom 5. zum 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore gefeiert. Am Tag des 6. Januar folgte das Schöpfen des heilbringenden Wassers aus dem Nil. Im antiken römischen Kaiserkult im hellenistischen/griechischen Osten des Römischen Reiches formte sich ein Feiertag, der die göttliche Erscheinung des Göttlichen als Teil des Zeremoniells beinhaltete. Der Ritus wurde ebenfalls zu Beginn des Januars gefeiert und basierte auf der Epiphanie Julius Caesars, der beim Überschreiten des Flusses Rubikon am 10. Januar 49 vor Christus vom Volk als Heiland und lebender Gott begrüßt und angebetet wurde. Grundsätzlich bedeutete die Epiphanie nichts anderes als der adventus, die Ankunft des römischen Herrschers und „seinen glückverheißenden Einzug in eine Stadt“.

Spätestens im zweiten Jahrhundert entstand in der Ostkirche das christliche Epiphaniasfest, das bis zum vierten Jahrhundert das alte Ritual des Kaiserkultes überlagerte. Nach der konstantinischen Wende gingen einige Elemente des vorchristlichen Epiphaniaskultes, sofern sie sich auf Christus übertragen ließen, in die Liturgie ein. Die kaiserlichen Epiphanie-Riten hielten sich in Byzanz bis zum Untergang des oströmischen Reiches, allerdings immer eingeschränkter, da die Stellung der göttlichen Caesaren als römische Staatsgötter gegenüber der Rolle des lebenden Herrschers als Stellvertreter Christi zurückgedrängt wurde. Das ursprüngliche Datum der Epiphanie ist unbekannt. Die älteste sichere Quelle nennt neben dem 20. Mai vor allem den 10. Januar, aber auch den heute gebräuchlichen 6. Januar.

Die heutigen Namen der Heiligen drei Könige tauchten erstmals im sechsten Jahrhundert auf und wurden im neunten Jahrhundert volkstümlich. Als Sterndeuter, Philosophen und Zauberer sucht sie die Legende Aurea zu erklären. Viele Legenden und Kommentare erzählen das von Wundern erfüllte Leben der drei Weisen, ehe ihnen der Stern erschien, sie die Reise nach Jerusalem unternahmen, vor Herodes standen und, nach der Verehrung des Kindes und durch einen Engel im Traumgesicht gewarnt, einen anderen Rückweg in die Heimat einschlugen. Aus frühchristlichen Quellen stammt die Erzählung von ihrer Taufe durch den Apostel Thomas und von ihrer Bischofswürde, von einem gemeinsamen Weihnachtsfest im Jahr 54 und ihrem unmittelbar darauf folgenden Tod, vom Auffinden ihrer Gebeine und deren Überführung nach Konstantinopel durch Kaiserin Helena. Aus der Zahl der Gaben Myrre, Gold und Weihrauch schloss man im dritten Jahrhundert auf die Dreizahl der Magier. Ab dem sechsten Jahrhundert bekamen sie ihre Namen, zunächst mit Thaddadia, Melchior und Balytora. Seit dem achten Jahrhundert heißen sie Caspar, Melchior und Balthasar, zugleich wurden sie in den Stand der Könige erhoben. In unterschiedlichen Schriften des Mittelalters wurden die Namen und Geschenke gedeutet. Im Malerbuch vom Berg Athos ist die Folge Caspar, Melchior, Balthasar festgelegt. Die Geschenke sind am verständlichsten in den „Gesta Romanorum“ gedeutet: Das Gold bezeichnet den einem König gebührenden Weisheitsschatz, der Weihrauch das ergebungsvolle Opfer und Gebet, die Myrrhe die reinhaltende Kraft der Selbstbeherrschung. Außer der Unterscheidung in drei Lebensalter, die sich im 12. Jahrhundert einbürgerte, trat um 1300 der jüngste als Mohr auf. Die drei Könige wurden als Vertreter der damals bekannten drei Weltteile Asien, Europa und Afrika angesprochen, auch zurückgeführt auf die drei Söhne Noahs.

Angebliche Reliquien der drei Weisen aus dem Morgenland wurden ursprünglich in Mailand aufbewahrt, nach der Unterwerfung Mailands brachte der Kanzler Barbarossas die Reliquien als Geschenk nach Köln, wo seither das Fest dieser Überführung am 23. Juli 1164 gefeiert wird. Wegen ihrer Reise zum neugeborenen Jesuskind wurden sie zu Patronen der Reisenden und Pilger, besonders auch als Patrone für die „letzte Reise“, den Tod. Die Namen vieler Gaststätten haben in Köln ihre Wurzel: „Stern“, „Drei Kronen“, „Mohr“ und andere.

Auch zum Sauerland haben die Heiligen drei Könige eine besondere Beziehung. Bereits 1803 zog der Allendorfer Fuhrmann Friedrich Clute-Simon mit den Reliquien der Könige und mit dem Kölner Domschatz durch Meinerzhagen, um nach einer langen Auslagerungszeit wieder nach Köln zurückzukehren. Grund der Auslagerung war damals die Französische Revolution und die Sorge, dass der Domschatz geraubt werden könnte.

Dreikönigsspiele waren bis in die Neuzeit sehr beliebt. Noch heute weit verbreitet ist in der katholischen Kirche der Brauch der von Haus zu Haus ziehenden Sternsinger, die um eine Gabe bitten und das Haus segnen, wobei die jeweilige Jahreszahl und die Initialen C + M + B an die Haustür geschrieben werden. Das Sternsingen wurde im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich vermerkt und war bald schon sehr verbreitet. Zunächst wurde ein Kreuz auf die Türen gemalt, daraus entwickelten sich der Haussegen „C + M + B“, „Christus Mansionem Benedicat“, „Christus segne das Haus“, welcher das Böse abhalten soll.

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